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FruchtbarkeitsbehandlungWarum Merck als einziger Dax-Konzern seine Mitarbeiter beim Kinderwunsch unterstützt

Merck zahlt ungewollt kinderlosen Mitarbeitern in Deutschland ab sofort die Fruchtbarkeitsbehandlung – und rechnet „mit 100 bis 200 Bewerbungen pro Jahr“. Für das Engagement gibt es einen besonderen Grund.Jürgen Salz 31.10.2023 - 16:50 Uhr
Foto: iStock

In den USA zahlen Google und Starbucks ihren Mitarbeitenden die Kosten für eine Fruchtbarkeitsbehandlung. Die Tech-Konzerne wollen ihre Beschäftigten in schwierigen privaten Situationen unterstützen – auch dann, wenn die Beziehung ungewollt kinderlos bleibt. Es gibt sogar eine eigene Wortschöpfung dafür: „Fertility Benefits“.

Bis nach Deutschland hat sich das Konzept noch nicht wirklich herumgesprochen. Nun prescht der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck vor – und bietet seinen Beschäftigten die Kostenübernahme der Behandlungen an. Als bislang einziger Dax-Konzern.

Matthias Wernicke, der das deutsche Pharmageschäft von Merck leitet, sagt: „Wir hoffen auf möglichst viele Nachahmer.“  Ungewollte Kinderlosigkeit könne Beschäftigte psychisch, emotional und gesundheitlich beeinträchtigen: „Jedes sechste Paar in Deutschland leidet unter ungewollter Kinderlosigkeit – mit steigender Tendenz – und braucht Hilfe“, so Wernicke.

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Merck zahlt unter anderem für Fruchtbarkeitstests, Hormonbehandlungen und In-vitro-Fertilisation, bei der die Eizelle außerhalb der Gebärmutter befruchtet und später wieder eingesetzt wird. Mit „bis zu einem fünfstelligen Betrag“ will Merck seine Mitarbeitenden unterstützen. Wieviel genau, sagt das Unternehmen nicht. Manager Wernicke erklärt: „Unsere Unterstützung beginnt dort, wo die Unterstützung der Krankenkassen aufhört.“

Die Kassen zahlen in der Regel 50 Prozent an verheiratete Paare, die anderen 50 Prozent müssen die Betroffenen selbst aufbringen. Pro Zyklus können dabei mehrere tausend Euro anfallen – oft sind allerdings auch fünf bis sechs Zyklen nötig. Das Angebot von Merck richtet sich sowohl an Frauen als auch an Männer – und ist unabhängig vom Familienstand.

In den USA, Japan und Kanada hat Merck das Programm bereits gestartet. Nun kommen Großbritannien, China, Indien, Taiwan, Brasilien, Mexiko, die Schweiz – und eben Deutschland – an die Reihe. Mercks globale Personalchefin Khadja Ben Hammada gilt als Treiberin des Projekts. Für Deutschland rechnet der Leiter des deutschen Pharmageschäfts Wernicke „mit 100 bis 200 Bewerbungen pro Jahr“ aus der Belegschaft: „Eine solche Größenordnung legen unsere Erfahrungen in den USA nahe.“ Insgesamt beschäftigt Merck in Deutschland 13.000 Mitarbeiter. Der Antrag für die Kostenübernahme muss nicht beim Vorgesetzten gestellt werden, sondern landet über ein anonymisiertes Verfahren in der Personalabteilung.

Fünf Millionen Babys – dank Merck

Für das besondere Engagement von Merck gibt es freilich auch einen geschäftlichen Grund. Das Darmstädter Unternehmen ist Weltmarktführer bei Fruchtbarkeitsbehandlungen. Bereits 1958 brachte Merck das weltweit erste Medikament zur Verbesserung der Fruchtbarkeit auf den Markt.

2022 erwirtschaftete die „Fertility“-Sparte einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro. Das sind immerhin sechs Prozent des Gesamtumsatzes von 22,3 Milliarden Euro. Der Darmstädter Mischkonzern hat unter anderem Medikamente gegen Krebs und Multiple Sklerose, Laborbedarf und Halbleitermaterialien im Angebot.

Das wichtigste Produkt aus der „Fertility“-Sparte ist das Hormon Gonal-f, das die Freisetzung einer Eizelle aus dem Eierstock bei Frauen herbeiführen soll. Umsatz 2022: 825 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere stimulierende Hormonpräparate, die etwa Pergoveris oder Luveris heißen. 

Insgesamt hat Merck nach eigenen Angaben weltweit fünf Millionen Babys auf die Welt geholfen. Das ist etwa die Hälfte aller Kinder, die seit der Geburt des ersten durch In-vitro-Fertilisation gezeugten Babys im Jahr 1978 unter Einsatz von Reproduktionstechnologien zur Welt kamen. Kein anderes Unternehmen dürfte damit so viel Leben ermöglicht haben wie Merck.

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