Einschnitte bei P&C Düsseldorf: Peek & Cloppenburg streicht 350 Stellen
„Das stationäre Geschäft ist heute definitiv profitabel und zukunftsfähig“, sagt P&C-Geschäftsführer Thomas Freude.
Foto: imago imagesGut zwei Monate nach dem Start eines Schutzschirm-Insolvenzverfahrens kündigt der Düsseldorfer Modehändler Peek & Cloppenburg erste konkrete Restrukturierungsmaßnahmen an: Insgesamt 350 der 1500 Arbeitsplätze in den Zentralbereichen sollen demnach abgebaut werden. Eine ganze Hierarchieebene direkt unterhalb der Geschäftsführung fällt weg.
„Jetzt ist die Geschäftsführung näher am Maschinenraum und damit näher am Kunden“, begründet Geschäftsführer Thomas Freude diese Maßnahme im Interview mit dem „Handelsblatt“. „Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen, er ist im Zuge unserer Restrukturierung aber leider zwingend notwendig“, hieß es auch in einer Pressemitteilung des Unternehmens.
Freude betonte, dass die Schieflage entstanden sei, weil das Onlinegeschäft stark defizitär ist. Dieses sei zu groß gedacht gewesen und das müsse jetzt korrigiert werden. „Das stationäre Geschäft ist heute definitiv profitabel und zukunftsfähig“, sagte der Geschäftsführer. Deshalb sei auch geplant, keines der 67 Häuser in Deutschland zu schließen. „Wir beobachten aber weiterhin intensiv die Rahmenbedingungen und die Profitabilität einzelner Standorte“, sagt Restrukturierungsgeschäftsführer Dirk Andres. Dafür stehen man in Gesprächen mit den Vermietern, um marktgerechte Konditionen zu verhandeln.
Viel Geld im E-Commerce verbrannt
Zudem werde aktuell der Insolvenzplan ausgearbeitet, der alle Details zur Neuaufstellung des Unternehmens sowie eine Einigung mit den Gläubigern vorsieht, so Andres. Zum 1. Juni soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Von diesem Zeitpunkt an wird das Unternehmen auch wieder die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter in Deutschland aus dem laufenden Geschäftsbetrieb bezahlen. Seit Beginn des Schutzschirmverfahrens Anfang März hatten sie Insolvenzgeld erhalten.
P&C hatte das Schutzschirmverfahren mit den wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Jahre begründet. 2020 und 2021 habe die Coronapandemie zu einem Umsatzeinbruch geführt, hieß es im März. Darüber hinaus sei das Konsumverhalten der Kundinnen und Kunden aufgrund des Ukrainekriegs sehr zurückhaltend. Lieferengpässe, erhöhte Kosten, steigende Zinsen und die leichte Rezession hätten die wirtschaftliche Situation des Händlers zum Ende des vergangenen Jahres hin weiter eingetrübt.
Auch im Onlinebereich war zuletzt eine geringere Nachfrage der Kunden zu beobachten. Um dem durch die Pandemie veränderten Kaufverhalten Rechnung zu tragen, hatte das Unternehmen seit 2021 seine Onlineaktivitäten stark ausgeweitet und dafür einen dreistelligen Millionenbetrag investiert.
Lesen Sie auch: Zwei Firmen, ein Name – deshalb gibt es P&C zweimal