US-Wahlen 2024: Jetzt überholt Trump Biden auch noch bei den Spendern
Trump nimmt sammelt im April und Mai mehr Spenden als Biden für seinen Wahlkampf
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Gute Nachrichten sind derzeit selten für Joe Biden. Seit dem desaströsen Auftritt des US-Präsidenten bei der TV-Debatte gegen Donald Trump in der vergangenen Woche, steht der 81-Jährige in der Kritik. Einflussreiche Kommentatoren wenden sich von ihm ab, zuletzt meldeten erste Parteifreunde auch öffentlich Zweifel daran an, ob Biden wirklich im August zum Kandidaten der Demokraten bestimmt werden sollte. Deshalb dürfte die Erleichterung in der Wahlkampfzentrale groß gewesen sein, als das Team die neuen Spendenzahlen veröffentlichen konnte. Den diese geben der Kampagne etwas, das sie gerade dringend braucht: Hoffnung.
Stolze 127 Millionen Dollar hat Biden allein im Juni für seinen offiziellen Wahlkampf eingesammelt – mehr als in jedem anderen Monat. Und: Nach der Debatte nahm das Spendenaufkommen zu, nicht ab. Zwischen dem Auftritt am vergangenen Donnerstag und dem Monatsende am Sonntag spülten Spender rund 38 Millionen Dollar in Bidens Kasse. 30 Millionen kamen von Kleinspendern, die Beträge unter 200 Dollar überwiesen.
Solche Unterstützer sind für Kampagnen besonders wichtig, denn sie können mehrfach spenden, bis sie das staatliche Limit von 3300 Dollar erreichen und bilden so eine belastbare finanzielle Basis für den Wahlkampf. Im zweiten Quartal habe man mehr als 864.000 neue Kleinspender gewonnen, teilte die Kampagne dann auch entsprechend stolz mit. Die Debatte, so das Signal, habe Biden an der Basis also nicht fundamental geschadet.
Die Finanzen waren bislang ein großer Vorteil des Präsidenten gegenüber seinem Herausforderer. Noch im April, als die Kampagnen zuletzt ihre Quartalszahlen veröffentlichten, lag Biden weit vor Trump, insbesondere in der entscheidenden Kategorie Cash-on-Hand, also verfügbares Geld, das ausgegeben werden kann. Doch seitdem hat sich das Bild gewandelt. Trump hatte im April und Mai zwei hervorragende Spendenmonate, nahm erstmals mehr ein als Biden. Insbesondere seine Verurteilung vor einem New Yorker Gericht trieb ihm neue Spender zu.
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Damit liegt der Republikaner finanziell jetzt vorne. Im zweiten Quartal nahm er 331 Millionen Dollar ein, verfügt über 284,9 Millionen Dollar in liquiden Mitteln. Daran konnte für Biden auch der gute Juni nichts ändern. Insgesamt nahm der Präsident im zweiten Quartal 264 Millionen Dollar ein und hat 240 Millionen Cash-on-Hand.
Diese Zahlen sind nur ein Schlaglicht – und sie zeigen nicht das ganze finanzielle Bild des Wahlkampfs. Großspender, die mehr geben wollen als die staatlich erlaubten 3300 Dollar, schreiben üblicherweise Schecks an sogenannte Super PACs, formal unabhängige Spendenvehikel, die ihr Geld rechtlich nicht in Abstimmung mit dem Kandidaten ausgeben dürfen. Diese Super PACs sind es, die das Geld von den prominenten Milliardären einsammeln. Und wieviel sie eingenommen haben, ist derzeit noch unter Verschluss – für PACs gelten andere Veröffentlichungszeiträume als für Kampagnen.
Joe Biden will Geldgeber beruhigen
Auch wer genau wieviel gegeben hat, lässt sich derzeit offiziell nicht nachvollziehen. Entsprechende Berichte an die Wahlkommission FEC sind erst nach der Abstimmung im November fällig.
Trotzdem dürfte Bidens Team sehr genau im Blick haben, was sich auf der Seite des Super PACs tut. Denn wenn die demokratischen Großspender den Kandidaten nicht mehr unterstützen, dann wird es im Wahlkampf schwierig. Trump konnte in den vergangenen Monaten Zusagen über Zuwendungen in Millionenhöhe für seine Super PACs einsammeln.
Auch Biden nahm große Summen ein. Doch sollten die demokratischen Spender den Geldhahn zudrehen, dann wird es für den Amtsinhaber schwierig. Denn angesichts der Beträge, die notwendig sind, um in den USA eine Präsidentschaftswahl zu gewinnen, kann es sich Biden nicht erlauben, hier zu schwächeln. Eine Analyse von AdImpact kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass das Rennen ums Weiße Haus in diesem Jahr rund 2,7 Milliarden Dollar allein an Werbekosten verursacht – mehr als jemals zuvor. Brechen die Zuwendungen der Großspender ein, wäre die Wahl für Biden kaum noch zu gewinnen.
Am Montag setzte das Wahlkampfteam des Präsidenten deshalb bereits einen Zoom-Call mit Großspendern auf, um die Lage zu beruhigen. „Es war Schadensbegrenzung“, zitiert Axios einen Teilnehmer. In Panik sei niemand ausgebrochen. Doch das könnte sich angesichts der jüngsten Medienberichte noch ändern. „Bidens Aussetzer sollen immer häufiger vorkommen und besorgniserregend sein“, titelte zuletzt etwa die „New York Times“. Entsprechend bemüht ist der Präsident, seine Geldgeber zu beruhigen. Bei einer Spendenveranstaltung am gestrigen Dienstag entschuldigte er sich zunächst für seinen Auftritt und betonte dann, wie wichtig es sei, die Wahl im November zu gewinnen. Viele Geldgeber wollen Medienberichten zufolge jedoch erst einmal abwarten, wie sich die Umfragen entwickeln, bevor sie frisches Geld nachschieben.
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Zumindest an dieser Front sind für Biden bislang größere Katastrophen ausgeblieben. Durchschnittlich einen Prozentpunkt hat der Präsident in den Umfragen bislang verloren. Da er schon vor der Debatte im Aggregat hinter Trump lag, ist das keine gute Entwicklung, aber eben auch kein Absturz. „Ich gehe davon aus, dass seine Chancen im November immer noch 50:50 stehen“, so ein demokratischer Stratege. Und ob ein anderer Kandidat besser Karten hätte, sei alles andere als sicher.
Doch Biden scheint zu wissen, dass er jetzt liefern muss. Zuletzt hat sein Team neue Auftritte in den wichtigen Swing States Pennsylvania und Wisconsin angekündigt. Am Freitag lässt er sich von dem Fernsehsender ABC interviewen, beim NATO-Gipfel in der kommenden Woche will er eine Pressekonferenz abhalten.
Das Ziel: Der Öffentlichkeit versichern, dass er den Job des Präsidenten ausfüllen kann – um so Donald Trumps Momentum zu stoppen, das sich in den kommenden Tagen angesichts der anstehenden Benennung seines Kandidaten für das Amt des Vize-Präsidenten und des Republikanerparteitags Mitte Juli zunächst nur beschleunigen dürfte.
Der Druck auf Biden ist also enorm. Denn einen weiteren Fehltritt kann er sich nicht erlauben.
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