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Bankenkrise„Irgendwann müssen wir den Menschen ehrlich sagen: Euer Traum vom kreditfinanzierten Eigenheim ist riskant“

Die wachsenden Schulden von Staaten, Betrieben und Haushalten destabilisieren das Finanzsystem. Für eine Entwarnung im Bankensektor ist es zu früh, sagt Moritz Schularick, der neue Präsident des Instituts für Weltwirtschaft.Bert Losse, Malte Fischer 17.05.2023 - 07:04 Uhr

Moritz Schularick

Foto: WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Schularick, 2023 ist bisher ein Jahr der Bankenkrisen. Nach der Silicon Valley Bank und der Credit Suisse ist jüngst die US-Bank First Republic abgestürzt und von JP Morgan übernommen worden. War’s das jetzt oder schwelt da noch etwas unter der Oberfläche?
Moritz Schularick: Schwer zu sagen. Einen Crash wie 2008 halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. Bisher scheint die Solvenz im Bankensektor in Ordnung zu sein. Es ist nicht zu beobachten, dass Kredite in großem Umfang platzen – so wie 2008, als die Leute ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten. Und die aktuellen Buchverluste bei Anleihen können Banken ja theoretisch so lange vor sich hertragen, bis die Papiere zum Nennwert fällig werden. Trotzdem: Für eine Entwarnung ist es zu früh.

Wo sehen Sie noch Risiken?
Es lässt sich noch nicht abschätzen, wie sich das politische Gezerre in den USA um die Schuldenobergrenze weiter entwickelt. Auch sieht der Büroimmobilienmarkt in den USA nicht gut aus. Zudem wissen wir aus der Vergangenheit, dass Banken bei hohen Buchverlusten, selbst wenn die sozusagen nur auf dem Papier stehen, ihre Kreditvergabe zurückschrauben. Es spricht daher viel dafür, dass wir in den USA und in Europa in eine Kreditklemme reinlaufen. Und natürlich sind auch die enormen Schulden ein systemisches Risiko. Solange Staat, Unternehmen und Haushalte derart hohe Schuldensummen refinanzieren müssen, werden wir in einer Welt mit latent instabilen Finanzmärkten leben.

Zur Person
Moritz Schularick leitet ab Juni das Kiel Institut für Weltwirtschaft. Der gebürtige Berliner war bisher Professor für Makroökonomik an der Universität Bonn. 2022 erhielt er den Leibniz-Preis, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung in Deutschland.

Das heißt: Wir müssen auch auf die privaten Kredite schauen?
Absolut. Relativ zu den Einkommen werden in der westlichen Welt immer größere Kreditvolumina umgewälzt, das ist nicht zuletzt eine Folge der Eigenheimfixierung. Irgendwann müssen wir den Menschen ehrlich sagen: Euer Traum vom kreditfinanzierten Eigenheim ist riskant. Wer das Siebenfache seines Jahreseinkommens als Darlehen aufnehmen muss, steht auf wackligem Boden. Da Immobilienmärkte national hoch korreliert sind, ist letztlich jeder Immobilienkredit ein nicht diversifizierbares Risiko in den Bankbilanzen.

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Kann sich die Lage durch politische Klimaauflagen weiter verschärfen? Der Marktwert für unsanierte Wohnungen dürfte künftig sinken – und dann haben die Banken Hypothekenkredite in ihren Bilanzen, die nicht adäquat abgesichert sind.
Da stimme ich im Prinzip zu. Doch wenn es in Deutschland eine Gruppe gibt, um deren finanzielle Lage man sich nach dem Boom eigentlich keine Sorgen machen muss, dann sind das die Immobilienbesitzer. Der Wert des Immobilienbestands ist in den vergangenen zehn Jahren um zwei Billionen Euro gestiegen, die Häuserpreise haben sich in manchen Gegenden vervierfacht.

Das sind Durchschnittswerte. Sie können nicht alle Hausbesitzer über einen Kamm scheren.
Ich weiß, man kann München-Bogenhausen nicht mit Chemnitz vergleichen, es gibt regionale Unterschiede. Aber unter dem Strich sind die energetischen Sanierungskosten nicht so exorbitant, dass nur dadurch Hausbesitzer in Bedrängnis kommen, die zuvor ohne eigenes Zutun massive Wertsteigerungen verzeichnet haben.

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