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SoftwarekonzernUmbauprogramm bei SAP trifft 8000 Stellen

SAPs Geschäfte laufen mehr oder weniger nach Plan. Nun kommt das nächste Restrukturierungsprogramm, das 8000 Stellen betrifft. Wie der Umbauplan für den Konzern aussieht.Michael Kroker 24.01.2024 - 08:37 Uhr
Foto: imago images

Für Christian Klein ist es eine Stunde der Wahrheit: An diesem Mittwoch tritt der SAP-Chef seinen alljährlichen Gang vor Presse und Analysten an, frische Zahlen vom vierten Quartal runden das Geschäftsjahr ab. Für Klein geht es darum, zu bestätigen, was er Anfang 2023 versprochen hat: Nach der Schonfrist wegen des Konzernumbaus in Richtung Cloud soll die Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum gelingen. Vor einem Jahr schien der Konzern dafür auf Kurs. Entsprechend konkret sind jetzt die Erwartungen: SAP muss eine steigende Marge und wachsende planbare Umsatzanteile liefern.

Und das tat der Konzern laut einer in der Nacht veröffentlichten Mitteilung auch: Demnach stieg der SAP-Umsatz im Jahr 2023 um neun Prozent auf 31,2 Milliarden Euro, der Anteil der planbaren Umsätze stieg um zwei Prozentpunkte auf 81 Prozent; und das Betriebsergebnis (Non-IFRS) um neun Prozent auf 8,7 Milliarden Euro (währungsbereinigt plus 13 Prozent). Zudem stieg der sogenannte „Current Cloud Backlog“ – also bereits abgeschlossene, aber noch nicht verbuchte Cloudaufträge – um 25 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. „Die SAP hat geliefert: Unseren Ausblick für 2023 haben wir bei allen wichtigen Kennzahlen erfüllt oder übertroffen“, lässt sich Klein in der Meldung zitieren.

Zudem hat SAP wegen des stärkeren Fokus auf künstliche Intelligenz ein Restrukturierungsprogramm angekündigt. Das betrifft rund 8000 Stellen und wird vom Konzern mit Kosten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro veranschlagt. Bei den meisten Stellen sollen Freiwilligenprogramme und interne Umschulungsmaßnahmen zum Tragen kommen. Damit bestätigen sich in- und externe Gerüchte der vergangenen Wochen über einen möglichen Stellenabbau: „Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – und zur Umsetzung des versprochenen margenträchtigen Wachstums wäre es wohl auch nötig“, urteilt Mirko Mayer, Analyst bei der LBBW in Stuttgart.


Interne Maßnahmen deuteten neues Umbauprogramm an

Zuvor hatten andere Ankündigungen ein neues Umbauprogramm zumindest bereits angedeutet. So hat der Softwarekonzern aus Walldorf unlängst überraschend einige interne Regelungen kassiert: Nach der weitgehenden Freiheit für SAPler für Arbeitszeit und -ort während der Coronapandemie hat das Management die Beschäftigten Anfang Januar wieder zu drei Bürotagen verpflichtet, wie die WirtschaftsWoche exklusiv berichtete. Zuvor hatte der Konzern eine geplante freiwillige und bezahlte Freistellung von Vätern kassiert.

Beide Maßnahmen hängen zusammen – und zwar mit dem anhaltenden Ringen des Managements um steigende Profitabilität: „Die Gewinnwarnung Ende 2020 war ein Trauma für Christian Klein“, sagt ein hochrangiger Arbeitnehmervertreter zur WirtschaftsWoche, der ungenannt bleiben will. „Der tut jetzt alles dafür, seinen Masterplan bei der Marge zu erfüllen.“

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Tatsächlich erwartet der Konzern auch im Geschäftsjahr 2024 weiter wachsende Gewinne: Laut des nun veröffentlichten Finanzausblicks soll das Betriebsergebnis währungsbereinigt zwischen 17 und 21 Prozent wachsen. Bei den für den Konzern so wichtigen Clouderlösen ist ein Plus von 24 bis 27 Prozent auf 17 bis 17,3 Milliarden Euro geplant. Dadurch soll der Anteil besser planbarer Umsätze auf 82 Prozent – und bis 2025 sogar auf 86 Prozent klettern.

Umbauprogramm von 2020 trägt jetzt Früchte

Genau mit der Zielvorgabe des zweistelligen Ergebnis- und Cloudwachstums hatte Klein Ende 2020 völlig überraschend den Umbau eingeleitet – und dabei rund 30 Milliarden Euro Börsenwert bei SAP ausradiert. Dies hatte den Marktwert des Walldorfer Softwarekonzerns zwischenzeitlich auf unter 100 Milliarden Euro gedrückt. Jene Scharte ist inzwischen mehr als ausgewetzt: Beim aktuellen Preis von um die 150 Euro ist SAP heute mehr als 180 Milliarden Euro wert und damit eines der bestgelaufenen Papiere im Börsenindex Dax

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Finanzanalysten diverser Banken rechneten daher vor der heutigen Bilanzvorlage mit keinen größeren Überraschungen. „Wir glauben, dass SAP im vierten Quartal 2023 eine solide operative Leistung zeigen und auch einen ebensolchen Ausblick für 2024 abgeben wird“, schrieb etwa Knut Woller, Aktienanalyst von Baader Helvea Equity Research in München, in einer Vorabanalyse. 

Sein Kollege Andreas Wolf hatte sich für seine Bewertung unter anderem bei SAP-Servicepartnern umgehört. „Angesichts der ermutigenden Kommentare zu SAP-Migrationen und ERP-Modernisierung durch IT-Dienstleister wie HCL und Accenture“, kommentierte der Analyst in der Research-Abteilung der Hamburger Privatbank M.M. Warburg in einer Kurzanalyse, „erwarten wir ein solides Geschäft für SAP.“

Im Schnitt kalkulierten die Analysten vorab mit einem Umsatzplus von fünf Prozent auf rund 31 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2023 sowie einem operativen Gewinn (EBIT) von 8,7 Milliarden Euro, was mit 9 Prozent leicht unter dem angekündigten zweistelligen Gewinnzuwachs läge. Der Anteil planbarer, weil wiederkehrender Umsätze soll dabei von 79 Prozent im Jahr 2022 auf nurmehr rund 82 Prozent steigen. Bis auf geringe Abweichungen hat SAP jene Prognosen tatsächlich erfüllt. 

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