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VersichererBafin: Kunden werden für überteuerte Fondspolicen entschädigt

Die Finanzaufsicht statuiert ein Exempel bei überteuerten Fondspolicen der Generali, die vor allem die DVAG verkauft. Anleger bekommen mehr Geld. Weitere neun Versicherer werden noch kontrolliert.Heike Schwerdtfeger 29.02.2024 - 17:55 Uhr

Mark Branson: Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nimmt fondsgebundene Policen ins Visier.

Foto: dpa Picture-Alliance

Statt klassischer Kapitallebensversicherungen wurden in den Jahren der Niedrigzinsen mehr fondsgebundene Policen mit Aktienkick verkauft. Die Finanzaufsicht Bafin warnte allerdings schon im Jahr 2022 vor deren hohen Kosten. Damals hatte sie angekündigt, die Kostenbelastung bei Lebensversicherungen stärker zu kontrollieren und einzuschreiten, wenn Anlegern zu viel Geld abgeknöpft wird. „Da muss Bewegung hineinkommen“, forderte Bafin-Präsident Marc Branson Anfang Februar erneut beim Versicherungstag der Süddeutschen Zeitung. „Daran haben zu viele zu lange zu gut verdient.“

Jetzt wurde bekannt, dass sich die Bafin den italienischen Versicherer Generali als ersten vorgeknöpft hat. Er ist die Nummer zwei am Markt für Fondspolicen in Deutschland mit einem Marktanteil von zehn Prozent. Die Policen werden hierzulande von der DVAG verkauft, dem einst als Sponsor von Michael Schumacher bekannt gewordenen Finanzvertrieb. Frühere Politgrößen der CDU sind in Gremien der DVAG aktiv. Anteilseigner des in Marburg und Frankfurt angesiedelten Unternehmens sind die Familie Pohl und die Generali.

Kunden, die in den Jahren 2021, 2022 oder 2023 eine fondsgebundene Lebensversicherung bei der Generali abgeschlossen haben, bekommen durch das Eingreifen der Finanzaufsicht Bafin nachträglich eine Überschussbeteiligung gutgeschrieben, die bei 0,7 Prozent pro Jahr liegen wird, wie die Süddeutsche Zeitung zuerst meldete. Es geht hierbei wohl auch um Rückvergütungen, die etwa aus Fonds an die Generali geflossen sind, von ihr aber nicht den Kunden der Policen gutgeschrieben wurden. Die WirtschaftsWoche hatte mehrfach auf diese Problematik hingewiesen.

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Fondspolicen wurden in der Niedrigzinsphase zum Verkaufsschlager der Assekuranz. Rund 200 Milliarden Euro haben Kunden in Deutschland insgesamt in Fondspolicen angelegt. Aber das Geld ist dort vielfach sehr schlecht aufgehoben. Von den Gewinnen, die die Fonds in den Policen erzielen, kommt beim Anleger zu wenig an. Sind die Kosten der Lebensversicherungen und Fonds zu hoch, kommt der Anleger auf keinen grünen Zweig. Da vieles an diesen Policen noch immer sehr intransparent ist, ist die Kostenkeule vielen Kunden der Lebensversicherungen nicht bewusst.

Schon im Jahr 2022 hatten die Finanzaufseher die Kosten fondsgebundener Lebensversicherungen verglichen. Viele Anleger versprechen sich von ihnen eine höhere Rendite als bei der Kapitallebensversicherung, weil sie viel Geld am Aktienmarkt investieren können. Doch bei immer mehr Anlegern wuchs der Unmut, weil zu viel Geld in die Taschen der Versicherer, der Fondsanbieter und deren Verkäufern wanderte. Kein Kundennutzen, kein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis – für Anleger sollte das ein Alarmzeichen sein. Der neue Bafin-Chef Mark Branson war aber angetreten, um mehr für den Verbraucherschutz zu tun und ging das auch beherzt an. Wiederholt hatte er darauf hingewiesen, dass die Aufsicht von den Anbietern „Wohlverhalten“ verlangt und deshalb auch die Interessen der Kunden berücksichtigen müsse. Von Wohlverhalten war aber auch nach der Mahnung der Aufsicht offenbar wenig zu sehen.

Bei ihrer Kostenanalyse hatte die Finanzaufsicht Wucherpreise bei Fondspolicen entdeckt. Kosten schmälerten die Rendite der Fondspolicen mit bis zu vier Prozent jährlich, die Mittelwerte sind allerdings niedriger. Je kürzer die Vertragslaufzeit und je älter der Kunde, desto höher waren die jährlichen Effektivkosten im Mittelwert. Die Abzüge liegen  für einen 55 Jahre alten Versicherten zwischen 1,75 Prozent bei einem Vertrag, der 40 Jahre läuft und 2,66 Prozent jährlichen Kosten bei zwölf Jahren Laufzeit.

Dass es bei der Bafin nicht nur bei der Analyse blieb, zeigt jetzt der Fall Generali. Und es könnte nicht der einzige bleiben. Denn die Aufsicht kontrolliert noch neun andere Anbieter die alle zu denen mit den höchsten Kosten gehören dürften.
Bislang bekommen bei der Generali auch nur Anleger Geld zurück, die ab 2021 abgeschlossen wurden. Das ist noch kein großer Wurf, aber immerhin ein Anfang.

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Dass man nur bis ins Jahr 2021 zurückgeht, hat einen Grund: Damals gab es neue Kostenvorgaben der Versicherungsaufsicht Eiopa. Die Versicherer hätten spätestens seit 2021 gewarnt sein müssen, dass Aufseher bei massiver Benachteiligung von Kunden durch hohe Kosten einschreiten werden. Wer den Warnschuss damals überhörte, muss jetzt mit Konsequenzen rechnen. Also können sich nach den Generali-Kunden auch noch Kunden anderer Gesellschaften Hoffnungen auf einen Nachschlag machen.

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