Regional, gemeinnützig, engagiert: Norddeutschlands Arbeitgeber mit dem größten Gemeinsinn
Frosta aus Bremerhaven bringt Kindern das Kochen und gute Ernährung bei
Foto: ddp imagesWo in Deutschland fühlen die Menschen sich besonders wohl? Am meisten hat sich die Lebensqualität in den vergangenen fünf Jahren in Oldenburg verbessert. Von den zehn Städten, deren Lebensqualität sich am deutlichsten verbessert hat, ist immerhin jede zweite aus Norddeutschland. Außer Oldenburg stehen auf dieser Liste nämlich Lübeck, Braunschweig, Rostock und Hamburg. Das zeigt das Städteranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vom vergangenen Dezember.
Wer mit an diesen Verbesserungen gearbeitet hat, das sind die Unternehmen der Regionen, die sich verdient machen um das lokale Gemeinwohl. „Unternehmen machen Orte attraktiv und lebenswert, zum Beispiel durch ihre Unterstützung von örtlichen Sportvereinen“, sagt Dominik von Au, Experte für Familienunternehmen beim Beratungsunternehmen PwC. „Ich erinnere mich nicht an den Namen vom Bürgermeister – aber auf die größten Unternehmen als Arbeitgeber am Ort bleibt man ewig stolz,“ beschreibt er die Gefühlslage der Bevölkerung.
Sichtbar wird das Engagement traditionell in den örtlichen Sportvereinen, wenn auf den Mannschafts-Shirts die Logos ihrer Sponsoren prangen.
Aber auch durch die Unterstützung von unzähligen kleineren, sozialen Aktionen. Etwa der Tiefkühlkosthersteller Frosta aus Bremerhaven, der bei dem Verein Rückenwind Kindern das Kochen und gute Ernährung beibringt. „Als einer der großen Arbeitgeber in Bremerhaven mit 700 Mitarbeitern am Hauptsitz ist es uns wichtig, dass wir uns hier vor Ort sozial engagieren. Zumal Bremerhaven seit vielen Jahren die Stadt mit der höchsten Kinderarmut in Deutschland ist,“ berichtet Frosta-Geschäftsführer Felix Ahlers. Wer kochen kann, der ernährt sich viel besser und günstiger, ist Ahlers überzeugt.
Das Engagement in lokalen Vereinen ist aber nur ein Grund von vielen, den die Teilnehmer bei der Umfrage der WirtschaftsWoche mit dem Marktforscher Service Value auf der Suche nach den wertvollsten Arbeitgebern in Norddeutschland anerkennen. Denn wertvoll für die Region ist eine Arbeitgeber dann, wenn er über sein Unternehmen und auch das seiner eigenen Mitarbeiter hinaus denkt und handelt. Für das Ranking wurden 54 Landkreise und 17 kreisfreie Städte abgefragt.
Pro Landkreis beteiligten sich mindestens 100 Bürger, pro Großstadt mindestens 1000. Sie gaben den Unternehmen Noten von eins für „ausgezeichnet“ bis sechs für „mir unbekannt / irrelevant für das Gemeinwohl“. Die Vorauswahl der Unternehmen orientiert sich an den Mitarbeiterzahlen. Im kleinsten Landkreis muss ein Unternehmen mindestens 100 Mitarbeiter zählen, in der größten Stadt mindestens 500. Insgesamt wurden 2.158 Unternehmen bewertet. 594 Arbeitgeber bekamen so gute Noten, dass sie ausgezeichnet wurden.
Auffällig: Besonders viele Krankenhäuser sind sehr beliebt bei der Bevölkerung, aber ebenso Theater oder Stadtwerke, auch viele Familienunternehmen und Mittelständler sind dabei.
Zum Beispiel das Handelsunternehmen Bünting in Ostfriesland mit seinen rund 14.000 Beschäftigten. Sein Teemuseum in Leer ist eins von drei Privatmuseen in der Stadt, das obendrein auch kultureller Attraktionspunkt für jährlich rund 13.000 Touristen ist. Im Herzen der historischen Altstadt wird hier gezeigt, wie sich das Kolonialwarengeschäft, das Johann Bünting 1806 gründete, zum größten und ältesten Teehandelshaus Ostfrieslands aufstieg. Kontrastprogramm sind die Besucher-Touren durch die Bünting-Tiefkühlkost-Läger bei 25-Grad-Minustemperaturen, die Teeproduktion oder das Hochregallager mit sieben Etagen.
Auch internationale Player beschäftigt die Frage, wie stark sie regional auftreten sollten, laufend, erzählt PwC-Berater von Au. Wie ernst Konzerne ihr Ansehen in der Region nehmen, bewies im vergangenen Sommer der Flugzeugbauer Airbus, der in Hamburg 12.700 Mitarbeiter beschäftigt. Als der neue Airbus-Chef, der Franzose Guillaume Faury, seinen neuen Job antrat, gab er sein allererstes großes Interview in Deutschland nicht etwa einer der überregionalen, auflagenstarken Zeitungen. Stattdessen stärkte er lieber der Lokalpresse, dem „Hamburger Abendblatt“ den Rücken.
Eine exklusive Studie des Kölner Analyseinstituts ServiceValue im Auftrag der WirtschaftsWoche hat die wertvollsten Arbeitgeber für das Gemeinwohl ihrer Region ermittelt. Eine detaillierte Beschreibung der Methodik können Sie hier nachlesen: „Studieninformation Wertvolle Arbeitgeber 2019 für das Gemeinwohl – Auszeichnung, Fragestellung, Methode, Erhebung und Auswertung“ (pdf, 150 kB)
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