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Auf ins Ausland?Von wegen Panikmache: Die Gefahr der Deindustrialisierung in drei Grafiken

Industrieunternehmen klagen über hohe Preise für Energie und Rohstoffe, Fachkräftemangel und Regulatorik. Eine Befragung zeigt, wie sie auf die Probleme in Deutschland reagieren – und wo sie lieber investieren würden.Dominik Reintjes 24.03.2023 - 14:59 Uhr
Foto: imago images, WirtschaftsWoche

Deindustrialisierung? Für Wirtschaftsminister Robert Habeck ist das vor allem ein Schlagwort, das nur in „interessierten Kreisen zirkuliert“. Der Wirklichkeit und Dynamik werde es überhaupt nicht gerecht, sagte Habeck Anfang März im Interview mit der WirtschaftsWoche. Und als Bundeskanzler Olaf Scholz im Interview mit der „Bild am Sonntag“ danach gefragt wurde, ob Warnungen vor der Deindustrialisierung aufgrund des Dax-Ausstiegs von Linde, Biontechs Großbritannienplänen und Bayers Überlegungen zu einer Verlagerung des Pharmageschäfts nur Panikmache seien, antwortete er: „So wie Sie es zusammenfassen, ja.“

Alles gut also? Wohl kaum. Die Einschätzungen der Spitzenpolitiker passen nicht zu dem, was in vielen Industrieunternehmen derzeit passiert. Das ifo-Institut stellte erst vor wenigen Tagen aufgrund des Wandels zur E-Mobilität einen Verlust industrieller Strukturen in der Autoindustrie fest. 

Eine Befragung der Unternehmensberatung Deloitte unter 120 Managerinnen und Managern, die in ihren Industrieunternehmen für die Lieferkette verantwortlich sind, zeigt nun, dass dahinter tatsächlich ein generelles Problem steckt. 52 Prozent der Unternehmen sehen demnach die Attraktivität des Standorts Deutschland in Gefahr. 45 Prozent schätzen die Gefahr der Deindustrialisierung in Deutschland als groß oder sehr groß ein.

Die Ergebnisse der Befragung lagen der WirtschaftsWoche vor der Veröffentlichung exklusiv vor. Sie zeigen, wie die Industrie auf hohe Preise für Energie und Rohstoffe, wachsende Bürokratie und den Personalmangel reagiert – und in welchen Ländern die Unternehmen investieren wollen.

Die Gründe für die Unzufriedenheit der Manager sind vielfältig: Die Energiepolitik belastet Industrieunternehmen der Befragung zufolge am meisten. Doch auch der Personalmangel, kleinteilige Regulatorik wie durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder die Tarifabschlüsse bereiten den Managern Sorgen (siehe Grafik oben).

„Die anhaltende Belastung der Unternehmen insbesondere durch die hohen Preise, die Inflation und – vor allem in Deutschland – durch die hohen Energiepreise sind ein Risiko für den Standort“, schlussfolgert Deloitte-Berater und Studienautor Florian Ploner.

Nordamerika besonders attraktiv

Und so orientieren sich viele Unternehmen anderswohin. Am attraktivsten für Investitionen ist demnach Nordamerika (56 Prozent), gefolgt von Osteuropa (46), Südostasien (29) und Indien (21).

„Die meistgenannten Länder sind dabei die USA, Polen, Vietnam, Indien und Brasilien“, heißt es in der Studie. „Als Grund für die Verlagerung des Standorts spielen geringere Regulierung und Energiesicherheit (in Nordamerika), niedrige Arbeitskosten und gute Anbindung (in Osteuropa) sowie Vorteile bei den Produktionskosten (in Südostasien) eine wesentliche Rolle“, schreiben die Studienautoren.

Die Verlagerung hat der Befragung zufolge bereits begonnen: 37 Prozent der Unternehmen haben Teile ihrer Lieferkette bereits ins benachbarte Ausland verlegt (Nearshoring) – 29 Prozent der Unternehmen planen damit.

Und 22 Prozent der Unternehmen setzen bereits auf Friendshoring – sie verlagern Geschäftsaktivitäten also in politisch befreundete, demokratische Länder. Ein weiteres Drittel der Unternehmen plant für die Zukunft mit dieser Maßnahme.

Für die Untersuchung hat Deloitte im Januar und Februar gut 120 Lieferkettenmanager befragt, vorwiegend aus den Branchen Maschinenbau und Industriegüter, Automobil und Chemie. Mehr als drei Viertel der Befragten arbeiten bei Großunternehmen mit 250 und mehr Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.

Lesen Sie hier: Wirtschaftsminister Robert Habeck im großen WiWo-Interview.

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