Effizienz im Team: Wie kann ich ohne Star-Spieler ein Siegerteam aufstellen?
CEO-Coach Sanyin Siang beantwortet für unseren Kooperationspartner MIT Sloan Management Review die Fragen von Leserinnen. Diesmal geht es um die Effizienzsteigerung des eigenen Teams.
Leserfrage: Meine Organisation muss dringend eine neue strategische Initiative umsetzen, aber ich bin mir nicht sicher, ob meine derzeitigen Mitarbeitenden über die erforderlichen Fähigkeiten und den nötigen Elan verfügen. Wie kann ich ein Meisterschaftsteam aufstellen, wenn ich keine All-Star-Spieler habe?
Sanyin Siang: Es ist für Manager leicht, einer Mentalität des Mangels zu erliegen und zu glauben, dass ihre Mitarbeitenden nicht gut genug sind – aber es ist wichtig, diese Mentalität nicht zu nähren. Wenn wir uns dieses Problem genauer ansehen, stellen wir oft fest, dass das Potenzial des vorhandenen Teams noch nicht voll ausgeschöpft wurde. Beim Aufbau einer Meisterschaftsmannschaft geht es fast immer darum, ungenutztes Potenzial zu aktivieren, und nicht darum, bessere Spieler zu kaufen.
Vor Jahren sagte mir meine Freundin Sue Gordon, die frühere stellvertretende Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, dass man sich sein Team nicht immer aussuchen kann, es aber ausreiche. Man müsse ihm helfen, daran zu glauben, dass es so ist. Wie können wir das Beste aus denjenigen machen, die wir haben, anstatt uns auf ihre Unzulänglichkeiten zu fixieren? Der erste Schritt besteht darin, die zugrunde liegenden Probleme besser zu diagnostizieren: Wieso arbeiten unsere Teams nicht effektiv? Ich analysiere zunächst, wo es Probleme mit den Fähigkeiten und wo mit dem Verhalten gibt. Erstere lassen sich leicht (wenn auch nicht von heute auf morgen) beheben, indem man in Schulungen investiert oder Möglichkeiten bietet, spezifische Erfahrungen zu sammeln.
Verhaltensprobleme – damit meine ich kontextabhängige Verhaltensweisen, die die Effektivität einer Person oder die Teamdynamik beeinträchtigen können – sind etwas schwieriger zu lösen. Eine rechthaberische, kreative Person kann zum Beispiel in Besprechungen sinnvolle neue Ideen einbringen, aber die Vorschläge anderer ablehnen, was die Teamkolleginnen demotiviert und die Zusammenarbeit beeinträchtigt. Wenn Sie diesem Teammitglied helfen, die Auswirkungen seines Verhaltens zu erkennen und neue Kommunikationsgewohnheiten zu entwickeln, können Sie die Effektivität des Teams verbessern.
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Zweiter Schritt: Stellen Sie sicher, dass jeder weiß, warum und wie wichtig er ist. Ihr Team kann nichts Großartiges erreichen, wenn seine Mitglieder nicht glauben, dass ihre Anwesenheit im Team wichtig ist, ihre Beiträge geschätzt und ihre Ideen berücksichtigt werden. Ermitteln Sie die besonderen Beiträge jedes Einzelnen (die ich als Superkräfte bezeichne), und teilen Sie ihnen diese Erkenntnisse ausdrücklich mit. Superkräfte sind die unnachahmlichen Stärken, die wir alle haben – aber weil sie angeboren sind, sehen wir sie oft nicht und brauchen andere, die uns auf sie hinweisen. Ein wichtiger Teil guter Führung ist es, die Superkräfte zu erkennen und die Mitarbeitenden zu ermutigen, die einzigartigen Talente der anderen zu teilen. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass Sie mehr Daten darüber erhalten, wie Ihr Team zusammenarbeiten kann.
Schließlich sollten Sie sich auf die Menschen konzentrieren, nicht auf die Titel. Achten Sie auf Fähigkeiten, Begabungen und Neigungen der Menschen in Ihrem Team, und seien Sie offen dafür, wie sie in neuen Konstellationen zusammenarbeiten können. Der Markt und das betriebliche Umfeld verändern sich rasch und erfordern eine Flexibilität, die über die derzeitigen funktionalen Konstrukte hinausgeht. Der aktuelle Titel einer Person definiert ihre Fähigkeiten nicht umfassend und kann sie oft auf eine begrenzte Rolle beschränken. Eine umfassendere Sichtweise auf die einzelnen Personen kann Ihnen helfen, das volle Potenzial des Teams auszuschöpfen.
Wenn wir offen sind für das Potenzial unserer bestehenden Teammitglieder und dem Team die Möglichkeit geben, neue Stärken zu entdecken, zu sehen und zu erkennen, wird eines klar: Das beste Team ist das, was wir bereits haben.
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Dieser Beitrag ist zuerst bei unserem Kooperationspartner MIT Sloan Management Review erschienen.