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GewerkschaftVerdi-Chef Werneke: „Inflation wird uns weiter beschäftigen”

Wegen der Inflation fordert Verdi hohe Lohnzuwächse von den Arbeitgebern – etwa bei der Post und dem öffentlichen Dienst. Eine vom Bundeskanzler eröffnete Möglichkeit sieht die Gewerkschaft skeptisch. 02.01.2023 - 07:19 Uhr Quelle: dpa

Gewerkschaften fordern mehr Einkommen.

Foto: dpa

Die Tarifrunden des neuen Jahres stehen nach Ansicht von Verdi-Chef Frank Werneke weiter unter dem Eindruck der großen Preissteigerungen in Deutschland. „Die hohe Inflation wird uns weiter beschäftigen”, sagte Werneke der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Alle Menschen müssen den Kühlschrank voll bekommen, alle haben Anspruch auf eine geheizte Wohnung.”

Vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine habe niemand vorhergesehen, dass es ein verfestigtes Inflationsniveau von acht, neun oder sogar mehr Prozent geben werde. „Bereits im Lauf des Jahres hat Verdi zum Teil sehr hohe Tarifabschlüsse durchgesetzt, etwa für die Hafenarbeiter mit insgesamt zweistelligen Lohnzuwächsen.” Werneke verwies zudem auf den Abschluss für die Lufthansa vom November, wo für Berufseinsteiger ein Gehaltsplus von mehr als 17 Prozent ausgehandelt worden war.

„Menschen mit niedrigeren Einkommen sind im Verhältnis zu ihrer Einkommenshöhe überproportional von den stark gestiegenen Preisen betroffen”, stellte Werneke fest. „Als Verdi versuchen wir ganz explizit, für diese Beschäftigtengruppe überdurchschnittliche Einkommenssteigerungen durchzusetzen. Deshalb fordern wir zum Beispiel tabellenwirksame Mindestbeträge, wie etwa beim öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen mit einer Mindestanhebung um 500 Euro.”

Am 24. Januar beginnen Verdi und der Beamtenbund dbb Tarifverhandlungen für rund 2,5 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen. Die Gewerkschaften fordern außer den Mindestbetrag 10,5 Prozent mehr Einkommen.

Werneke erwartet, dass das Thema krisenbedingter Sonderzahlungen weiter oben auf der Tagesordnung bleibt zeigte sich dazu aber skeptisch. „In allen Tarifverhandlungen, die wir derzeit führen, stellt die Arbeitgeberseite die Prämie zum Inflationsausgleich ins Schaufenster und beleuchtet sie mit bunten Lampen”, sagte er. „Es wäre jetzt keine große Überraschung, wenn die öffentlichen Arbeitgeber genauso agieren.”

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte solche Sonderzahlungen im Rahmen seiner Gespräche mit Arbeitgebern und Gewerkschaften gegen die Inflation („konzertierte Aktion”) angeboten. Der Staat verzichtet demnach bei Zusatzzahlungen bis zu 3.000 Euro von Arbeitgebern an ihre Beschäftigten auf Steuern und Abgaben.

Werneke sagte dazu: „Wir haben es jedoch mit dauerhaft steigenden Preisen zu tun.” Es werde keinen Rückgang der Preise auf das Niveau vor Februar 2022 geben. „Unsere Mitglieder wünschen sich nachhaltige, dauerhafte, tabellenwirksame Entgeltsteigerungen und bezahlen darauf dann auch gerne Steuern und Sozialabgaben.” Dass die Arbeitgeber mit anderen Vorstellungen unterwegs seien, sei wahrscheinlich. „Und dann werden wir sehen, ob wir miteinander zu einem Ergebnis kommen.”

Zu den Verhandlungen bei der Post, die am 6. Januar beginnen sollen, sagte Werneke: „Bei der Deutschen Post AG agieren wir nicht mit einem Mindestbetrag, weil dort die Unterschiede zwischen den Eingruppierungen nur vergleichsweise gering ausfallen: Egal ob im Zustelldienst oder im Post-Verteilzentrum – die Eingruppierungen liegen nah beieinander.”

Deswegen fordere Verdi bei der Post insgesamt ein Lohnplus von 15 Prozent. „Hier arbeiten Kolleginnen und Kollegen mit geringen Einkommen bei gleichzeitig einer harten Tätigkeit, die überwiegend in Großstädten und Ballungsräumen mit ihren hohen Preisniveaus leben.” Dem Unternehmen gehe es finanziell so gut, dass die Aktionäre reich belohnt würden. „Dort ist auch genug Geld für die Beschäftigten.”

Lesen Sie auch: „Wir sehen eine massive Veränderung im Einkaufsverhalten“

dpa
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