1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Geldanlage
  4. EZB-Leitzinserhöhung: Die Notenbanker machen aus der Not eine Tugend

EZB erhöht die LeitzinsenDie Notenbanker machen aus der Not eine Tugend

Trotz schwacher Konjunktur erhöht die Europäische Zentralbank zum zehnten Mal in Folge die Leitzinsen. Eine mutige Entscheidung, die die Inflation eindämmen soll – und Sparer auf mehr Zinsen hoffen lässt. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Felix Petruschke 14.09.2023 - 16:38 Uhr

EZB-Chefin Christine Lagarde.

Foto: dpa

Die Europäische Zentralbank ist dabei geblieben: Mit der erwarteten zehnten Leitzinserhöhung in kurzer Folge ziehen die Notenbanker die geldpolitischen Zügel noch fester an. Angesichts der schwachen Konjunktur in Europa ist das ein wichtiges Zeichen: Im Zweifel geht die Preisstabilität vor.

Im Vorfeld war viel spekuliert worden: Würden sich die Notenbanker um Präsidentin Christine Lagarde wirklich trauen, die Zinsen weiter zu erhöhen, obwohl das die kriselnde europäische Wirtschaft weiter unter Druck setzt? Oder würden die Notenbanker doch eine Zinspause einlegen – und damit riskieren, dass die Inflation im Euroraum noch länger auf extrem hohem Niveau verharrt?

Die Antwort ist eindeutig: Mit dem neuen Zinsschritt steigt der Refinanzierungssatz, zu dem Banken sich Geld bei der EZB leihen können, auf 4,5 Prozent – so hoch lag er seit über 20 Jahren nicht. Lagarde begründete die Entscheidung vor allem mit der hartnäckigen Inflation im Euroraum. Im August lag diese bei 5,3 Prozent und damit noch meilenweit über dem eigentlichen Ziel von zwei Prozent.

Geldanlage

Ist das der Gipfel beim Tages- und Festgeld?

Für Tages- und Festgeld gibt es immer bessere Angebote. Bald könnte die Fünfprozentmarke fallen. Sparer können sich aber jetzt schon attraktive Zinsen sichern – wenn sie die Bank wechseln.

von Felix Petruschke

Was bedeutet die Entscheidung für Anleger und Sparer?

Am Aktienmarkt könnte die neue Zinserhöhung vorübergehend für einige Bewegung sorgen. Erstens dürften die Zinsen für kurzfristige Anleihen steigen, was im Vergleich dazu Aktien erst einmal weniger attraktiv macht. Zweitens könnte die Leitzinserhöhung den Euro gegenüber dem Dollar aufwerten lassen. Das verteuert den Export insbesondere für die deutsche Wirtschaft und belastet die Unternehmen.

Deutsche Sparer können sich hingegen freuen: Die höheren Leitzinsen dürften einige Banken dazu veranlassen, ihre Angebote für Tages- und Festgeld weiter zu erhöhen. Schon jetzt bieten viele Banken Zinssätze von vier Prozent – sowohl für Tages- wie Festgeld. Zugleich dürfte der Druck auf knauserige Banken, die die Zinsen bisher nicht oder kaum an die Kunden weitergeben, zunehmen. Um die besten Konditionen zu finden, müssen Sparer aber weiterhin die Angebote vergleichen und einen Blick ins Kleingedruckte werfen: Denn nicht immer sind die besten Angebote empfehlenswert. Oft handelt es sich dabei um bloße Lockangebote für Neukunden, die nur für wenige Monate gelten.

Lesen Sie auch: Zinsköder beim Tagesgeld – so viel gibt es bei vermeintlichen Top-Anbietern wirklich

Kommt noch ein Zins-Schritt?

Trotz der Leitzinserhöhung dürfte der Zinsgipfel aber bald erreicht sein. Denn die Inflation im Euroraum hat – nach allem, was sich aktuell vorhersagen lässt – ihren Höhepunkt überschritten. Auch viele Geldinstitute rechnen spätestens im kommenden Jahr mit leicht sinkenden Zinsen. Das zeigt sich etwa daran, dass Sparer in der Regel für einjähriges Festgeld dieselben Zinsen bekommen wie für fünfjähriges. Wer also sicher weiß, dass er oder sie einen Teil der Ersparnisse für einen längeren Zeitraum nicht benötigt, für den sind auch Zinsangebote von vier Prozent für fünf Jahre interessant.

Die EZB hat sich am Donnerstag ausdrücklich alle Möglichkeiten offengehalten: Die Leitzinsen werden so lange auf hohem Niveau bleiben, bis die Inflation erkennbar zurückgehe, sagte Christine Lagarde. Auch eine weitere Anhebung der Leitzinsen wollte die Präsidentin nicht ausschließen. So viel Entschlossenheit gab es in der Vergangenheit nicht immer. Im besten Sinne haben die Notenbanker jetzt aus der Not eine Tugend gemacht. Chapeau.  

Lesen Sie auch: Kann die EZB ihrem Dilemma entkommen?

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick