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Angeschlagener EnergiekonzernUniper-Chef Maubach hört auf

Er war ein Abgesandter des früheren finnischen Eigners Fortum, aber hat Uniper im Krisenjahr klar und entschieden gesteuert – in die Verstaatlichung. Selbst der Betriebsrat stützte ihn. Jetzt hört Maubach trotzdem auf.Florian Güßgen 10.01.2023 - 11:45 Uhr

Klaus-Dieter Maubach zieht sich bei Uniper als Vorstandsvorsitzender zurück.

Foto: dpa

Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Klaus-Dieter Maubach, der Chef des verstaatlichten Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper, hört Ende März auf. Das hat Uniper am Dienstag per Pflichtmitteilung verkündet. Auf Grund der Mehrheitsübernahme durch den Bund Ende Dezember habe Maubach ein Sonderkündigungsrecht. Davon mache er Gebrauch. „Mit dem Eintritt des Bundes als neuem Mehrheitsaktionär beginnt eine neue Phase“, ließ sich Maubach zitieren. „Es wird eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens erfolgen müssen, dabei gibt es keine Zeit zu verlieren. Ich bin überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt ist, den Weg für ein neues Vorstandsteam freizumachen.“

Auch David Bryson, Unipers Chief Operating Officer (COO), kündigte sein Ausscheiden an. Tiina Tuomela, die vom vorherigen Mehrheitseigner Fortum entsandte Finanzvorständin (Chief Financial Officer), hatte ihren Abgang schon im Dezember verkündet. Der Vertrag des Chief Commercial Officers (CCO) Niek den Hollander läuft Ende Mai 2023 aus. Der Uniper-Aufsichtsrat prüfe „alle Optionen“ heißt es.

Für den Bund, der im Dezember 99 Prozent von Uniper übernommen hatte, bietet das Ausscheiden Maubachs die Chance, das Unternehmen personell völlig neu aufzustellen und damit auch die strategische Ausrichtung mit neuen Köpfen zu untermauern. Uniper gehörte bis zum vergangenen Jahr mehrheitlich dem finnischen Konzern Fortum. Durch das Ausbleiben der Gaslieferungen aus Russland musste der Gasimporteur Gas teuer an den Spotmärkten beschaffen, um seine Kunden, darunter mehrere Hundert Stadtwerke, bedienen zu können. Im vergangenen Sommer explodierten die Preise an den Spotmärkten, teilweise auf bis zu 340 Euro für die Megawattstunde. Unipers Verluste schossen an manchen Tagen auf über 200 Millionen Euro hoch. Ende August stoppte Russland seine Gaslieferungen an Uniper komplett.

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Als Lieferant für Stadtwerke, aber auch viele Unternehmen, galt Uniper als too big to fail. Deshalb sprang die Bundesregierung ein. Als ein erstes Rettungspaket aus dem vergangenen Juli nicht genügte, beschloss die Ampel-Regierung, Uniper zu übernehmen. Im schlimmsten Fall stehen die Steuerzahler nun bis zu einer Summe von 50 Milliarden Euro für das Unternehmen gerade. Allerdings dürften sinkende Gaspreise die Verluste reduzieren.

Maubach, ein früherer E.On-Vorstand, war Anfang 2021 von Fortum als Chef nach Düsseldorf geschickt worden, vor allem, um eine Aufspaltung Unipers voranzutreiben. Die Finnen waren primär an Wasserkraftwerken, aber auch an Atomkraftwerken Unipers in Nordeuropa – vor allem Schweden –, interessiert. Die Aufspaltungsabsichten waren intern auf heftigen Widerstand des früheren Uniper-Managements, aber auch der Belegschaft gestoßen. Maubach sollte es richten, geriet aber bald, schon im Herbst, in den Strudel der heraufziehenden, von Russland verursachten Energiekrise. Uniper in dieser Krise zu managen, wurde seine Hauptaufgabe.

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Dabei stellen selbst zuvor skeptische Betriebsräte Maubach ein gutes Zeugnis aus. Der Manager neigt bisweilen zur Breitbeinigkeit, zu einer sehr klaren Ansprache. Aber diese Klarheit hat er offenbar auch in der Handhabung der Krise im Umgang mit Regierung, mit Rating-Agenturen, aber auch mit der Belegschaft an den Tag gelegt.

Noch im Dezember, kurz vor der außerordentlichen Hauptversammlung, auf der die Übernahme beschlossen wurde, hieß es von Betriebsratsseite, man wünsche sich, das Maubach bleibe. Dabei war das Jahr 2022, dieses „Horrorjahr“, das „Annus horribilis“, wie Maubach es nannte, für den Energiemanager auch persönlich ein Jahr des Bruchs. Wie so viele deutsche Energie-Spezialisten galten stabile Beziehungen zu Russland seit Jahrzehnten als selbstverständlich. Noch Mitte vergangenen Jahres behauptete Maubach, wenn er bei Gazprom-Chef Alexej Miller anrufe, dann werde er durchgestellt. Das ist mittlerweile nicht mehr der Fall.

Für Uniper steht nun die Frage der strategischen Ausrichtung an. Das Unternehmen ist Deutschlands wichtigster LNG-Importeur, betreibt seit ein paar Wochen auch das schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven. Bei der Eröffnung kurz vor Weihnachten war Maubach gemeinsam mit Kanzler Olaf Scholz, Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner an Bord der MS Helgoland. Lindners Finanzministerium beaufsichtigt die Uniper-Beteiligung. Uniper hofft aber auch, bei der künftigen grünen Energieversorgung – dem Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft – eine zentrale Rolle zu spielen. Der Bund wird nun durch eine Nominierung eines Maubach-Nachfolgers oder einer Maubach-Nachfolgerin festlegen, in welche Richtung sich das Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln soll – auch in Abgrenzung zu dem zweiten verstaatlichten Gas-Importeur, der Securing Energy for Europe (Sefe), der früheren deutschen Gazprom-Tochter Gazprom Germania.

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