Digitalisierung: E-Rezept-Zoff: CEO von Redcare Pharmacy droht mit Klage gegen Lauterbach-Ministerium
In der Apotheke kann das E-Rezept über die Krankenkassenkarte abgerufen werden, bei Online-Apotheken nur per App: Für die Branche ein Nachteil.
Foto: dpaOlaf Heinrich, der CEO der Onlineapotheke Redcare Pharmacy (früher Shop Apotheke), erwägt im Kampf um die Einführung des E-Rezeptes eine juristische Auseinandersetzung mit dem Bund: „Wir behalten uns vor, Klage gegen das Bundesgesundheitsministerium und damit die Bundesrepublik Deutschland zu erheben, wenn der Entwurf so umgesetzt wird wie geplant“, erklärte Heinrich der WirtschaftsWoche. Gesundheitsminister Karl Lauterbach will das E-Rezept zum 1. Januar verpflichtend einführen. Die bisherigen Möglichkeiten zur Einlösung des E-Rezeptes benachteiligen aus seiner Sicht die Onlineapotheken: Viele der bisherigen Nutzer rufen das E-Rezept über ihre Gesundheitskarte ab und lösen es in ihrer Vor-Ort-Apotheke ein. Eine App kommt nur auf niedrige Zugriffszahlen.
Heinrich, der von 2009 bis 2020 den Konkurrenten DocMorris führte, fordert daher eine „zusätzliche Einlösemöglichkeit“, die bisher nicht vorgesehen ist: Die Praxis stellt dabei das E-Rezept aus und lädt es auf einen Server hoch, es kann über die Gesundheitskarte abgerufen werden. Die Karte wird dann aber nicht über das Kartenlesegerät in der Apotheke ausgelesen, sondern über das eigene Smartphone – und kann so an die Apotheke der Wahl verschickt werden, auch an eine Onlineapotheke.
Um Politikerinnen und Politikern seinen Vorschlag schmackhaft zu machen, spricht Heinrich gegenüber der WirtschaftsWoche davon, auf eigene Kosten eine neutrale Aufklärungskampagne für das E-Rezept zu initiieren: „Wir würden die Bundesregierung damit bei der Einführung des E-Rezeptes unterstützen und Aufklärungsarbeit leisten“, erklärt er. Völlig losgelöst von eigenen Interessen könnte die Kampagne laufen, so Heinrich. Er kann sich sogar vorstellen, dafür mit früheren Widersachern zusammenzuarbeiten: „Wir würden alle Einlösewege objektiv erklären, und das gerne auch in Zusammenarbeit mit den stationären Apotheken. Ich kann mir sogar vorstellen, in einer solchen Kampagne das rote Apotheken-A zu verwenden.“
Redcare Pharmacy mit Sitz im holländischen Sevenum wird in diesem Jahr voraussichtlich 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro umsetzen.
Lesen Sie auch: Ein neues Rezept muss her