Chemiebranche: Das ist der neue BASF-Chef Markus Kamieth
BASFs Asienchef Markus Kamieth wird neuer Vorstandsvorsitzender.
Foto: PRMarkus Kamieth ist ein BASF-Eigengewächs, wie es im Buche steht: Der Manager war noch nie bei einem anderen Unternehmen angestellt. Seit 24 Jahren arbeitet er für den weltgrößten Chemiekonzern – von überall auf der Welt: Für BASF zog der 53-Jährige nach Pennsylvania, North Carolina, New Jersey, später ins nordrhein-westfälische Münster, seit 2020 hat er seinen Dienstsitz in Hongkong, von wo er das Asiengeschäft leitet.
Vergleichsweise selten haben die Arbeitnehmer am BASF-Stammsitz Ludwigshafen das Vorstandsmitglied in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. Im April steht der nächste Umzug an: Nach der Hauptversammlung am 24. April 2024 bezieht Kamieth das Chef-Büro der BASF. Dann wird der Manager den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Martin Brudermüller ablösen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Brudermüller war seit 2018 Vorstandschef. Nach seinem Abschied bei BASF wird der Manager den Mercedes-Benz-Aufsichtsrat führen. Vor ihm gab es zehn Vorstandsvorsitzende bei BASF – allesamt Männer seit der Gründung des Chemiekonzerns durch Friedrich Engelhorn 1865.
Kamieth wurde lange als Favorit gehandelt. Technologiechefin Melanie Maas-Brunner, die auch Arbeitsdirektorin und Standortleiterin für das Stammwerk Ludwigshafen ist, galt bislang jedoch als ernst zu nehmende Konkurrentin. Statt dem Vorstandsvorsitz wird sich die Managerin nun neuen beruflichen Herausforderungen widmen, wie es in der Pressemitteilung des Konzerns heißt. Ihren bis Ende Januar 2024 laufenden Vertrag wolle die Managerin nicht verlängern. „Ich habe schon vor einigen Monaten die Entscheidung getroffen, meinen Vorstandsvertrag nicht zu verlängern und mich beruflich neu zu orientieren“, schreibt Maas-Brunn dazu auf dem Karrierenetzwerk Linkedin.
Maas-Brunner ist bereits die zweite Frau im Vorstand, die BASF innerhalb eines Jahres verliert. Im Februar bereits hatte Saori Dubourg das Unternehmen verlassen, die ebenfalls lange als mögliche Anwärterin für die Nachfolge von Martin Brudermüller galt. Maas-Brunners Aufgaben im Vorstand übernimmt künftig Katja Scharpwinkel, die bisher bei BASF die Region Europa leitet.
Düstere Aussichten
Im Frühjahr noch hatte Brudermüller gehofft, das Staffelholz in ruhigem Fahrwasser zu übergeben. Das Gegenteil ist nun der Fall: Der scheidende CEO hinterlässt das Unternehmen in Zeiten tiefer Krisen. Die Konjunktur ist mau, die Nachfrage schwach, die Kosten hoch und die Erwartungen für das kommende Jahr gering. Gleichzeitig befindet sich der Konzern inmitten seiner Transformation und milliardenschweren Investments – unter anderem in die Dekarbonisierung und das Batteriegeschäft, vor allem aber in China, wo BASF für rund zehn Milliarden Euro einen neuen Verbundstandort baut.
Politisch ist das Projekt höchst umstritten. Brudermüller musste es in den vergangenen Jahren immer wieder lautstark verteidigen, künftig fällt das in die Verantwortung von Kamieth. Kamieth gilt als enger Vertrauter von Brudermüller. In wichtigen Punkten sind sich die beiden einig. Dazu gehören allem voran die Wachstumspläne in China. Beide vertreten das Credo: Die Chancen sind größer als die Risiken. Und: Das Risiko, nicht in China zu investieren, sei höher, als zu investieren. Laut Experten nämlich sollen bis 2030 zwei Drittel des Wachstums in der Chemie aus China kommen.
Lesen Sie auch: Diese 6 Grafiken sollen belegen, dass die Chemiebranche Staatshilfe braucht
Ansonsten aber gelten die beiden Männer als grundverschieden. Personen, die Kamieth kennen, beschrieben den Manager als ruhigen, unaufgeregten und sachlichen Gesprächspartner. Kamieth ist nicht als großer Redner, dafür als umso besserer Zuhörer bekannt. Als einer, der sich Gegenargumente gut anhört und sich auch schon mal umstimmen lässt. Vielleicht etwas langweilig, vielleicht etwas zurückhaltend, beides, so wird von seinen Gesprächspartnern versichert, sei jedoch nicht negativ gemeint.
Einiges geben auch Kamieths Social-Media-Kanäle preis: Der Manager ist verheiratet, hat keine Kinder, ist großer Hundefreund und verbringt seine Freizeit am liebsten auf dem Mountainbike. Dabei hält der Manager, so schreibt er es im Frühjahr auf dem Berufsnetzwerk Linkedin, nur wenig vom Begriff Work-Life-Balance. Er setze stattdessen auf „Work-Life-Synergie“. Wie so eine Synergie aussieht, präsentiert der Manager auf Instagram. Es sind demnach vor allem die kleinen Dinge, die Kamieth zwischendurch Freude bereiten: ein guter Café nach dem Mittagessen, ein kühles Bier nach Feierabend, der Tau auf den Wiesen im Wintermorgen auf dem Weg zum Büro oder auch die Sonnenuntergänge zwischen den Hochhäusern in Hongkong – die Kamieth häufig aus dem Fenster im Büro genießt.
Früh übt sich
Ein Blick auf die derzeitigen Zuständigkeitsbereiche des Managers verrät: Kamieth dürfte angesichts der Arbeitsbelastung nichts anderes übrig bleiben, als auf Synergie zwischen Arbeit und Privatleben zu setzen. Neben dem Asiengeschäft verantwortet der Manager auch die Geschäftsbereiche Lacke und Beschichtungen sowie Katalysatoren.
Der Manager hat schon früh gelernt, für BASF zurückzustecken. Als sich der junge Kamieth 1999 bei der BASF bewarb, hatte der frisch Promovierte bereits ein Forschungsstipendium von IBM in Kalifornien in der Tasche. In seiner Bewerbung an BASF schrieb er, er wolle gerne reisen. Von BASF erhielt er daraufhin ein Angebot für eine Stelle in Ludwigshafen zum sofortigen Antritt. Kamieth verzichtete auf das Stipendium und stieg stattdessen bei BASF in Ludwigshafen in der Forschungsabteilung ein.
Zum beruflichen Reisen kam der Manager erst 2005, als er als Vorstandsassistent in das operative Geschäft in die USA wechselte. Als Sanjeev Gandhi, BASFs ehemaliger Asienchef das Unternehmen im Winter 2019 verließ, sprang Kamith ein und pendelte anschließend zwischen Asien und Europa. Das wurde für den Manager in der Coronapandemie zur Herausforderung: Viele Male nahm Kamieth für BASF wochenlange Quarantänen bei der Einreise nach China in Kauf.
Jetzt wird Markus Kamieth für seine jahrelange Loyalität belohnt.
Lesen Sie auch: Was hinter dem BASF-Konzernumbau steckt