1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Börse
  4. Aktienmarkt aktuell: Der Dow Jones kann den Dax auf neue Höhen bringen

Riedls Dax-RadarDer Dow Jones kann den Dax auf neue Höhen katapultieren

Während Hightech-Aktien massiv gestiegen sind, haben Industriewerte Nachholbedarf. Der entscheidende Schub dafür könnte vom Dow Jones kommen, der damit wieder der Taktgeber der Weltbörsen werden dürfte. Eine Kolumne.Anton Riedl 21.07.2023 - 12:28 Uhr
Foto: Bloomberg, Montage

Für die kommende Woche gilt es an den Märkten als ausgemachte Sache, dass die amerikanische Notenbank am 26. Juli und dann die europäische Notenbank am 27. Juli die Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben. Alles andere wäre ein ungewöhnliche Überraschung.

Die Inflationsdaten, die in den vergangenen Wochen auf den Tisch kamen, waren zwar gemischt – und führten deshalb auch immer wieder zu heftigen Ausschlägen an den Börsen. In ihrem Grundton aber, vor allem wenn es um die um Energiepreise und Nahrungsmittel bereinigte Kerninflation geht, zeigen sie die erwartete Entwicklung: Die Inflation gibt langsam aber schrittweise weiter nach, auch wenn sie vom alten Wunschziel von zwei Prozent noch weit entfernt ist. Ein Ende der Zinserhöhungen dürfte in den nächsten Monaten damit kein Thema sein; weder in den USA wie in Europa.

Eine Überraschung wäre eine stärkere Zinserhöhung oder neue, scharfe Formulierungen in den Kommentaren der Notenbanken. Beides aber sollte angesichts der erreichten Fortschritte unwahrscheinlich sein. Zudem würde das die Wirkung der bisher sehr straffen Geldpolitik in Zweifel ziehen; der Strategie der Notenbank entspräche dies nicht. 

Dax-Kurs aktuell

Dax durch US-Inflationsdaten beflügelt

Die Konjunktur hält sich seit einigen Monaten vergleichsweise gut. In Europa wird für 2023 mit einem Wachstum von rund einem Prozent gerechnet; in den USA gehen die Schätzungen bis auf zwei Prozent. Allerdings, vor allem in Amerika wird mit dem Hinweis auf die nach wie vor inverse Zinsstruktur (die kurzen Renditen sind höher als die langen) mit dem Risiko einer Rezession gerechnet. Die Daten vom Arbeitsmarkt hingegen, die von der Notenbank sehr genau angesehen werden, sprechen eher für Wachstum. 

Die Entwicklung am US-Anleihemarkt deutet ebenfalls auf weitere, moderate Zinserhöhungen. Nach ihrem jüngsten Tief bei 3,75 Prozent sind die Renditen für zehnjährige US-Bonds wieder leicht angestiegen auf bisher 3,85 Prozent. Eine weitere Kletterpartie in Richtung 3,95 Prozent wäre nicht unrealistisch. Sollten die Renditen dann das jüngste Hoch vom Juli, das bei 4,1 Prozent lag, nicht mehr erreichen, wäre dies eine Indikation für eine mittelfristige Abschwächung der Zinsen. 

Allerdings: Im US-Bondmarkt steckt derzeit auch die Möglichkeit eines anderen, brisanteren Szenarios. Sollten die Renditen noch im Sommer das Niveau um 4,1 Prozent zügig erreichen, dort etwas konsolidieren und dann über 4,1 Prozent hochziehen, wäre das ein gefährliches Signal für die Märkte. Das könnte dann darauf hinweisen, dass weder Inflation noch straffe Geldpolitik so schnell zu Ende sein werden. Am Anleihemarkt würde ein solcher Zinsanstieg die zuletzt einsetzende Bodenbildung zerstören; und am Aktienmarkt könnte dies in den ohnehin statistisch wackligen Monaten September und Oktober für zusätzliche Turbulenzen sorgen.

Vielversprechendes Kaufsignal im Dow Jones

An den Aktienmarkten wird eher auf das versöhnliche Zinsszenario gesetzt. Dabei dürfte in den nächsten Wochen zunehmend wieder der klassische Dow Jones im Mittelpunkt stehen. Während die Nasdaq-Indizes, angetrieben vor allem von den Überfliegern Nvidia, Apple und Microsoft, weit gelaufen sind und eine Korrektur gut gebrauchen könnten, hat der Dow Jones dies schon absolviert: Von November 2022 bis Juni 2023 kam es zu ausgeprägten Schwankungen zwischen 32.000 und 34.500 Punkten.

Und nun drang der Dow Jones mit einem Sprung über 35.000 Punkte deutlich über die obere Bandbreite dieser monatelangen Konsolidierung. Wenn er dieses Niveau in den nächsten Tagen hält, eventuell auch nach einem kleinen Rücksetzer, wäre dies ein sehr positives Signal für die weltweiten Aktienmärkte. Zudem dürfte die Stärke der klassischen Industrieaktien im Dow vor auf eine Erholung der breiteren Wirtschaft deuten – im Gegensatz zur Hausse an der Nasdaq-Börse, die zuletzt vor allem durch den Hype um Künstliche Intelligenz befeuert wurde. 

Wenn dieses positive Szenario aufgeht, hätte der Dow ein bemerkenswertes Potenzial. Vor der Konsolidierung schaffte der Index einen Anstieg von 29.000 Punkten auf 34.500 Punkten; das waren fast 20 Prozent. Wenn er gerechnet vom Tiefpunkt im März bei 32.000 Zählern ebenfalls noch einmal 20 Prozent zulegt, ergäbe dies eine Projektion auf mehr als 38.000 Punkte. Damit hätte der Dow nicht nur die Chance, das alte Hoch vom 4. Januar 2022, das bei 36.800 Punkten lag, zu erreichen, sondern dies sogar noch zu übertreffen. 

Ein solches Umfeld wäre natürlich für den Dax optimal. Schon bisher hält sich der deutsche Aktienmarkt gut über der Marke von 16.000 Punkten. Das ist nach dem deutlichen Anstieg in der ersten Hälfte des Monats ein Zeichen für eine robuste Marktverfassung. Überhitzt sind die Kurse an der deutschen Börse auch nicht, da der Dax schon seit April in einer Konsolidierung steckt.

Als diese Konsolidierung begann, verlief die 200-Tagelinie bei 14.000 Punkten. Bis jetzt aber ist dieser mittel- bis langfristige Marktdurchschnitt auf über 15.000 dynamisch angestiegen. Aktuell verlaufen die Indexnotierungen noch acht Prozent über dem Durchschnitt. Ein solcher Abstand ist typisch für einen innerlich starken Markt, dessen Grundrichtung nach oben zeigt. 

SAP hält, Sartorius wackelt, die Deutsche Bank könnte kommen

Zum positiven Indexbild passt die Entwicklung der meisten Einzelwerte. SAP hat zwar mit seinen Halbjahreszahlen im Cloudgeschäft die Erwartungen leicht verfehlt, ein gutes Lizenzgeschäft aber ist kein Nachteil. Zudem wird auch für SAP das Thema Künstliche Intelligenz ein wichtiger Antrieb. Schwankungen zwischen 115 und 130 Euro wären für die Aktie in den nächsten Wochen nicht ungewöhnlich.

Bei Sartorius setzt sich die Zitterpartie fort. Die Nachfrageschwäche drückt Umsatz und Gewinn des Biotechzulieferers abermals. Ein schwacher Auftragsbestand deutet zudem darauf hin, dass die Erholung noch etwas Zeit braucht. Dass sich Sartorius-Aktien nun aber nach einem anfänglichen Schwächeanfall wieder erholen, ist ein gutes Zeichen. Die schon vor Wochen eingeleitete Bodenbildung im Bereich um 300 Euro für die Vorzugsaktien könnte sich fortsetzen. 

Nächste Woche steht am 25. Juli der Halbjahresbericht der Deutschen Börse AG an. Die Zahlen sollten weiter eine solide Aufwärtsentwicklung zeigen, mit der die zuletzt etwas gedrückte Aktie wieder attraktiv bewertet wäre. Die laufende Übernahme des dänischen Softwareanbieters Simcorp zieht sich länger hin als gedacht. Bis Ende des dritten Quartals, so die Deutsche Börse, sollten die notwendigen Genehmigung der Aufsichtsbehörden vorliegen. 

Am 26. Juli schließlich kommen die Zahlen der Deutschen Bank. Die Aktie ist zuletzt sogar wieder über die Marke von zehn Euro gestiegen. Weltweit haben Bankaktien die Turbulenzen im Umfeld der gestrauchelten US-Spezialinstitute mittlerweile gut überstanden. Das ist eigentlich auch nicht verwunderlich, denn höhere Zinsen sind für Banken grundsätzlich eher ein Vorteil: Besonders deutlich zeigt sich das in den Zinsergebnissen, die schon in den vergangenen Quartalen bei den meisten Häusern zunehmend besser ausgefallen sind. 

Der Deutschen Bank dürfte es mit ihrem ausgeprägten Wertpapiergeschäft zudem zugute kommen, dass es sowohl an den Anleihe- als auch an den Aktienmärkten zu einer Stabilisierung gekommen ist. Mit einer Marktkapitalisierung von nur 21 Milliarden Euro ist die Deutsche Bank unter den großen Geldhäusern weltweit sicherlich eine der günstigsten. 

Fazit für den Dax: Ein weiterer, wenn auch langsamer Rückgang der Inflation, letzte, moderate Zinserhöhungen und die Aussicht auf eine Konjunktur mit marginalem Wachstum sollten dem Dax helfen, in den nächsten Wochen zumindest das Niveau um 16.000 zu halten. Die angelaufene Zahlensaison dürfte nicht dazwischenfunken – selbst die angeschlagenen BASF-Aktien haben sich nach schwachen Zahlen etwas erholt.

Und es ist sogar eine positive Überraschung möglich. Die bekäme ihren Antrieb von einem wieder erstarkten Dow Jones, der im Gegensatz zum Nasdaq-Index eine ausgeprägte Konsolidierung schon absolviert hat. Dabei sollte der Dow Jones bei einem kurzen Rücksetzer, der im Umfeld der anstehenden Zinserhöhungen möglich ist, nicht mehr unter 34.500 Punkten rutschen. Dann wäre, vielleicht sogar noch im August, ein Anlauf zu den alten Höchstkursen in Sicht. Auch für den Dax wären in diesem positiven Szenario neue Topnotierungen möglich.

Lesen Sie hier aktuelle News und die neuesten Nachrichten von heute zum Dax

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick