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  4. Flugzeugabsturz in Russland: Wagner-Chef Prigoschin soll bei Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein

Zwei Monate nach Meuterei gegen PutinWagner-Chef Prigoschin stirbt offenbar bei Flugzeugabsturz

Die russische Staatsagentur Tass meldet zehn Tote nach einem Flugzeugabsturz. Laut Luftfahrtbehörde soll Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin auf der Passagierliste stehen. Die Absturzursache ist zur Stunde noch unklar. 23.08.2023 - 22:30 Uhr aktualisiert

Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner

Foto: dpa

Beim Absturz eines Privatjets in Russland sind vorläufigen Informationen des russischen Zivilschutz zufolge alle zehn Insassen ums Leben gekommen. Auf der Passagierliste stand offenbar auch der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, wie die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija am Mittwoch mitteilte. Der Telegram-Kanal Grey Zone, den Prigoschin nutzte, bestätigte am Mittwochabend den Tod des Wagner-Chefs. Eine offizielle Bestätigung steht zur Stunde noch aus (Stand: 22:20 Uhr).

Die Embraer-Maschine auf einem Flug von Moskau nach St. Petersburg sei in der Region Twer nördlich der Hauptstadt niedergegangen, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch unter Berufung auf das Katastrophenschutz-Ministerium. An Bord waren drei Mann Besatzung. Noch am Abend wurden acht Leichen aus den Trümmern geborgen, wie Quellen im Rettungsdienst der Stadt Bologoje der Agentur Tass sagten.

Die Absturzursache war noch nicht offiziell bekannt. „Zu dem Absturz des Embraer-Flugzeugs heute Abend in der Region Twer wurde eine Untersuchung eingeleitet“, zitierte die Nachrichtenagentur Tass am Mittwochabend die Luftfahrtbehörde.

Ob Prigoschin sich tatsächlich an Bord der Maschine von Moskau nach St. Petersburg befunden hatte, war zunächst noch nicht vollkommen gesichert. In St. Petersburg haben Prigoschins Firmen ihren Sitz.

„Wo Prigoschin war, dazu gibt es im Moment keine genauen Informationen“

Kurz nach Bekanntwerden des Flugzeugabsturzes verbreitete Prigoschins Internetmedium die Version eines gezielten Abschusses: Die Maschine sei über dem Gebiet Twer von der Flugabwehr abgeschossen worden, hieß es auf dem Telegram-Kanal Grey Zone. Prigoschin nutzt diesen Kanal üblicherweise, um seine Videos zu verbreiten. Überprüfbar war die Behauptung eines Abschusses nicht. Grey Zone schrieb, es seien zwei Flugzeuge der Privatarmee Wagner in der Luft gewesen. Das zweite habe auf dem Flug nach St. Petersburg kehrt gemacht und sei im Flughafen Ostafjewo südlich von Moskau gelandet.

Gruppe Wagner: Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin
Der Gründer der russischen Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin wurde am 1. Juni 1961 in St. Petersburg geboren. Er verbrachte neun Jahre in sowjetischen Gefängnissen wegen Verbrechen wie Raub und Betrug.Nach seiner Freilassung 1990 wurde er in seiner Heimatstadt St. Petersburg Gastronom.
Es wird angenommen, dass Prigoschin den Neunzigern dann den russischen Präsidenten Wladimir Putin kennenlernte. Dieser war damals ein Berater des Bürgermeisters von St. Petersburg. Prigoschin erhielt durch politische Verbindungen wichtige staatliche Aufträge und wurde als „Putins Koch“ bekannt.
Im Jahr 2014 gründete Prigoschin Wagner. Die Kämpfer der Gruppe wurden in Ländern wie Syrien, Libyen und der Zentralafrikanischen Republik eingesetzt und unterstützten dabei Russlands Verbündete. Die USA haben Sanktionen gegen Wagner verhängt und ihr Gräueltaten vorgeworfen. Prigoschin hat dies bestritten.
Nach der Invasion der Ukraine im Februar 2022 führte Wagner den russischen Angriff auf die Stadt Bachmut an. Es war die bislang längste und blutigste Schlacht des Krieges.Unter den Kämpfern waren Tausende von Häftlingen, die Prigoschin aus dem Gefängnis rekrutierte. Er nutzte soziale Medien, um über Erfolge der Gruppe zu berichten und für Kritik an der Militärspitze. Ihr warf ihr Inkompetenz und Verrat vor.
Ende Juni 2023 führte Prigoschin einen Aufstand in Russland an. Dabei übernahmen seine Kämpfer die Kontrolle über die südrussische Stadt Rostow am Don und rückten dann auf Moskau vor. Putin bezeichnete dies als Verrat, der eine harte Reaktion nach sich ziehen würde.Der Aufstand wurde durch eine Vereinbarung beigelegt. Das Präsidialamt erklärte, Prigoschin und einige seiner Kämpfer würden nach Belarus gehen. Ein Strafverfahren gegen ihn wegen bewaffneter Meuterei werde fallengelassen.
Jewgeni Prigoschin ist nach Einschätzung britischer Geheimdienste vom 25. August 2023 „sehr wahrscheinlich“ tot. Doch gebe es noch keinen endgültigen Beweis, dass Prigoschin an Bord eines Flugzeugs gewesen sei, das am 23. August abstürzte, betonte das britische Verteidigungsministerium. Unklar ist auch weiterhin die Ursache des Absturzes des Privatjets mit zehn Menschen an Bord. Die Maschine war nach der Rückkehr aus Afrika auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg im Gebiet Twer abgestürzt. Gemutmaßt wird, dass ein Sprengsatz an Bord oder eine Flugabwehrrakete das Flugzeug gezielt zum Absturz gebracht haben könnte.Stand: 25. August 2023

Grey Zone zog zunächst die Behördenversion in Zweifel, wonach Prigoschin auf der Passagierliste der ersten Maschine gestanden habe und getötet worden sei. „Wo Jewgeni Prigoschin letztlich war, dazu gibt es im Moment keine genauen Informationen“, hieß es. Wenig später wurde eine Nachricht auf dem Kanal verbreitet, derzufolge Jewgeni Prigoschin tot sei: „Prigoschin starb als Ergebnis der Handlungen von Verrätern Russlands“, hieß es in dem Post. „Aber selbst in der Hölle wird er der beste sein!“

Prigoschin gründete 2014 die Söldnergruppe Wagner zusammen mit Dmitri Utkin. Im Juni hatte er seine Kämpfer zum Marsch auf Moskau aufgerufen, weil die russische Militärführung angeblich einen Angriff auf Wagner-Söldner befohlen hatte. Diese Meuterei brach der 62-Jährige jedoch rasch wieder ab und willigte ein, gemeinsam mit seinen Kämpfern nach Belarus ins Exil zu gehen. Im Gegenzug sollten sie vom Kreml nicht strafrechtlich verfolgt werden, obwohl Präsident Wladimir Putin Prigoschin als Verräter bezeichnete. Die Hintergründe dieser Ereignisse sind bis heute unklar.

Prigoschin zuletzt in Afrika vermutet

Noch wenige Tage zuvor war Jewgeni Prigoschin in Afrika vermutet worden. In einem am Montag veröffentlichten Video war er in einem Wüstengebiet in Tarnuniform und mit einem Gewehr bewaffnet zu sehen. „Die Temperatur ist +50 - alles wie wir es wollen“, sagt er in der ersten veröffentlichten Video-Ansprache seit der Rebellion der Söldner-Gruppe vor rund zwei Monaten.

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Wagner-Söldner sind in mehreren afrikanischen Ländern wie Mali aktiv. Den jüngsten Umsturz im Niger begrüßte Prigoschin. Kämpfer der Privatarmee waren zuvor auch monatelang an der Seite russischer Soldaten im Krieg gegen die Ukraine im Einsatz. Die russischen Kämpfer sind für ihre Brutalität berüchtigt. Für den Angriffskrieg auf die Ukraine warb Prigoschin Häftlinge aus russischen Gefängnissen an. Nachdem die Söldnertruppe schwere Verluste erlitten hatte, bezeichnete Prigoschin die reguläre russische Militärführung als korrupt und unfähig. Er kritisierte unter anderem, seine Kämpfer würden nicht ausreichend mit Munition versorgt.

Priogschin hatte selbst im Gefängnis gesessen und später Karriere als Hoflieferant für den Kreml gemacht, daher rührt sein Beiname „Putins Koch“. Er soll auch der Geschäftsmann hinter den Trollfabriken in St. Petersburg gewesen sein, die über soziale Netzwerke Einfluss auf westliche Länder zu nehmen versuchten.

US-Präsident Joe Biden sagte zu dem Flugzeugabsturz, er wisse nicht genau, was passiert sei. Er sei aber nicht überrascht, kommentierte Biden am Mittwoch am Rande eines Urlaubsaufenthaltes im US-Bundesstaat Kalifornien. Auf die Frage von Reportern, ob seiner Ansicht nach Russlands Präsident Wladimir Putin hinter dem Absturz stecke, sagte Biden: „Es gibt nicht viel, was in Russland passiert, hinter dem Putin nicht steckt.“ Er wisse aber nicht genug, um dies beantworten zu können.

Lesen Sie auch: Nach dem Putsch weht im Niger auch die Flagge Russlands

AP, rtr, dpa, jre
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