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Schweizer SpezialchemiekonzernClariant tauscht nach Bilanzmanipulation Finanzchef aus

Nach einer von Whistleblowern aufgedeckten Bilanzmanipulation nimmt der Finanzchef des Schweizer Spezialchemiekonzerns Clariant seinen Hut. 27.04.2022 - 11:03 Uhr

Das Logo des schweizer Spezialchemiekonzerns am Firmensitz in Pratteln.

Foto: Arnd Wiegmann

Nach einer von internen Whistleblowern aufgedeckten Bilanzmanipulation nimmt der Finanzchef des Schweizer Spezialchemiekonzerns Clariant seinen Hut. Stephan Lynen trete zum 1. Juli zurück, teilte das Unternehmen aus Muttenz bei Basel am Mittwoch mit. Zum neuen CFO sei der Engie-Manager Bill Collins ernannt worden. Nach dem Abschluss einer Untersuchung korrigierte Clariant den Betriebsgewinn (Ebitda) für das Jahr 2020 nach oben: Nach vorläufigen Zahlen belief er sich auf 597 Millionen Franken (582 Millionen Euro) statt der ursprünglich genannten 578 Millionen. Umsatz und liquide Mittel seien nicht betroffen.

„Wir wissen es zu schätzen, dass unsere Mitarbeiter uns auf diese Angelegenheit aufmerksam gemacht haben, und ich bin froh, dass wir die Untersuchung nun abgeschlossen haben und diese Angelegenheit hinter uns lassen können“, erklärte Konzernchef Conrad Keijzer. „Nach einer gründlichen Untersuchung haben wir die Ergebnisse genau geprüft und sind entschlossen, unsere Kontrollen und Prozesse weiter zu stärken.“ Keijzer hatte Anfang 2021 den langjährigen Clariant-Chef Hariolf Kottmann abgelöst.

Die Untersuchung wurde eingeleitet, nachdem sich Mitarbeitende im September vergangenen Jahres gemeldet hatten. Den Hinweisen zufolge sollen Falschbuchungen vorgenommen worden sein, um die Ergebnisse des Unternehmens so zu steuern, dass die internen und externen Finanzziele erreicht würden. Die Prüfung förderte nun zutage, dass Rückstellungen und Abgrenzungen 2020 über- oder unterbewertet wurden.

Für das Jahr 2021 meldete Clariant ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 4,37 Milliarden Franken und einen Anstieg des Ebitda um 19 Prozent auf 708 Millionen, entsprechend einer Gewinnmarge von 16,2 Prozent. Die Zahlen sind vorläufig. Der geprüfte Jahresabschluss soll bis spätestens 30. Mai veröffentlicht werden. Die ursprünglich für Februar geplante Bilanzbekanntgabe musste verschoben werden, nachdem der Buchprüfer PwC wegen der laufenden Untersuchung nicht in der Lage war, den Abschluss abzusegnen.

Für das erste Quartal 2022 stellte Clariant dank einer starken weltweiten Nachfrage nach seinen Produkten mit höheren Absatzmengen und Preisen ein starkes Umsatzwachstum in Aussicht. Das Quartalsergebnis soll bis spätestens 30. Juni vorliegen. Auch die Generalversammlung soll bis dahin stattfinden. Zum Ausblick für das laufende Jahr wollte sich der Konzern nicht äußern, bekräftigte aber seine Mittelfristziele. Bis 2025 werden vier bis sechs Prozent Umsatzwachstum und 19 bis 21 Prozent Ebitda-Marge angepeilt.

An der Börse atmeten die Anleger auf. Mit einem Kursplus von knapp zehn Prozent führte Clariant die europäischen Chemiewerte an. „Der Betrugsfall hat das Unternehmen zurückgeworfen“, erklärte Vontobel-Analystin Sibylle Bischofberger. „Es wird nun Zeit brauchen, um Maßnahmen zur Verbesserung der Prozesse umzusetzen.“

rtr
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