Demokratieindex: Wie entwickelt sich die Demokratie weltweit?
Der Demokratieindex misst den Zustand der Staatsform in der Welt.
Foto: dpaIn den USA herrscht Präsidentschaftswahlkampf – und die Rufe nach einem Rücktritt von US-Präsident Joe Biden häufen sich im demokratischen Lager. Nach einem misslungenen TV-Duell gegen Donald Trump und mehreren Versprechern im Zuge des Nato-Gipfels in Washington sind viele Amerikaner besorgt um Bidens Gesundheit und damit um die Demokratie im Land. Im Demokratieindex des britischen Magazins „Economist“ für das Jahr 2023 rangieren die USA auf Platz 29 als „mangelhafte Demokratie“. Was bedeutet das?
Was ist der Demokratieindex?
Jährlich bewertet die Economist Intelligence Unit (EIU), eine Analysefirma des Magazins „Economist“, den Zustand der Demokratie in 165 Staaten und zwei Territorien. Der Index bewertet fünf Kategorien:
- Wahlprozess und Pluralismus
- Funktionsweise der Regierung
- Politische Beteiligung
- Politische Kultur
- Bürgerliche Freiheiten
Jede dieser Kategorien erhält eine Bewertung, die auf Umfragedaten und Experteneinschätzungen basiert. Darauf aufbauend werden die Länder in „vollständige Demokratien“, „mangelhafte Demokratien“, „hybride Regime“ und „autoritäre Regime“ eingestuft.
Stabile Demokratien: Skandinavien an der Spitze
Seit Jahren gelten skandinavische Länder als die stabilsten Demokratien. Norwegen führt erneut die Rangliste für 2023 an, gefolgt von Neuseeland, Island und Schweden. Acht der ersten zehn Plätze werden von westeuropäischen Ländern belegt. Westeuropa ist somit die bestplatzierte Region und die einzige, die einen Anstieg ihres Indexwerts verzeichnete.
Top 10 Länder im Demokratieindex 2023
- Norwegen (9,81)
- Neuseeland (9,61)
- Island (9,45)
- Schweden (9,39)
- Finnland (9,30)
- Dänemark (9,28)
- Irland (9,19)
- Schweiz (9,14)
- Niederlande (9,00)
- Taiwan (8,92)
Quelle: Demokratieindex 2023
Griechenland heben die Studienautoren als positives Beispiel hervor, das Land ist zur „vollständigen Demokratie“ aufgestiegen. Dies wird auf verstärkte politische Teilhabe und das Engagement der Bürger nach diversen Krisen zurückgeführt.
Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch einen weltweiten Rückgang der Demokratie: Der Durchschnittswert sank von 5,29 auf 5,23, ein neuer Tiefstand seit 2006. Chile, Niger, Gabun, Sierra Leone und Mali verzeichnen starke Rückgänge, der Sudan fällt sogar um 14 Plätze zurück.
Deutschland im Demokratie-Ranking
Deutschland klettert um zwei Plätze auf Rang zwölf, allerdings ohne Verbesserung des eigenen Indexwerts. Vor allem in der Kategorie „Wahlprozess und Pluralismus“ schneidet Deutschland gut ab. Mängel zeigen sich in der „politischen Kultur“, was mitunter das Vertrauen und die Verbundenheit der Bürger mit den demokratischen Institutionen betrifft. Laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends von Juli machen sich 69 Prozent der Deutschen große bis sehr große Sorgen um die Demokratie.
Herausforderungen moderner Demokratien
Die Studie kritisiert, dass Demokratien weder innere Konflikte noch globale Kriege verhindern können. Demnach untergraben Kriege in Afrika, Europa und dem Nahen Osten die Chancen auf einen politischen Wandel hin zu einer globalen demokratischen Ordnung. Der Verlust der Vorherrschaft der USA und der wachsende Einfluss Chinas und anderer aufstrebender Mächte würden die internationale Ordnung zusätzlich destabilisieren.
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