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Monsanto-ÜbernahmeBayer vor Gericht: Löst Glyphosat Krebs aus?

Mit Monsanto hat Bayer den Unkrautvernichter Glyphosat übernommen. Das bringt Ärger: In Brasilien setzt ein Gericht den Einsatz der Chemikalie aus. In den USA entscheidet die Justiz darüber, ob sie krebserregend ist.Jürgen Salz 07.08.2018 - 14:57 Uhr

Glyphosat wird als Unkrautvernichter eingesetzt (Symbolbild).

Foto: dpa

In diesen Tagen soll das Urteil fallen. In San Francisco entscheidet ein Gericht darüber, ob Glyphosat – eines der wichtigsten Produkte des US-Herstellers Monsanto – krebserregend ist. Kläger ist Dewayne „Lee“ Johnson, ehemals Platzwart an einer Schule in Kalifornien. Johnson leidet seit 2014 an Lymphdrüsenkrebs. Für seine Erkrankung macht er Glyphosat verantwortlich, das er einst über den Schulrasen spritzte.

Johnsons Anwälte wollen beweisen, dass die Konzern-Manager von der Gefährlichkeit ihres Mittels wussten und versucht haben, entsprechende wissenschaftliche Studien zu manipulieren. Monsanto – und damit der neue Eigentümer Bayer – bestreitet die Vorwürfe.

Tatsächlich dürfte es Johnson und den Anwälten schwerfallen, einen wissenschaftlichen Beweis zu liefern, dass Glyphosat Krebs auslöst. Weltweit gibt es nur eine Studie, die einen entsprechenden Zusammenhang sieht. Sie stammt von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) aus Lyon, einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dagegen sehen etwa die amerikanische Umweltbehörde EPA sowie nationale Aufsichtsbehörden keinen Zusammenhang zwischen Krebs und Glyphosat.

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Vor Gericht äußern die Anwälte von Monsanto Mitgefühl für Johnson, betonen aber, dass sich Lymphdrüsenkrebs über Jahre entwickele. Da Johnson 2012 mit Glyphosat in Kontakt kam und der Krebs 2014 diagnostiziert wurde, könne ausgeschlossen werden, dass ein Zusammenhang besteht.

Andererseits: Der Auftritt des Klägers Johnson dürfte die Jury im Supreme Court in San Francisco, wenige Blocks vom Union Square entfernt, nicht unbeeindruckt gelassen haben. Lee Johnson ist 46 Jahre alt, Vater von zwei Söhnen und hat vermutlich nur noch wenige Monate zu leben. Auf die gemeinsamen Tanzabende mit seiner Ehefrau Araceli und sein Hobby Schwimmen muss er längst verzichten.

Johnson leidet als Folge der Chemotherapien an Gedächtnisverlust und Depressionen. Vor Gericht schilderte er, wie seine Rasenspritze zweimal nicht richtig funktionierte, seine Kleidung mit dem Mittel durchtränkt wurde und seine Haut in Kontakt mit Glyphosat geriet. Seine Ehefrau gab zu Protokoll, wir für sie nach der Schock-Diagnose eine Welt zusammenbrach. Sie arbeitet nun 14 Stunden am Tag, um die Familie durchzubringen.

Diese sehr persönlichen Schilderungen dürften die Jury in ihrem Urteil beeinflussen. Zig weitere Prozesse drohen Bayer darüberhinaus – und könnten den Konzern am Ende auch finanziell belasten. Tausende Amerikaner haben wegen Glyphosat bereits Klagen eingereicht, ein US-Bundesrichter ließ bereits Hunderte Klagen zu.

Ärger wegen Glyphosat droht Bayer auch an einer anderen Stelle: Ein Gericht in Brasilien hat den Einsatz von Glyphosat ausgesetzt. Neue Produkte mit der Chemikalie dürfen nicht mehr angemeldet werden, bestehende Zulassungen sollen in den nächsten 30 Tagen aufgehoben werden. Das gilt dann solange, bis die Regierung über die Giftigkeit von Glyphosat entschieden hat.

Für Bayer könnte dies ein schwerer Schlag werden: Brasilien ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Glyphosat. Umweltverbände machen Glyphosat für das Artensterben, etwa bei Insekten, sowie für die Entstehung resistenter Unkräuter verantwortlich.

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