So arbeite ich #6 | Frank Thelen: „Für mich gibt es keine Work-Life-Balance“
Apple-CEO Tim Cook steht angeblich jeden Morgen um 3:45 Uhr auf, um ein Workout zu machen und E-Mails zu lesen. Manch ein erfolgreicher Mensch schwört aufs Frühaufstehen – andere sehen in Meditation oder einer bestimmten Ernährung den Schlüssel zu außergewöhnlicher Produktivität und Fokus. Die WiWo hat einigen Erfolgreichen einen kurzen Fragebogen vorgelegt und sie gebeten, ihre Produktivitäts-Geheimnisse zu verraten.
Hier antwortet Frank Thelen, Gründer und Chef der Risikokapitalfirma Freigeist und Ex-Juror bei „Die Höhle der Löwen“.
Wie sieht Ihre Morgenroutine aus?
Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich mindestens acht, besser neun Stunden Schlaf brauche, um wirklich effektiv arbeiten zu können. Das ist meine einzige „Regel“. Wenn ich jeden morgen um 5 Uhr aufstehen würde, um joggen zu gehen und anschließend noch eine Stunde zu meditieren, würde sich das negativ auf meine Produktivität auswirken. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden – für mich ist es ausreichend Schlaf und möglichst wenig „Screen Time“ vor dem ersten Kaffee und dem Frühstück mit meiner Frau. Abends und am Wochenende versuche ich, Zeit für etwas Sport zu finden.
Welche Tools nutzen Sie, um fokussiert und produktiv zu sein?
Ich probiere ständig neue Productivity-Tools aus und versuche, möglichst viele repetitive Aufgaben in meinem Alltag zu automatisieren. Aktuell bin ich wirklich begeistert von den neuen AI-Funktionen meiner Mail-App Spark – eine KI fasst die Mailverläufe zu den wichtigsten Bulletpoints zusammen und leitet To Dos ab.
Für unsere Arbeit im Venture-Capital-Bereich und Aktien (10xDNA) haben wir eigene Software-Systeme entwickelt, die uns zum „Hybrid“ machen: also Mensch und Maschine werden eins. Aber das wichtigste Tool: ein starkes Team, das in einem Büro zusammenarbeitet.
Wie steht es um Ihre Work-Life-Balance?
Für mich gibt es keine Work-Life-Balance. Ich habe das große Glück, meiner Passion nachzugehen und habe immer zu viele spannende Themen und zu wenig Zeit. Deshalb habe ich gar nicht das Verlangen, Arbeit und Leben zu trennen. Für meine Frau ist es natürlich manchmal eine Herausforderung, wenn ich nach Hause komme, geistig aber trotzdem nicht anwesend bin. Aber ich denke, hier haben wir einen guten Weg gefunden.
Von der Forderung nach einer pauschalen Vier-Tage-Woche halte ich nichts. Ja, wir brauchen flexible Arbeitsmodelle, aber wir sollten Menschen vor allem auch dazu motivieren, ihre Passion zu finden und ihre Träume zu verfolgen. Wir müssen Anreize für Macher schaffen. Ich denke, die aktuelle Bewegung hin zu Remote Work und Vier-Tage-Woche macht langfristig nicht glücklich. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Mensch echte Begegnungen braucht. Deshalb arbeiten mein Team und ich auch gemeinsam im Büro. Um auch mal etwas abzuschalten, fahre ich zweimal im Jahr mit meiner Frau raus aufs Meer oder in die Berge – Wassersport und Snowboardfahren sind für mich Erholung.
Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert?
„The Almanack of Naval Ravikant: A Guide to Wealth and Happiness“: Dieses Buch muss in zwei bis drei Seiten pro Tag gelesen werden und „wirken“. Viele wichtige Gedanken, sehr komprimiert.
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