1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. BASF: Das sind die vier Baustellen des Chemiekonzerns

ChemiekonzernDas sind die vier Baustellen der BASF

Der neue Konzernchef Markus Kamieth soll den Chemiekonzern aus der Krise führen. Seine Agenda hat Vorgänger Martin Brudermüller weitgehend gesetzt – ob sie die Probleme des Konzerns löst, muss sich erst noch zeigen.Nele Antonia Höfler 27.07.2024 - 08:32 Uhr

Blick auf BASF in Ludwigshafen.

Foto: imago images

Martin Brudermüllers Nachfolger, der neue BASF-Chef Markus Kamieth, soll das Unternehmen nun raus aus der Krise hin zu Gewinnwachstum und besseren Renditen führen. Am Freitag präsentierte er erstmal die Quartalszahlen der BASF. Der Umsatz schrumpfte in drei Monaten bis Ende Juni im Jahresvergleich um 6,9 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Freitag in Ludwigshafen mitteilte.

Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) legte leicht um 0,9 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro zu. Hier profitierte der Konzern von seinem Sparkurs. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Gewinn von 430 Millionen Euro – nach 499 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Die Ziele für 2024 bestätigte der Chemiekonzern. BASF peilt ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen zwischen 8,0 und 8,6 Milliarden Euro an.

Markus Kamieth, Vorstandsvorsitzender BASF SE, bei der Hauptversammlung im April 2024 im Rosengarten Mannheim.

Foto: imago images

Brudermüller hat sich im Frühjahr mit schwachen Zahlen für das erste Quartal aus dem Unternehmen verabschiedet. Schuld konnte man ihm hierfür nur bedingt zuweisen. Er fungierte in seinen sechs Jahren als Vorstandsvorsitzender hauptsächlich als Krisenmanager: Erst der Konjunktursturz 2019, dann die Coronapandemie, später der Ukrainekrieg und die darauffolgende Energiekrise – sie alle setzten dem Konzern hart zu.

Wie Kamieth die Krise überwinden will, hat der neue Konzernvorstandsvorsitzende noch nicht konkret gesagt. Ein Strategieupdate hat der Manager für den 26. September im Rahmen des Capital Market Days angekündigt. Kamieths Agenda ist jedoch weitgehend durch Entscheidungen seines Vorgängers gesetzt. Das sind die vier Baustellen der BASF, die Kamieth in seinem ersten Jahr im Amt angehen muss:

1. Überarbeitung der Batteriestrategie

Die Ambitionen der BASF in der Batteriechemie waren groß: Bis 2030 wollte BASF weltweit führend in dem Geschäft mit Kathodenmaterialien werden. Sie sind entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Batterien für E-Autos. Die Hoffnung: Mit Margen von 30 Prozent könnte die Geschäftssparte zum neuen Gewinntreiber des Konzerns werden. Rund sieben Milliarden Euro Umsatz hat BASF mit dem Geschäft angepeilt – zum Ende des Jahrzehnts. Ob das noch aktuell ist, wird sich Freitag zeigen.

Chemiekonzern

BASF mit weniger Quartalsumsatz – Konzern legt Batterie-Projekt auf Eis

Seit der Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges ist der Chemiekonzern BASF in schwierigem Fahrwasser. Das Unternehmen steuert um. Zuletzt kam ein Problem hinzu.

Inzwischen nämlich bekam die anfängliche Überschwänglichkeit einen herben Dämpfer: „Zukünftige Investitionen werden im aktuellen Marktumfeld kritischer geprüft und neu bewertet“, teilte das Unternehmen der WirtschaftsWoche vor wenigen Wochen mit. Nachdem staatliche Förderprogramme teils drastisch gekürzt wurden, brach die Nachfrage nach E-Autos in den vergangenen Monaten in vielen wichtigen EU-Märkten ein.

Am Freitag verkündete Kamieth, neue Kapazitäten würde BASF nur dort schaffen, wo der Konzern längerfristige Abnahmeverträge mit etablierten Zellherstellern abgeschlossen habe. Das groß angelegte Metallraffinerieprojekt für Batterierecycling am spanischen BASF-Standort Tarragona werde das Unternehmen pausieren. „Wir sind bereit zu starten, sobald in Europa der Aufbau von Zellkapazitäten und die Verbreitung von Elektroautos wieder in Schwung kommen.“

BASF sei zuversichtlich, dass sich der Trend zu Elektrofahrzeugen fortsetze und dass Batteriematerialien weiterhin eine bedeutende Wachstumschance für die chemische Industrie darstellen werde, betonte Kamieth. „Gleichzeitig ergreifen wir Maßnahmen, um das Risiko im derzeit unsicheren Marktumfeld weiter zu verringern.“

Erste Konsequenzen hatte Kamieth schon vor einigen Wochen gezogen: Vor zwei Wochen verkündete BASF, den Plan einer eigenen Produktionsanlage für Nickel-Kobalt – gemeinsam mit dem französischen Bergbaukonzern Eramet – nicht weiter zu verfolgen. Mit der Investition wollte sich BASF einen eigenen Zugang für die Rohstoffversorgung seiner Batterieproduktion schaffen. Das ist nun nicht länger nötig

2. Die Zukunft der Verbundstruktur

Jahrelange nannte BASF die Perfektionierung ihres Verbundsystems als Erfolgsrezept. Die Idee: Aus dem Abfallprodukt eines Verfahrens wird der Ausgangsstoff für ein neues Produkt. Auf dem zehn Quadratkilometer großen BASF-Werksgelände in Ludwigshafen entstehen in diesem Kreislauf Elektronikchemikalien, Vitamine, Kohlenstoffdioxid und vieles mehr. Das erübrigt viele Transporte und spart Energie.

Mittlerweile aber muss sich das Management eingestehen, dass nicht mehr alle Geschäfte in den Konzernverbund passen. Brudermüller kündigte als eine  seiner letzten Amtshandlungen deshalb eine Neuausrichtung an. Drei Segmente werden aus dem Verbund herausgelöst und sollen als eigenständige Unternehmen innerhalb der BASF-Gruppe individuell geführt werden. Betroffen sind das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutz, die Batteriechemie und die Lacksparte (Coatings).

Transformation

Die Probleme der BASF spiegeln den Zustand Deutschlands

Bei BASF bündeln sich die Probleme des Standorts Deutschland: hohe Energiepreise, Abhängigkeit von China – und eine Transformation, die nicht so läuft wie geplant. Welche Zukunft hat die Industrie in unserem Land?

von Nele Antonia Höfler, Hendrik Varnholt, Jürgen Salz und weiteren

Die Produkte werden nicht in Ludwigshafen hergestellt. Die erste große Anlage für Batteriestoffe hat das Unternehmen im Juni in Schwarzheide nördlich von Dresden eröffnet. Der Unternehmensbereich Coatings, also Lacke und Beschichtungen, hat seinen Hauptsitz in Münster. Limburgerhof in Rheinland-Pfalz ist das Zentrum der weltweiten Pflanzenschutz- und Saatgutaktivität.

3. Update zur Dividendenpolitik

BASF gilt als Dax-Konzern mit den meisten privaten Kleinanlegern in Deutschland. Sie messen den Erfolg ihres Konzerns an dessen Dividende. Bislang gilt bei BASF: Den Aktionären wird jedes Jahr eine steigende Dividende gezahlt. In schwierigen Jahren wird die Summe konstant gehalten. Brudermüller hat das in den vergangenen Jahren geschafft – trotz aller Krisen.

Beobachter aber bezweifeln, dass BASF dieses milliardenschwere Versprechen in diesem Jahr wie in den kommenden Jahren halten kann. Der Konzern muss hohe Investitionen schultern – vor allem für den neuen Verbundstandort in China, der insgesamt zehn Milliarden Euro kostet. Im laufenden Geschäftsjahr wird der Höhepunkt der Abflüsse für den Bau erreicht. Weitere Milliardenbeträge sollen in die Produktion von Batteriematerial fließen. BASF dürfte deshalb kaum freier Cashflow zur Verfügung stehen. Analysten und Aktionäre warten deshalb mit Spannung auf eine Ankündigung dazu, wie Kamieth die Dividendenpolitik handhaben will.

4. Sparmaßnahmen und Anlagenschließungen

Der BASF-Heimatstandort Ludwigshafen schreibt seit Jahren rote Zahlen, während andere Regionen deutlich profitabler sind. Ex-CEO Martin Brudermüller reagierte bereits im Herbst 2022 mit der Ankündigung von Sparmaßnahmen inklusive Stellenabbau und Anlagenschließungen. Bis Ende 2026 will BASF insgesamt 2,1 Milliarden Euro einsparen.

Neuer BASF-Chef

Kann der Neue BASF aus der Krise führen?

Anders als sein Vorgänger gilt der neue BASF-Chef Markus Kamieth nicht als großer Redner, dafür als kühler Kopf. Reicht das, um den Konzern aus der Krise zu holen?

von Nele Antonia Höfler

Kurz vor seinem Amtsende musste Brudermüller das Sparprogramm weiter verschärfen. Der Konzern stellt seither eigenen Aussagen zufolge jedes Projekt auf den Prüfstand. Allein die Investitionen in China und in das Batteriegeschäft wurden von dieser Prüfung ausgenommen. Zudem entschied Brudermüller, weitere Anlagen in energieintensiven Bereichen zu schließen.

Die beiden als erstes betroffenen Anlagen nannte Kamieth vor wenigen Wochen: BASF schließt die Produktion eines Pflanzenschutzwirkstoffs an den Standorten Frankfurt und Knapsack bei Köln. Ende 2024 soll die Fertigung dort enden. 300 Arbeitsplätze werden ab 2025 schrittweise abgebaut.

Ob es für BASF schnell wieder bergauf geht, liegt jedoch nicht ausschließlich in den Händen des neuen Konzernchefs. Das hängt auch davon ab, wie sich die Rahmenbedingungen für die zuletzt krisenbedingt angeschlagene Branche entwickeln. Das Ifo-Institut hatte kürzlich ein verbessertes Geschäftsklima in den Chemie-Unternehmen festgestellt. Dessen Angaben zufolge planten die ersten Firmen für die nächsten Monate bereits mit steigenden Verkaufspreisen.

Die Freude darüber währte aber nicht lange, das Klima verschlechterte sich im Juni unerwartet wieder. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen rutschten in den negativen Bereich. Die Nachfrage ist wieder zurückgegangen, der Auftragsbestand eingebrochen. „Der Aufwärtstrend in der deutschen Chemiebranche ist somit unterbrochen“, sagte ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

„Von einem kräftigen Aufschwung sind wir immer noch meilenweit entfernt“, kommentierte am Freitag auch VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Laut Branchenverband VCI seien insbesondere die Inlandsumsätze und die Verkäufe in die europäischen Nachbarstaaten enttäuschten. Die industriellen Kunden auf dem wichtigsten Markt für die deutsche Chemie hielten sich zuletzt mit Bestellungen zurück, weil viele Branchen ihre Produktion drosselten.

Lesen Sie auch: BASF rudert bei E-Auto-Batterien zurück

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick