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Kampf gegen die InflationAchte EZB-Zinserhöhung in Folge – Leitzins bei 4,0 Prozent

Die EZB stemmt sich gegen die hohe Inflation und hebt die Zinsen weiter an. Während die Fed nach einer Serie von Erhöhungen eine Zinspause einlegt, sehen sich die Euro-Währungshüter noch nicht am Ziel. Die Details. 15.06.2023 - 16:14 Uhr aktualisiert

Erneut hebt die EZB die Zinsen an.

Foto: imago images

Die Euro-Währungshüter sehen sich auch nach der achten Zinserhöhung in Folge im Kampf gegen die Inflation noch nicht am Ziel. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die Zinsen im Juli weiter anheben werden“, sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde. „Wir denken nicht an eine Pause.“ Die US-Notenbank Fed legt dagegen zumindest vorerst eine Zinspause ein.

Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag, die Leitzinsen im Euroraum um weitere 0,25 Punkte anzuheben. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB besorgen können, steigt damit auf 4,0 Prozent. Einen höheren Stand gab es zuletzt zu Beginn der weltweiten Finanzkrise Anfang Oktober 2008 mit damals 4,25 Prozent. Parken Banken Geld bei der Notenbank, erhalten sie dafür künftig 3,5 Prozent Zinsen. Seit Juli 2022 haben die Währungshüter angesichts der hartnäckigen Teuerung die Zinsen in einer beispiellosen Serie angehoben. Ihr nächste Zinssitzung ist für den 27. Juli anberaumt.

„Drahtseilakt geht weiter“

Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Zwar schwächte sich die jährliche Inflationsrate im Euroraum im Mai auf 6,1 Prozent ab – nach 7,0 Prozent im April. Die Rate liegt aber weiter deutlich über dem mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent, bei dem die Notenbank Preisstabilität gewahrt sieht.

Geldpolitik

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Höhere Teuerungsraten lassen die Kaufkraft der Menschen schwinden: Verbraucherinnen und Verbraucher können sich für einen Euro weniger leisten. Das belastet das Wirtschaftswachstum, für das der private Konsum ein wichtige Stütze ist. Auf der anderen Seite verteuern steigende Zinsen Kredite, weshalb die eine oder andere Investition ausfallen könnte. Auch das bremst die Konjunktur.

„Bislang hat die EZB einen guten Kompromiss gefunden zwischen einer entschlossenen Inflationsbekämpfung bei nur moderater Beeinträchtigung der Konjunktur“, meint der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. „Aber noch sind wir nicht am Ende dieses Weges: Der Drahtseilakt geht weiter.“ Auch die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), Iris Bethge-Krauß, sagte: „Die EZB ist auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel.“

Konjunkturprognose leicht gesenkt

Die Währungshüter gehen in diesem Jahr von einem etwas geringeren Wirtschaftswachstum und einer höheren Inflation im Euroraum aus als noch vor drei Monaten erwartet. Die Wirtschaft wird nach der neuesten Vorhersage um 0,9 Prozent wachsen. Im März war die Notenbank von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,0 Prozent ausgegangen. Die Inflationsrate im Euroraum dürfte in diesem Jahr im Schnitt bei 5,4 Prozent liegen (März-Prognose: 5,3 Prozent).

Sparer profitieren - aber längst noch nicht alle

Sparer profitieren mit höheren Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten von der strafferen Geldpolitik der Notenbank. Allerdings geben nach wie vor nicht alle Kreditinstitute die höheren Zinsen weiter. Einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox von etwa 730 Geldhäusern zufolge bietet etwa ein Viertel der Sparkassen und Volksbanken auf dem Tagesgeldkonto nach wie vor keine Zinsen. „Fast ein Jahr nach der ersten Leitzinserhöhung wirkt das wie aus der Zeit gefallen“, sagte Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Weitere Normalisierung der Geldpolitik

Von Juli an wird die EZB Gelder aus auslaufenden Wertpapieren des allgemeinen Kaufprogramms APP nicht mehr in den Erwerb neuer Anleihen stecken. Den Kauf frischer Wertpapiere im Rahmen des Programms hatte die Notenbank bereits zum 1. Juli 2022 eingestellt.

Staaten wie Unternehmen müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt.

US-Notenbank legt Pause ein

Im Gegensatz zur EZB legte die US-Notenbank nach zehn Zinserhöhungen in Folge eine Pause ein. Sie beließ ihren Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 5,0 bis 5,25 Prozent. Die Notenbank der weltgrößten Volkswirtschaft machte aber deutlich, dass das noch lange nicht das Ende der strengeren Geldpolitik bedeute. Die Fed signalisierte noch mindestens zwei weitere Anhebungen in diesem Jahr. Die US-Notenbank hatte früher und stärker als die EZB mit dem Anziehen der Zinszügel begonnen.

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dpa
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