Investitionen: Blackrock hofft auf Zinswende im Sommer
Larry Fink, der Gründer von Blackrock.
Foto: REUTERSDer Blick auf das laufende Jahr fällt bei Blackrock verhalten optimistisch aus. Zwar leide das Investitionsklima weltweit immer noch unter dem Post-Covid-Reparaturmodus und den geopolitischen Fragmentierungen, aber 2024 biete auch Chancen. Obwohl der Spielraum der Notenbanken in den USA und Europa eher gering ausfalle, geht man beim größten Vermögensverwalter der Welt für 2024 von einer Zinswende aus – spätestens im Sommer. Das niedrige Rekordniveau der vergangenen Jahre werde man allerdings nicht mehr sehen, so die Einschätzung.
Positiv sei die rückläufige Entwicklung der Inflation. Für den Euroraum werden mittelfristig rund zwei Prozent erwartet, für die USA rund 2,5 Prozent.
Als wichtigste Faktoren für die Entwicklung der Geldwertstabilität gelten die Demografie, die Transformation der Wirtschaft sowie die Tendenzen zur De-Globalisierung. Vor allem die Knappheit an Fach- und Arbeitskräften hebe das Lohnniveau und beeinflusse daher auch die Entwicklung der Inflation, glaubt man bei Blackrock. Allerdings bleibe die Entwicklung und Wirkung der Künstlichen Intelligenz (KI) abzuwarten. Die KI löse neue Investitionen aus und könne auch die Produktivität erhöhen. Vor allem in den Sektoren Gesundheit, Banken, Handel und Versicherungen wird das Potenzial als hoch eingeschätzt.
Strenger Blick auf die Unternehmen
Die Entscheidung der Kunden über Investments in einzelne Unternehmen richte sich auch 2024 sehr stark nach deren Bemühungen um Nachhaltigkeit. Die Firmen sollen ihre Ziele nicht nur konkret festschreiben, sondern sie auch möglichst ehrgeizig sein.
Entscheidend sei auch der Fahrplan eines Unternehmens für die ökologische Transformation sowie die Frage, wie weit man beim Umbau des eigenen Geschäftsmodells gekommen sei. Ferner stehe beim Stichwort Risiko die finanzielle Resilienz wieder mehr im Fokus. So müssten allein die Unternehmen in den USA in den kommenden drei Jahren Schulden in Höhe von zwei Billionen US-Dollar zurückzahlen, weshalb das Schuldenmanagement von wachsender Bedeutung sei. Nicht zuletzt wird geprüft, ob ein Unternehmen genügend Fachkräfte an sich binden kann und ob es über stabile Lieferketten verfügt.
Verhaltene Aussicht für Deutschland
Für die Bewertung des Standorts Deutschland nimmt man bei Blackrock vor allem die Frage der Investitionsmöglichkeiten in den Blick. Es gebe zwar große Bemühungen, die Wirtschaft möglichst frei von Emissionen zu organisieren. Allerdings fehle es nach wie vor an konkreten Möglichkeiten, bei diesem Transformationsprozess privates Kapital zu investieren. Hier würden staatliche Garantien oder sonstige Hilfen erhebliche Effekte auslösen, glaubt man bei Blackrock. Auch die durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts enger gewordenen finanziellen Spielräume des Staats könnten durch erleichterten Zufluss privaten Kapitals geweitet werden. Zwar stehe in der EU mit dem Green Deal noch mehr Geld für ökologischen Umbau und Infrastruktur zur Verfügung als mit dem IRA in den USA. Allerdings gehe es dort wesentlich schneller, weshalb der Effekt auch deutlich höher ausfalle. Die EU mit ihren 27 Staaten und einer hohen internen Konkurrenz zwischen den EU-Mitgliedern sei aufgrund ihrer Struktur wesentlich schwerfälliger.
Die Attraktivität des Standorts Deutschland sei jedoch nicht gesunken, glaubt man bei Blackrock. In deutsche Unternehmen legt der US-Konzern rund 200 Milliarden Euro an, bei einem insgesamt leichten Anstieg. Die Deutschen selbst aber investieren lieber im Ausland. Für die Bundesbürger legt Blackrock 250 Milliarden Euro weltweit an.
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