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Riedls Dax-RadarNvidia-Hype gegen Zinsängste an den Börsen

Hin und Her in der Geldpolitik, Rohstoff-Turbulenzen und wacklige Bonds sind ein brisanter Mix für Aktien. Dennoch gewinnt die Börsenhausse an Marktbreite; ein Zeichen von Stärke. Eine Kolumne.Anton Riedl 24.05.2024 - 13:30 Uhr

Die Börsenhausse gewinnt an Breite.

Foto: imago images, Collage: Marcel Reyle

Hartnäckige Inflationszahlen und eine unerwartet restriktiv gestimmte Fed reißen die Märkte aus ihren Träumen von einer baldigen Zinssenkung in den USA. Wurden noch Anfang des Jahres fünf bis sechs Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank erwartet, ist jetzt auf absehbare Zeit überhaupt kein Entspannungsschritt der Fed in Sicht – jedenfalls nicht vor der Präsidentschaftswahl in den USA im November. 

Kräftig erwischt es vor allem den Dow Jones, das Aktienbarometer der klassischen US-Aktien, das am Donnerstag wie ein Stein nach unten sackte und ohne große Widerstände 600 Punkte verlor. Dabei hatte der Dow Anfang der Woche mit 40.065 Punkten erst ein neues Allzeithoch erreicht.
Bemerkbar machen sich die jüngsten Irritationen vor allem an den Währungsmärkten. Der Dollar-Index, in dem der Wert des Greenbacks gegenüber den wichtigsten Weltwährungen verrechnet ist, setzt die seit Mai anhaltende Erholung fort. Dieser unerwartete Anstieg könnte nun vor allem die Währungen der Schwellenländer unter Druck bringen, weil der Dollar unerwartet rentabel bleibt. Heikel könnte die Lage etwa beim brasilianischen Real werden, der schon seit Monaten nach unten driftet; für die größte Wirtschaft Südamerikas kein gutes Zeichen. 

Auf der anderen Seite hat ein stabilerer Dollar auch Vorteile. Die zuletzt massiven Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten bekommen einen vorübergehenden Dämpfer. Der Dollar ist hier die zentrale Währung. Ist er schwach, wie bis Mitte Mai, hievt das die Rohstoffnotierungen automatisch nach oben – und das wiederum schürt in den industriellen Abnehmerländern die Inflation. 

Besonders deutlich ist das am Goldpreis zu sehen, der binnen weniger Tage vom Hoch bei 2450 Dollar auf fast 2320 abgerutscht ist. Auch die zuletzt heiß gelaufenen Kupferpreise sind beim alten Hoch um 10.800 Dollar je Tonne erst einmal zurückgezuckt; die Notierungen für die Nordseeölsorte Brent haben mit 82 Dollar je Fass die seit Januar anhaltende Aufwärtsbewegung unterbrochen.  

Die Entscheidung an den Bondmärkten steht noch bevor

An den Anleihemärkten sprang die Rendite zehnjähriger US-Staatspapiere von 4,4 auf 4,5 Prozent, die stärkste Bewegung seit mehreren Wochen. Zudem hat sich genau bei 4,45 Prozent seit Anfang Mai eine Zone gebildet, die von den Renditen zunächst unterschritten, jetzt aber wieder überschritten wurde. Sollte sich diese Tendenz in den nächsten Tagen bestätigen, könnte die gesamte Entspannungsbewegung seit Mai beendet sein - und genau dieser Zinsrückgang war in den vergangenen Wochen der wichtigste Motor für die gute Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten. 

KI-Hype

Nvidia ist nur vermeintlich ein guter Kauf

Nvidia überholt Apple und wird das zweitwertvollste Unternehmen der Welt. Die Luft nach oben wird so dünn wie ein Chip-Wafer. Die Bewertung mag auf den ersten Blick attraktiv wirken. Doch die Wette ist schlicht zu irre.

von Marlon Bonazzi

Der jüngste Schwächeanfall des Dow Jones wird bisher von den anderen Indizes nicht nachvollzogen. Der S&P 500 behauptet sich bisher über dem Frühjahrshoch bei 5250 Punkten. Und der Nasdaq 100, den manche als besonders zinssensibel einstufen (weil junge Unternehmen in der Regel stärker auf Bankfinanzierungen angewiesen sind), rangiert weiterhin nur wenige Punkte unter seinem Allzeithoch vom 21. Mai. In dieser fehlenden Bestätigung der Dow-Schwäche liegt ein hoffnungsvolles Signal für die Aktienmärkte.

Die Nvidia-Aktie könnte auf über 1200 Dollar klettern

Allerdings, der Kampf um die kurzfristige Tendenz könnte in den nächsten Tagen knapp werden. Die Stärke des Nasdaq-100-Index nämlich ist derzeit zu einem wesentlichen Teil der weltweit erfolgreichsten Aktie der vergangenen Jahre zu verdanken: Chip-Konzern Nvidia, der dank starker Geschäftszahlen und angekündigtem Aktiensplit erstmals stürmischen in den Kursbereich über 1000 Dollar vorgedrungen ist. 

Die ganz besondere Hausse von Nvidia mag fundamental überzogen erscheinen, kurstechnisch ist keinerlei Schwäche in Sicht. Im Gegenteil: Durch den jüngsten Kurssprung haben die Notierungen die seit März anhaltende Seitwärtsbewegung nach oben verlassen und könnten theoretisch auf weit über 1200 Dollar klettern. 

Bemerkenswert dabei ist, dass der Branchenindex Philadelphia Semiconductor bei 5200 Punkten durch den Nvidia-Sprung exakt wieder an das März-Hoch katapultiert wurde. Sollte der Sox, wie der Chipindex im Börsenjargon heißt, auch diese Hürde nehmen, wäre dies ein weiteres Signal, dass die generelle Tendenz an den Weltbörsen trotz Zittern im Dow ungebrochen nach oben zeigt.

Lesen Sie auch: Das müssen Nvidia-Anleger zum Aktiensplit wissen

Henkel geht, Merck kommt, Infineon in Lauerstellung

Auch der Dax zeigt alles andere als Schwäche. Nach wie vor spielen sich die Schwankungen oberhalb von 18.500 Punkten ab und sind damit nur eine Korrektur der seit Anfang Mai laufenden Aufwärtsbewegung. Hintergrund ist dabei nicht nur die im Gegensatz zu den USA anstehende, angekündigte Zinssenkung durch die Europäische Notenbank Anfang Juni, sondern auch eine zunehmende Stärke europäischer Indizes. Das beginnt beim marktbreiten Stoxx Europe 600, der schon seit Februar auf Rekordfahrt ist, geht über die ebenso stabilen deutschen Indizes H-Dax (die 100 wichtigsten deutschen Aktien) und C-Dax (rund 350 deutsche Aktien), bis hin zum reinen Spezialwerteindex SDax. Letzterer liegt zwar noch weit unter seinem Hoch von 2021, hat aber durch den Anstieg über 14.000 Punkte ebenfalls ein Kaufsignal gegeben. Insgesamt spricht die Stärke dieser Indizes ebenfalls dafür, dass sich die Aufwärtstendenz an den Börsen dank zunehmender Marktbreite fortsetzt. 

Im Dax derzeit besonders aussichtsreich ist die Darmstädter Merck. Zwar musste das Unternehmen im ersten Quartal noch einmal einen Rückgang seiner Zahlen melden, so sank der Umsatz um 3,3 Prozent und der Nettogewinn um 12,5 Prozent. Doch dies könnte der Tiefpunkt gewesen sein. Im Pharmageschäft, das derzeit gut die Hälfte der Gewinne liefert, erzielen die wichtigen Medikamente zweistellige Wachstumsraten.

In der kleinen Elektronikbranche ist die Nachfrage vor allem aus der Chipindustrie ungebrochen. Und im Laborgeschäft könnte es nun zum letzten Mal einen Rückgang geben, bedingt durch das abgeflaute Geschäft mit Coronaprodukten. Nach dem  Wendejahr 2024 könnte es dann von 2025 an wieder ein stabiles Plus geben - und darauf setzen die Aktienkurse nach zwei Jahren Korrektur schon jetzt. Der Anstieg über 164 Euro ist ein vielversprechendes Signal. 

Ebenfalls in einer interessanten Verfassung ist Konsumchemiker Henkel. Hier gelang nach langer Bodenbildung mit dem Sprung über 75 Euro die Bestätigung der Aufwärtstendenz. Henkel konnte zuletzt durch gute Zahlen und Prognosen wieder auf Wachstumskurs einschwenken, der Bewertungsabschlag gegenüber Konkurrent Beiersdorf ist weiterhin erheblich. Ein möglicher Rücksetzer in den Bereich um 80 Euro könnte neue Gelegenheiten eröffnen. 

Hochspannung auch bei Infineon. Obwohl die jüngsten Meldungen verhalten waren und die Ziele erst einmal zurückgenommen wurden, hat sich die Aktie aus der Konsolidierung der vergangenen Monate befreit und ist bei 38 Euro bis zu dem seit drei Jahren anhaltenden Abwärtstrend vorgedrungen.

Entscheidend für Infineon dürfte dabei auch die weitere Entwicklung der US-Chipwerte werden. Auch der Münchener Halbleiterhersteller ist so gesehen ein Profiteuer des Nvidia-Hypes. 

Fazit für den Dax

Trotz schwindender Zinshoffnung in den USA und angeschlagenem Dow Jones hält sich der Deutsche Aktienindex weiter im Bereich oberhalb von 18.500 Punkten. Das ist zunächst einmal eine klassische Korrektur des schnellen Anstiegs der ersten Mai-Hälfte. Ebenfalls typisch wäre nun kurzfristig ein Aufwärtsdreh im Bereich um 18.500 und danach der Versuch, ein neues Hoch über 19.000 Punkten zu erklimmen. 

Sollte dem Dax dazu dennoch die Kraft fehlen und er wieder unter 18.500 abrutschen, liegt zwischen 18.200 bis hinab auf 17.400 eine breite Unterstützungszone, die den generellen Aufwärtstrend sichert. Und dass die 200-Tagelinie erst bei 16.700 verläuft, kennzeichnet die aktuelle Marktverfassung zwar als kurzfristig leicht überhitzt, ist aber vor allem ein wichtiges Polster gegen eventuelle Schwächeanfälle. 

Lesen Sie auch: Wette auf 20.000 Punkte im Dax

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