Autonomes Fahren: Schwerer Rückschlag für Robotaxis in San Francisco
Ein selbstfahrendes Auto der General-Motors-Tochterfirma Cruise ist im Straßenverkehr unterwegs – zumindest bis jetzt.
Foto: dpaEs ist der zweite herbe Rückschlag für Cruise binnen weniger Wochen. Am 10. August hatten sowohl die General-Motors-Robotaxi-Tochter als auch ihr Konkurrent Waymo vom Google Mutterkonzern Alphabet nach langen öffentlichen Diskussionen von der Energieregulierungsbehörde die Erlaubnis bekommen, ihren Fahrbetrieb in San Francisco rund um die Uhr auszuweiten und dafür Gebühren erheben zu können.
Wenig später kollidierte ein Cruise-Robotaxi mit einer Feuerwehr, weshalb die kalifornische Straßenverkehrsbehörde anordnete, die Zahl der Cruise-Taxis in San Francisco zu halbieren. Cruise durfte nachts nur noch 150 Robotaxis fahren lassen und am Tag sogar nur 50 Fahrzeuge.
Am Dienstag folgte nun der zweite Schlag: Mit sofortiger Wirkung hat die Behörde Cruise den Betrieb seiner Robotaxis in San Francisco untersagt. Grund: Das Unternehmen soll angeblich Filmaufnahmen von einem schweren Unfall zurückgehalten haben.
Der ereignete sich am 2. Oktober, nachdem zunächst ein menschlicher Fahrer eine Frau beim Überqueren einer Straße angefahren und sie dabei in den Weg eines daneben fahrenden Cruise-Taxis geschleudert hatte. Der Fahrer beging Unfallflucht. Er wurde bislang nicht ermittelt. Das Opfer wurde schwer verletzt. Zunächst sah es so aus, als ob das Robotaxi sich richtig verhalten hatte, es bremste stark ab. Das dokumentieren Aufnahmen, die Cruise den Medien bereitstellte.
Doch spätere Aufnahmen, so die Straßenverkehrsbehörde, zeigen, dass das Robotaxi danach versuchte, an die Seite zu fahren und dabei die Fußgängerin nach vorne zog. Das ist verboten, weil ein Unfallopfer nicht weiter gefährdet werden darf. Das Cruise-Taxi hätte sich nicht weiterbewegen dürfen. Cruise weist den Vorwurf zurück, die Szenen unterschlagen zu haben. Man habe den Ermittlern der Straßenverkehrsbehörde das Video mehrfach gezeigt und eine Kopie zur Verfügung gestellt.
Die Entscheidung bedeutet, dass Cruise-Taxis ab sofort nur noch mit menschlichen Sicherheitsfahrern in San Francisco unterwegs sein dürfen. Cruise kann gegen die Entscheidung Einspruch einlegen und eine Anhörung verlangen. Laut Straßenverkehrsbehörde kann es die Erlaubnis zurückerlangen, wenn die beanstandeten Mängel behoben werden. Konkurrent Waymo ist von der Entscheidung nicht betroffen. Schon in den Anhörungen vor der Energieregulierungsbehörde, die für die Entgelte von Taxis zuständig ist, war von Nutzern beider Dienste behauptet worden, dass sie sich bei Waymo sicherer fühlten.
Erst kürzlich hatte beispielsweise LinkedIn-Gründer Konstantin Guericke selbst die Waymo-Taxis in San Francisco getestet. Er war davon so beeindruckt, dass er in Zukunft statt Uber oder Lyft in San Francisco Waymo nutzen möchte.
In der vergangenen Woche eröffnete zudem die nationale Straßenverkehrsbehörde NHTSA eine Untersuchung gegen Cruise, um die Sicherheit seiner Fahrzeuge besser analysieren zu können.
Doch auch für Waymo ist der Rückschlag bei Cruise gefährlich. Es ist Wasser auf die Mühlen der Robotaxi-Kritiker. Die Stadtverwaltung von San Francisco hadert schon seit langem mit Robotaxis. Vor allem ärgert sie sich darüber, dass deren Regulierung nicht in städtischer Kontrolle liegt. Bereits vor den Strafmaßnahmen versuchte die Stadt, auf die Energieregulierungsbehörde Einfluss zu nehmen, um ihre Entscheidung wieder zur revidieren. Das würde die Robotaxis zwar nicht stoppen. Doch die Betreiber könnten dann kein Entgelt verlangen. Vor allem der städtische Nahverkehrsbetrieb und die Feuerwehr sind von den Robotaxis genervt, die angeblich den Verkehr behindern.
General Motors hatte das Startup Cruise 2016 für rund eine Milliarde Dollar übernommen. Eigentlich sollte schon 2019 der volle Robotaxi-Betrieb starten.
Trotzdem glaubt man bei General Motors, mit Robotaxis schon Mitte des Jahrzehnts eine Milliarde Dollar Umsatz zu erreichen und diesen bis Ende des Jahrzehnts auf 50 Milliarden Dollar hochschrauben zu können. Erst am Dienstag hatte GM-Chefin Mary Barra bei der Vorlage der Quartalszahlen die Wachstumschancen von Cruise betont. Neben der Alphabet-Tochter Waymo testet auch Volkswagen seit kurzem einen Robotaxi-Service in der texanischen Hauptstadt Austin. Auch Amazon testet mit seiner Tochter Zoox im Silicon Valley. Und Elon Musk verspricht schon seit längerem das vollautonome Fahren für seine Tesla und bereitet derzeit die Produktion eines eigenen Robotaxis vor.
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