US-Wahlen 2024: Das ist Joe Biden: Alles über den amtierenden US-Präsidenten
US-Präsident Joe Biden: Wird er erneut US-Präsident?
Foto: APUS-Präsident Joe Biden will bei der Wahl im November nicht länger für eine zweite Amtszeit antreten und hat seine Stellvertreterin Kamala Harris als Ersatzkandidatin vorgeschlagen. Obwohl es seine Absicht gewesen sei, sich um eine Wiederwahl zu bemühen, glaube er, dass es im besten Interesse seiner Partei und des Landes sei, wenn er sich zurückziehe und ausschließlich auf sein Amt konzentriere, schrieb der Demokrat in einer Erklärung.
Biden war nach einem desaströsen Auftritt bei einem Fernsehduell gegen den Ex-Präsidenten Trump Ende Juni extrem in die Kritik geraten. Während des Schlagabtauschs verhaspelte sich der mächtigste Mann der Welt regelmäßig, verlor den Faden, starrte mit offenem Mund ins Leere und konnte häufig seine Sätze nicht richtig beenden. Schon vorher hatte es innerhalb der Demokratischen Partei und in der Bevölkerung wegen Bidens Alter Vorbehalte gegen seine Wiederwahlambitionen gegeben. Denn der amtierende Präsident stellt vor allem mit seinem Alter einen Rekord auf: Im November wird der 82 Jahre alt. Wäre Biden zu Wahl angetreten und wiedergewählt worden, wäre er beim Ausscheiden einer zweiten Amtszeit 86 Jahre alt – und damit der älteste US-Präsident in der amerikanischen Geschichte.
Doch nach dem Duell entflammte die Debatte über die Eignung des Bidens als Präsidentschaftskandidat der Demokraten in ganz neuem Ausmaß - und in aller Öffentlichkeit. Nach der Debatte hatten sich Bidens Umfragewerte noch mal deutlich verschlechtert. Und in seiner eigenen Partei wagten sich einer nach dem anderen vor, um öffentlich Bidens Rückzug aus dem Rennen um die Präsidentschaft zu fordern. Der Präsident selbst versuchte zunächst, sich herauszureden. Seinen schwachen Auftritt begründete er mit Müdigkeit in Folge anstrengender Auslandsreisen. Er habe nicht aus seine Berater gehört und sich übernommen. Bei diversen Auftritten gab er sich trotzig und versicherte ein ums andere Mal, er werde sich nicht zurückziehen. Doch es folgten weitere Patzer. Und am Ende wurde der Druck aus den eigenen Reihen zu groß.
Geboren wurde Joseph (Joe) Roberts Biden am 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania. Er ist der älteste von vier Geschwistern aus einer katholischen Familie aus der Mittelschicht. Biden absolvierte einen Bachelor in Geschichte und Politik und studiere ab 1964 Rechtswissenschaften an der Universität in Syracuse. 1966 heiratete er seine erste Frau Neilia Hunter, mit der er drei Kinder bekam. Nach sechs Jahren Ehe kam es zu einem tragischen Unglück: Bidens Frau und seine einjährige Tochter kamen bei einem Verkehrsunfall ums Leben, seine beiden Söhne überlebten den Unfall. 1977 heiratete Biden seine zweite Frau, die Lehrerin Jill Tracy Jacobs, mit der er eine Tochter hat.
Joe Biden: Das ist seine politische Karriere
Bidens politische Karriere begann schon 1970, als er in sein erstes politisches Amt, dem New Castle County Council, gewählt wurde. Nur drei Jahre später zog er als einer der damals jüngsten Senatoren in den US-Kongress, wo er später unter anderem Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Beziehungen war. In dieser Rolle sprach er sich 1991 gegen den Irak-Krieg aus, aber auch für die NATO-Intervention in Bosnien-Herzegowina Mitte der 1990er Jahre, die NATO-Erweiterung und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution, lehnte aber 2007 eine Aufstockung des US-Militärs im Irak ab. Neben dem Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten war Biden 1987 bis 1995 Vorsitzender des Justizausschusses. Insgesamt hat Biden in seinen sieben Amtszeiten als Senator des Bundesstaates Delaware 42 Gesetzesinitiativen erfolgreich in den Senat eingebracht.
US-Wahlen 2024:
2009 zog Biden unter US-Präsident Barack Obama als Vizepräsident ins Weiße Haus ein. In dieser Zeit war er maßgeblich an den Entscheidungen über die Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise beteiligt und erarbeitete ein großes Infrastrukturpaket, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise abzumildern. 2012 gewannen Obama und Biden die Wahl erneut und gingen in ihre zweite gemeinsame Amtszeit. Hier profilierte Biden sich in erster Linie als Unterstützer Obamas.
Joe Biden: Seine erste Präsidentschaft
Am 25. April 2019 kündigte Joe Biden seine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2020 an. Er galt lange als klarer Favorit im großen Bewerberfeld der Demokraten um die Nominierung und setzte sich gegen seinen größten Herausforderer Bernie Sanders als Präsidentschaftskandidat der Demokraten durch. Joe Biden ging mit Kamala Harris als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin in den Wahlkampf, so wurde sie die erste Frau auf dem Posten: Ihr Gegner in diesem Jahr: Donald Trump. Biden und Harris konnten sich gegen ihn erfolgreich durchsetzen.
Von seinem Vorgänger erbte Biden ein erschöpftes und aufgewühltes Land: Der Sturm aufs Kapitol, die Corona-Krise, eine knappe Mehrheit im Kongress und der nahende Abzugstermin der Truppen aus Afghanistan. Mit dem Slogan „Build back better“ kündigte er zudem eine Transformation des Landes nach Trump an.
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So senkte Biden in den vergangenen Jahren die Arbeitslosigkeit in den USA auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren, holte Zukunftstechnologien ins Land, indem er mit 52 Milliarden Dollar und dem US Chips and Science Act der einheimischen Chip-Industrie unter die Arme griff um die Halbleiterproduktion anzukurbeln und trieb den Klimaschutz maßgeblich voran. Mit dem Inflation Reduction Act verabschiedete er im August 2022 außerdem ein milliardenschweres Investitions- und Steuerprogramm.
Negativ schlägt in Bidens Bilanz zu Buche, dass er viele seiner Gesetzesvorhaben nicht wie angekündigt in die Tat umsetzen konnte: Der erweiterte Steuerfreibetrag für Kinder wurde nicht verlängert, das Programm für Studienkredite auf Eis gelegt, auch eine Polizeireform stockte. Vor allem aber schaffte Biden es nicht, ein landesweites Recht auf Abtreibung zu ermöglichen.
Der Sohn von Joe Biden, Hunter Biden, wurde im Juni im Zusammenhang mit einem Waffenkauf für schuldig befunden. So sahen es die Geschworenen als erwiesen an, dass Hunter Biden im Oktober 2018 auf einem Formular über seinen Drogenkonsum gelogen hatte. Mit dem Urteil wurde zum ersten Mal der Sohn eines amtierenden US-Präsidenten verurteilt.
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