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EnergieBekommt Rügen schneller als erwartet ein LNG-Terminal?

Robert Habeck war erst am Freitag für Gespräche über die umstrittenen Pläne, ein LNG-Terminal auf Rügen zu installieren, in Mukran. Ein Genehmigungsverfahren steht noch aus. Was bisher bekannt ist. 15.05.2023 - 19:16 Uhr Quelle: dpa

Blick auf den Hafen Mukran auf der Ostseeinsel Rügen.

Foto: dpa

Für den Bau eines dort geplanten Flüssigerdgas (LNG)-Terminals soll Mukran im Osten der Insel Rügen in das LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG) aufgenommen werden. Das wurde am Montag aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) bekannt. Die Aufnahme soll den Weg für ein schnelleres Genehmigungsverfahren ebnen. Grundsätzlich eignet sich der Standort den Angaben zufolge aus technischer und rechtlicher Sicht. Die konkreten Planungsunterlagen müssten von den zuständigen Landesbehörden geprüft werden.

Projekt ist umstritten

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) war erst am Freitag für Gespräche über die umstrittenen Pläne nach Mukran gekommen und hatte auf den engen Zeitplan verwiesen. Wie nun bekannt wurde, hält das BMWK nach derzeitigen Schätzungen eine Inbetriebnahme im ersten Quartal 2024 noch für möglich. Dies sei aber höchst unsicher und hinge vom Start des Projektes und dem Genehmigungsverfahren ab. Habeck hatte am Freitag gesagt, dass das Bundeskabinett noch im Mai die Aufnahme Mukrans in das LNGG beschließen müsste, damit auch der Bundestag noch vor der Sommerpause abstimmen kann.

Das am Standort Rügen geplante Terminal für den Import von Flüssigerdgas ist umstritten. Kritiker vor allem auf der Insel sorgen sich um den dort besonders wichtigen Tourismus, aber auch die Umwelt und kritisieren die Schaffung von aus ihrer Sicht nicht benötigten Überkapazitäten. Nach Ansicht des BMWK ist das Terminal für die Energieversorgungssicherheit für Deutschland und die EU notwendig.

Der Weg zu Deutschlands erstem LNG-Terminal
27. Februar: Als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine und die Abhängigkeit von russischem Erdgas kündigt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in seiner „Zeitenwende“-Rede den schnellen Bau von zwei LNG-Terminals in Deutschland an. Er nennt dabei die Standorte Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Wilhelmshaven in Niedersachsen.
14. März: Niedersachsens damaliger Energieminister Olaf Lies (SPD) kündigt nach einem Treffen der „Taskforce LNG Wilhelmshaven“ an, dass über ein geplantes Terminal in Wilhelmshaven noch vor dem Winter 2023 Flüssigerdgas importiert werden könnte.
8. April: Der Gastnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) erklärt, eine rund 26 Kilometer lange Anbindungs-Pipeline von einem noch zu bauenden LNG-Terminal bei Wilhelmshaven bis an den nächsten Anschluss an das Gas-Fernleitungsnetz im Landkreis Wittmund bauen zu wollen.14. April: Die Bundesregierung gibt bekannt, für vier schwimmende LNG-Terminals in den kommenden zehn Jahren bis zu drei Milliarden Euro ausgeben zu wollen. Später folgen noch Pläne für ein weiteres staatlich organisiertes schwimmendes Terminal.
5. Mai: In Anwesenheit von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) werden mit dem ersten Rammschlag in Wilhelmshaven die Bauarbeiten für den Anleger des schwimmenden LNG-Terminals begonnen.19. Mai: Der Bundestag beschließt ein Gesetz, um die Genehmigung von LNG-Terminals zu beschleunigen. Bestimmte Verfahrensschritte etwa bei der Umweltverträglichkeitsprüfung können so ausgelassen werden.
4. Juli: Das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg gibt dem Energiekonzern Uniper grünes Licht für den vorzeitigen Baustart für das LNG-Terminal in Wilhelmshaven.19. Juli: Die Bundesregierung teilt mit, dass zwei Spezialschiffe als schwimmende Importterminals noch zum Jahreswechsel 2022/2023 für die Einsatzorte Wilhelmshaven und Brunsbüttel zur Verfügung stehen.
4. August: Die Bauarbeiten an der neuen Anbindungs-Pipeline beginnen.12. August: Mehrere hundert Aktivisten der Gruppierung „Ende Gelände“ besetzen vor einem geplanten Besuch des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) eine Terminal-Baustelle.16. August: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck unterzeichnet eine Absichtserklärung mit Energieunternehmen, dass die Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel bis zum März 2024 „vollausgelastet“ Gas zur Verfügung gestellt bekommen.
15. November: Der Anleger für das LNG-Terminal ist fertiggestellt.
9. Dezember: Betreiber Uniper teilt mit, dass am 22. Dezember das erste Gas über das neue LNG-Terminal ins Erdgasnetz eingespeist werden soll.12. Dezember: Das letzte Teilstück der neuen Anbindungs-Pipeline wird mit einer Schweißnaht an das Fern-Gasnetz angeschlossen.15. Dezember: Das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ und technisches Herzstück der Anlage trifft in Wilhelmshaven ein und macht am Anleger fest.16. Dezember: Die zuständige Behörde in Niedersachsen gibt die letzte noch ausstehende wasserrechtliche Erlaubnis für den Betrieb des Terminals. Geregelt ist auch die Einleitung von chlorhaltigen Abwässern ins Meer. Umweltschutzverbände kritisieren das.17. Dezember: Das Terminal in Wilhelmshaven wird als erstes deutsches Importterminal für Flüssigerdgas in Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eröffnet.

Konflikte mit Naturschutz

Das Terminal soll demnach Engpässe verhindern, wenn der Winter etwa kälter wird oder es zu Ausfällen bestehender Infrastruktur oder weiterhin laufender Lieferungen aus Russland in die EU kommt. Zudem sei die Lage im Osten mit Anbindung an zahlreiche Leitungen wichtig.

Der Schweriner Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hatte am Freitag gesagt, er sei von dem Bedarf überzeugt. Es gebe aber Konflikte mit dem Tourismus und dem Naturschutz und diese müssten von der Landesregierung bewertet werden. Dafür brauche das Land konkrete Projekte und konkrete Unterlagen.

Nach den Plänen des Bundes sollen in dem bereits industriell genutzten Hafen zwei Spezialschiffe zur Umwandlung und Einspeisung des per Schiff gelieferten LNG stationiert werden. Eine rund 50 Kilometer lange Pipeline soll Mukran an Lubmin anbinden. Hier landen die nicht mehr betriebenen deutsch-russischen Pipelines Nord Stream 1 und 2 an, und es gibt mehrere Leitungen mit großer Kapazität zur Weiterverteilung.

Lesen Sie auch: Droht Deutschland mit den LNG-Terminals eine neue Abhängigkeit?

dpa
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