Leben mit Aktien: Diese Anlageklassen sollten Sie im Blick behalten
Es war eine unerwartet starke erste Jahreshälfte. Dank des KI-Booms lieferte vor allem der US-Technologieindex Nasdaq beachtliche Renditen, aber auch der Dax muss sich nicht verstecken: In Euro lief er besser, als der marktbreite US-Index S&P 500. Ob das in einem Guss weitergeht, ist umstritten. Einige Trends dürften aber Bestand haben. Zeit, einen Blick auf das zweite Halbjahr zu werfen.
Staatsanleihen bringen wieder ordentliche Zinsen
Viele Hausbanken geben die höheren Zinsen nur sehr zeitverzögert und in geringem Maß an ihre Kunden weiter. Wer dennoch einen „Geldparkplatz“ mit maximaler Sicherheit sucht, wird bei Bundesanleihen fündig. Kurzläufer mit Restlaufzeiten zwischen 6 und 18 Monaten werfen zwischen 3 und 3,5 Prozent Rendite ab – sofern man spesengünstig, am besten mit niedriger Flat-Fee, ordern kann. Aber Achtung: Die nominale Rendite wird nicht für realen Kapitalerhalt reichen, da die Inflationsrate höher liegt. Dafür ist das Risiko minimal.
Deutlich mehr bringen US-Bonds mit kurzer Laufzeit. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist bereits die Fünf-Prozent-Marke in Sicht. Demgegenüber steht jedoch das Wechselkursrisiko: Bereits eine geringe Dollar-Abwertung reicht und der Renditevorsprung ist weg. US-Papiere kommen deshalb nur für Anleger infrage, die auf dem jetzigen Niveau bewusst Dollar-Positionen aufbauen wollen – um etwa zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Kurse an der Wall Street vielleicht mal etwas korrigiert haben, US-Aktien zu erwerben.
Small Caps: Alternative zum breiten Markt?
Die Performance-Lücke zu Large Caps ist im ersten Halbjahr weiter auseinandergegangen – große Werte liefen im Mittel etwa doppelt so stark. Billig sind die Nebenwerte aber trotzdem nicht: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MSCI World liegt bei 16,2 für 2023, Nebenwerte kommen auf ein durchschnittliches KGV von 14,9. Das ist ein Unterschied – aber kein erheblicher. Deutlicher sind die regionalen Unterschiede: In Europa zahlen Anleger für Smallcaps im Schnitt den 12-fachen Gewinn je Aktie. Natürlich zählt bei Nebenwerten bei der Fundamentalanalyse das Detail – die operative Entwicklung der kleinen Unternehmen ist für Privatanleger schwierig prognostizierbar. Wer kleine Unternehmen für aussichtsreich hält, kann etwa über den MSCI Europe Small Cap investieren, oder über einen aktiv gemanagten Fonds.
Gold: Basisinvestment zum fairen Preis
Interessant für die zweite Jahreshälfte wird auch die Entwicklung des Goldpreises. Der weitere Zinsanstieg hat den Preis für das Gelbe Metall als nicht zinstragendes Asset in den vergangenen Monaten belastet. Aktuell notiert Gold auf einem 3-Monats-Tief. Wer seinen Gold-Anteil im Portfolio ausbauen will, sollte damit womöglich nicht zu lange warten. Strukturelle Treiber wie die starke Goldnachfrage von nicht-westlichen Notenbanken dürften den Kurs stabilisieren. Und historisch betrachtet läuft Gold in Rezessionszeiten besonders gut.
Hinweise darauf, ob und wann es zur Rezession in den USA kommen könnte, gibt die Struktur der Zinskurve. Gewöhnlich bringen langlaufende Staatsanleihen mehr Rendite als Kurzläufer. Kehrt die Kurve sich um und wird invers, deutet das auf Schwierigkeiten hin.
Seit Aufgabe des Bretton-Woods-Währungssystems 1976 gab es abgesehen von der aktuellen sechs Mal eine inverse Zinsstrukturkurve – sechs Mal folgte eine Rezession. Im Schnitt dauerte es von der Inversion bis zur Rezession 19 Monate. Über den Daumen gepeilt könnte die Rezession die USA also im Dezember dieses Jahres erfassen.
Sicher sind solche Gedankenspiele keineswegs, schließlich sind die Einflussfaktoren vielfältig und schwierig kalkulierbar. Fest steht aber: Gold läuft besonders in Krisenzeiten gut und ist somit Stabilitätsanker für jedes Portfolio. Hoffnungen auf großartige Kursgewinne auf lange Sicht sollten sich Anleger jedoch nicht machen: Unter dem Strich hat Gold in den vergangenen 222 Jahren mit einer inflationsbereinigten Rendite von 0,6 Prozent pro Jahr gerade mal seinen Wert erhalten.
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