Strategische Rohmaterialien: EU-Kommission fordert Stresstests für Wärmepumpenhersteller
Ohne kritische Rohmaterialien wird Europa die Energiewende nicht gelingen. Um Abhängigkeiten zu reduzieren, schlägt die EU-Kommission ein Maßnahmenpakt vor, das die gesamte Wertschöpfungskette von strategischen Rohmaterialien stärken soll. Konkret fordert die EU-Kommission, dass die Mitgliedsstaaten ab 2030 gemeinsam mindestens 40 Prozent aller ihrer strategischen Rohmaterialien herstellen sollen. Dies geht aus dem Entwurf der Verordnung für kritische Rohmaterialien vor, der der WirtschaftsWoche vorliegt. Die EU-Kommission wird die Endfassung am 14. März vorstellen.
„Angesichts der Schlüsselrolle von kritischen Rohmaterialien bei der grünen und digitalen Transformation und ihres Einsatzes im Bereich Verteidigung und Raumfahrt wird die Nachfrage in den kommenden Jahrzehnten exponentiell ansteigen“, warnt die EU-Kommission. So sei bei Lithium, einem entscheidenden Material für Batterien bis 2050 ein Anstieg der Nachfrage um den Faktor 57 zu erwarten. „Gleichzeitig wächst das Risiko von Lieferunterbrechungen vor dem Hintergrund von geopolitischen Spannungen und Wettbewerb um Ressourcen.“
Abhängigkeiten von Drittländern wie China vermeiden
Konkret schlägt die EU-Kommission vor, dass die EU künftig mindestens zehn Prozent ihres Bedarfs an strategischen Rohmaterialien selbst fördern soll. 15 Prozent des Bedarfs von allen strategischen Rohmaterialien soll die EU durch Recycling in Europa decken. Außerdem sollen die 27 EU Länder nach dem Willen der EU-Kommission künftig Abhängigkeiten von Drittländern wie China vermeiden. Die EU dürfe ab 2030 nicht mehr zu mehr als 70 Prozent von einem Drittstaat abhängig sein bei strategischen Rohmaterialien, heißt es in dem Verordnungsentwurf. Konkret verweist die EU-Kommission darauf, dass 2021 die Lieferungen von Magnesium aus China unterbrochen wurden. Damals war die EU zu 95 Prozent von diesem einen Lieferanten abhängig.
Die EU-Kommission will zusätzlich große Unternehmen, die strategische Technologien herstellen – etwa Batterien, E-Autos, Wasserstoff, Heizpumpen, Dronen, Satelliten und moderne Halbleiter – alle zwei Jahre zu Stresstests verpflichten, damit sie alle möglichen Szenarien im Falle einer Lieferunterbrechung durchspielen. Außerdem sollen die Unternehmen ein Audit vornehmen, in dem der Anteil strategischer Rohmaterialen am gesamten Input festgehalten wird. Dies soll das Management sensibilisieren. „Diese Maßnahmen führen dazu, dass die Kosten von potenziellen Lieferschwierigkeiten stärker berücksichtigt werden“, heißt es in dem Verordnungsentwurf.
Die EU-Kommission will eine spezielle Kategorie von Strategischen Projekten für Rohmaterialien einführen, die sich auch in Drittstaaten befinden können. Diese Projekte sollen leichter an Finanzierung gelangen und Genehmigungen sollen schneller als bisher erteilt werden.
Künftig sollen EU-Mitgliedsstaaten der EU-Kommission mitteilen, über welche strategische Vorräte sie von bestimmten Rohmaterialien verfügen.
Außerdem will die EU-Kommission ein System aufbauen, damit die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen gebündelt wird. Möglicherweise wird diese Aufgabe outgesourct. Die Idee ist jedoch, dass kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu kritischen Rohmaterialien bekommen. Auch EU-Mitgliedsstaaten, die ihre strategischen Vorräte auffüllen wollen, können diesen gemeinsamen Einkauf nutzen.
Die EU-Kommission will alle vier Jahre eine Liste von strategischen und kritischen Rohmaterialien veröffentlichen. Dabei soll berücksichtigt werden, wie relevant Rohmaterialien für die grüne und digitale Transition sind – und wie sehr die künftige Nachfrage und die aktuelle Produktion auseinander driften. Auch die kritischen Rohmaterialien werden nach einer mathematischen Formel ermittelt, die etwa Subsititionsmöglichkeiten berücksichtigt.
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