EU-Untersuchung: Strafzölle auf chinesische Elektroautos? Die schaden uns nur selbst
BYD in Shanghai
Foto: imago imagesKönnte es sein, dass Chinas Autoindustrie Subventionen erhält, um ihre Elektroautos in Europa zu Dumping-Preisen auf den Markt zu werfen? Den Verdacht hegt derzeit die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Und weil sie scheinbar viele Anzeichen dafür sieht, aber nichts Konkretes in den Händen hält, veranlasst sie eine Untersuchung.
Die chinesische Regierung reagiert verärgert. Womöglich hat sie recht damit. Denn nicht nur chinesischen Herstellern gelingt es, vermeintliche Dumping-Preise zu machen, wie ein Blick auf Tesla aus den USA zeigt: Das Unternehmen von Elon Musk hat zuletzt eine EBIT-Marge von zehn Prozent realisiert trotz erheblicher Preissenkungen. Und nach den eher schwächeren Tesla-Verkäufen im dritten Quartal kann ein weiterer Tesla-Preisrutsch erwartet werden.
Schauen wir uns den chinesischen Tesla an, den Autobauer BYD. BYD wird dieses Jahr rund 2,5 Millionen Elektroautos verkaufen, Elon Musk rund 700.000 weniger. Also hat BYD jede Menge Scales bei Elektroautos, mehr als Tesla. Zum zweiten ist BYD aus der Batterie gewachsen und hat heute sowohl in der Batterie-Technologie als auch in der Industrialisierung eine internationale Spitzenstellung. Hocheffiziente Produktion mit minimalen Ausschuss-Quoten sind das Erfolgsgeheimnis der Zellfertigung. Das beherrschen nur wenige.
Für deutsche Autobauer wäre ein Handelskrieg mit China eine Katastrophe
Die EU-Kommissionschefin dagegen behauptet, ohne irgendwelche Fakten zu liefern, dass BYD und die anderen chinesischen Autobauer Renminbi-Scheine von der chinesischen Regierung zugesteckt bekämen, um die europäische Autoindustrie zu vernichten. „Riesige staatliche Subventionen“ für Chinas E-Autos verzerrten den Markt, mutmaßte von der Leyen Mitte September. Beweise hat sie nicht auf den Tisch gelegt.
Ursula von der Leyen wurde vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei der Krönung zur Kommissionspräsidentin protegiert. Französische Autobauer sind in China nicht sichtbar und fristen ein Nischendasein. Die Furcht vor Gegenreaktionen aus China ist für die Franzosen gegenstandslos. Hohe Preise für die französischen Elektroautos ohne chinesische Störmanöver wären doch eine feine Sache.
Für die deutsche Autoindustrie, sprich Autobauer und Zulieferer, wäre ein Handelskrieg mit China eine Katastrophe. BMW, Mercedes und VW verkaufen mehr als 30 Prozent ihrer Neuwagen in China. Bei den großen Zulieferern sieht es ähnlich aus. Gemäß Machiavelli könnte man folgern, dass für Citroën, Peugeot und Renault schwache deutsche Autobauer nicht unbedingt eine schlechte Sache wären. Spielt also ein Handelskrieg mit China den Franzosen sogar doppelt in die Karten?
Auf den ersten Blick ja. Aber wenn Elektroautos in Europa künstlich durch Strafzölle teurer sind, wird es wohl nichts mit der Transformation der europäischen Autoindustrie in die Elektromobilität. Weniger Verkäufe wegen künstlich hoher Preise sind gleichbeutend damit, dass man in Europa langsamer ins Elektroauto einsteigt. Ganz im Gegenteil zum Rest der Welt. Damit kauft man sich ein hohes Risiko ein, denn wer zu langsam hochfährt, verliert die Scales in der neuen Welt des Autos. Sind die Scales mal verloren – Tesla will 20 Millionen Elektroautos um das Jahr 2030 verkaufen, das ist der doppelte Absatz von Toyota oder VW – ist man auf Dauer verloren.
Die Franzosen könnten dann gegen Tesla, BYD, Geely, Great Wall, SAIC & Co einpacken. Für die deutsche Autoindustrie würde man durch einen Handelskrieg und Sanktionen auch vom technischen Fortschritt „abgeklemmt“. Die moderne Batterie sitzt in China. Und wenn China sanktioniert, fahren unsere Autos mit Batterien von gestern. Kein schönes Bild.
BYD plant in Europa Werke
Bleibt die Frage: Ist dann Europa eine Art gallisches Dorf, wie bei Asterix und Obelix, „geschützt“ durch hohe Zollmauer und teure Elektroautos? Schauen wir in die USA. Vor 50 Jahren wollten sich die US-Autobauer durch Einfuhrrestriktionen und Strafzölle gegen die übermächtigen Importe japanischer Autos zur Wehr setzen. Und wie haben die Japaner reagiert? Klassisch, man hat sogenannte „Transplants“ aufgebaut. Toyota, Honda, Nissan haben ihre Fabriken einfach in die USA verlegt. Auch deshalb steht Toyota schon lange Zeit mit an der Spitze des US-Automarkts. Übrigens, BYD hat schon verlauten lassen, dass es in Europa Autowerke plant.
Fazit: Der Kostenvorteil der Chinesen ist ein natürlicher Wettbewerbsvorteil. Über 30 Jahre lang hat man in China seine Batterie-Kompetenz aufgebaut. So wie im Silicon Valley die Software-Kompetenz als natürlicher Wettbewerbsvorteil errichtet wurde. Der Schutz mit Zöllen oder Import-Restriktionen ist äußerst trügerisch. Es ist eine Scheinwelt, in die sich Ursula von der Leyen und der französische Präsident flüchten, eine Blase, die mit gewaltigem Schaden in der Zukunft platzt.
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