Deindustrialisierung: Nur die Ruhe! Diese Subventionen halten die USA nicht lange durch

Hochleistungs-Solarzellen von Meyer Burger in Freiberg in Sachsen.
Foto: imago imagesMit hohen Subventionen locken die USA den Schweizer Solarmodul-Hersteller Meyer Burger. Ein Ausbau von dessen Produktion in Sachsen-Anhalt ist damit vorerst vom Tisch.
Manche schimpfen, dies sei ein weiterer Schritt in Richtung der Deindustrialisierung Deutschlands. Die USA zögen mit ihrem Inflationsminderungsgesetz (IRA) die für eine klimaneutrale Zukunft wichtige Industrien aus Europa ab. Sicher muss Europa gegensteuern. Für Panik aber gibt es keinen Grund.
Denn die Vereinigten Staaten werden das Subventionsfeuerwerk, welches die Regierung von Joe Biden mit dem IRA veranstaltet, nicht ewig durchhalten können. Dazu sind selbst in Washington die Taschen nicht tief genug. So hatte die Investmentbank Goldman Sachs kürzlich errechnet, dass die wahren Kosten des IRA satte 1,2 Billionen US-Dollar betragen.
In absehbarer Zeit müssen daher auch die USA zu einer anderen Lösung wie dem CO2-Preis wechseln, den Europa von Anfang an als Anreizsystem anstelle von Megasubventionen auserkoren hat.
Europa soll sich hier nicht drängen lassen
Meyer Burger geht nun aufgrund des IRA von einer förderfähigen Summe von 1,4 Milliarden Dollar für das neue US-Werk aus. Die Förderung wird zwischen 2024 und 2032 gezahlt. Die Stadt Colorado Springs, in der das Werk entsteht, und der Bundesstaat Colorado werden sich mit 90 Millionen Dollar an den Energiekosten beteiligen. Da ist klar, dass das Unternehmen dieses Geld mitnehmen will.
Europa sollte sich hier nicht drängen lassen. Die Solarindustrie hat zwar eine Schlüsselrolle im Klimaschutz, ist aber bereits mehr als ausreichend skaliert, um wettbewerbsfähig zu sein. Solarstrom ist bereits die billigste Energieform der Welt, in Saudi Arabien entstehen Anlagen, wo die Kilowattstunde einen Cent kostet. Ein gewisses unternehmerisches Risiko muss zudem für die Hersteller der Module bleiben – sonst können wir die Industrie auch gleich verstaatlichen.
Anders ist das bei sehr jungen Technologien wie Direct Air Capture, wo CO2 aus der Luft gefischt wird. Diese etwa müsste viel dringender hochgepäppelt werden, weil sie für den Klimaschutz unverzichtbar ist. Und die Stückkosten der Geräte müssen hierzu erst noch auf ein bezahlbares Niveau fallen. Hier könnte die EU tatsächlich sehr gezielt mehr tun, wenn sie dem Klima und der Wirtschaft helfen will.
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