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Zschabers BörsenblickNeue Hoffnung für die Emerging Markets

Die bevorstehenden Zinswenden könnten sich auch positiv auf die Emerging Markets auswirken. Doch nicht alle Schwellenländer werden gleichermaßen davon profitieren. Eine Kolumne.Markus Zschaber 02.04.2024 - 07:18 Uhr

Gemeinsames Kennzeichnen der Emerging Markets ist, dass sie in aller Regel höhere Wachstumsraten als die Industrienationen aufweisen.

Foto: imago images

Ruhig ist es geworden, um die Emerging Markets. Standen sie vor einigen Jahren noch im Fokus vieler Anleger, hört man nun kaum noch etwas von ihnen. Emerging Markets, das sind jene Nationen in Asien, Afrika und Lateinamerika, deren Volkswirtschaften sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befinden, ohne bereits den Stand eines Industrielandes erreicht zu haben. Deswegen werden sie oft auch als Schwellenländer bezeichnet.

Der Übergang von einem Emerging-Market-Land zu einem Industriestaat ist aber nicht eindeutig abgrenzbar, die Unterschiede verwischen oft. China etwa ist so ein Grenzfall. Das Land hat punktuell schon eine starke Industrie ausgebildet, die durchaus eigenständig arbeitet. In vielen Bereich agiert Chinas Wirtschaft aber noch als reiner Zulieferer westlicher Unternehmen und ist damit noch eher als Schwellenland einzuordnen.

Gemeinsames Kennzeichnen der Emerging Markets ist, dass sie in aller Regel höhere Wachstumsraten als die Industrienationen aufweisen – meist in Verbindung auch mit einer schnell wachsenden Bevölkerung. Aber auch dies trifft nicht immer zu. Chinas Wirtschaftswachstum etwa hat in den zurückliegenden Jahren deutlich an Schwung verloren. Unter anderem die Corona-Pandemie hat erheblich dazu beigetragen, dass Land in seinem Bestreben, die stärkste Volkswirtschaft der Welt zu werden, auszubremsen.

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Möglicherweise ist das auch ein Grund, warum die Emerging Markets insgesamt unter den Anlegern nicht mehr so euphorisch beurteilt werden. Es hat sich gezeigt, dass auch die Emerging Markets Probleme haben, die zu bewältigen sind. Ein Problem ist etwa die amerikanische Währung, der US-Dollar.

Ein starker Dollar belastet

Die amerikanische Währung hat in den zurückliegenden Jahren stark aufgewertet. Krisen wie etwa der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Unruhen im Nahen Osten haben den Dollar als „sicheren Hafen“ gestärkt. Zudem haben die Zinsanhebungen der US-Notenbank in Folge der wachsenden Inflation den Dollar zu einem Höhenflug verholfen, auch gegenüber vielen Währungen der Emerging Marktes. Das hat in den betroffenen Ländern zu spürbaren Verwerfungen beigetragen. Denn ein starker Dollar führt ganz allgemein gesprochen zu einer Liquiditätsverknappung in den Schwellenländern. Sie müssen ihre meist in US-Dollar gehaltenen Verbindlichkeiten zu weniger günstigen Wechselkursen zurückzahlen. Zudem führt eine Abwertung ihrer Heimatwährungen zu einer Verteuerung von benötigten Importen. Das betrifft insbesondere jene Emerging Markets, die nur über wenige heimische Energieressourcen verfügen. Die Energieimporte sind für sie aber extrem wichtig, um das Wachstum im Land aufrechtzuerhalten.

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Eine Dollar-Stärke geht des Weiteren häufig mit einer Verschiebung der Kapitalflüsse einher. Weil Investitionen in Dollar attraktiver werden, ziehen Investoren ihr Geld aus den Schwellenländern ab. Das verschlechtert in den aufstrebenden Nationen die Finanzierungsmöglichkeiten von dort ansässigen Unternehmen. Das Wirtschaftswachstum bekommt einen Dämpfer, was zu weiteren Kapitalabflüssen führen kann. Läuft es sehr ungünstig, kann eine Dollar-Aufwertung zu einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale in den Emerging Markes führen.

Fallende Zinsen könnten Situation verbessern

Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung von Zinssenkungen, die nun in den westlichen Industrienationen – allen voran in den USA und in Europa – diskutiert werden, deutlich. Zinssenkungen dürften zu einer Schwächung des US-Dollar beitragen – und diese Schwächung könnte zu einer nachhaltigen Verbesserung der Liquiditätssituation in den Emerging Markets führen. Zudem ist auch eine Neujustierung der Investorengelder nicht auszuschließen. Nach der guten Performance der US-amerikanischen Börsen im zurückliegenden Jahr könnte es zu Gewinnmitnahmen in den USA kommen. Die Gewinne könnten dann, auf der Suche nach neuen Chancen, in die prosperierenden Volkswirtschaften fließen. Das wiederum könnte die dortigen Währungen aufwerten lassen.

Das gilt allerdings nicht für alle Emerging Markets. Wichtig ist, dass viele Länder aus den Problemen der Vergangenheit gelernt und ihre Ökonomien stabilisiert haben. Am fortschrittlichsten sind die Schwellenländer Asiens. Viele diese Staaten haben aus den Krisen in der Vergangenheit Lehren gezogen und ihre Kapitalmärkte reformiert. Problematischer sind hingegen einige Länder aus Lateinamerika. In dieser Region sind vor allem politische Risiken nicht zu unterschätzen. Als besonders riskant gelten auch die Emerging Marktes aus Afrika. Hier vereinen sich unterentwickelte Finanzmärkte und hohe politische Risiken oft zu einem gefährlichen Mix.

In der Gunst von Experten stehen daher für 2024 vor allem Länder aus der asiatischen Region. Südkorea, Taiwan und China werden häufig als Favoriten genannt, die auch von privaten Anlegern etwa über ETFs in ihren Portfolios berücksichtigt werden können. Wer die Entwicklung mehrerer Emerging Markets in seinem Depot berücksichtigen möchte, kann hingegen einen ETF auf den MSCI Emerging Markets wählen. Er enthält Aktien von Unternehmen unter anderem aus China, Indien, Taiwan, Südkorea, Brasilien, Saudi-Arabien und Mexiko.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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