„Immo Tommy“: Wie, Finanz-Influencer bieten gar keine unabhängige Anlageberatung?

Finfluencer Immo Tommy.
Foto: WirtschaftsWocheIn einem Land, in dem die Leute ihr Geld vor allem auf zinslosen Girokonten herumdümpeln lassen, sollte es doch eigentlich ein Grund zur Freude sein, dass das Interesse an Finanzinhalten zunimmt. Auf Instagram, TikTok und Co. informieren sich Millionen oft junger Anleger und Sparer über Geldanlagen. Die Nachfrage kurbelt das Geschäft von sogenannten Finfluencern an, also Influencern, die in den sozialen Netzwerken über Aktien, Immobilien und allem Möglichen rund ums Thema Vermögensaufbau sprechen. Nur: Manchmal vernichten ihre Ratschläge eben auch Vermögen.
Das bekamen offenbar einige Anleger zu spüren, die dem Finfluencer Immo Tommy folgen. Seinen rund zwei Millionen Followern auf Instagram und TikTok erklärt Tomislav Primorac, wie er eigentlich heißt, was die Grunderwerbsteuer ist und wie eine Immobilienfinanzierung funktioniert. Hinter Immo Tommy steckt aber auch ein Vertriebsnetzwerk, das Immobilien an private Investoren vermittelt.
Nun haben Recherchen vom „Spiegel“ und dem „Norddeutschen Rundfunk“ ergeben, dass die Immobilien in einigen Fällen in einem schlechten Zustand waren und zu teuer verkauft wurden. Am Dienstag räumte Immo Tommy in einem Statement Fehler ein und kündigte an, sich von einigen Geschäftspartnern zu trennen.
Klar, viele Finfluencer leisten einen Beitrag zur Finanzbildung in Deutschland und haben mitunter sicherlich dazu beigetragen, dass sich die Aktienkultur verbessert. Doch nicht alle Finfluencer sind seriös. Der Fall Immo Tommy offenbart die möglichen Risiken des Finfluencer-Booms.
Finfluencer leben nicht von Luft und Liebe. Für sie steckt hinter den oft lockeren Videos ein Geschäft, und zwar ein lukratives. In keinem anderen Segment verdienen Influencer so viel wie bei Finanzen – nicht nur Werbeeinnahmen, sondern auch über Provisionen. Sie teilen unter ihren Beiträge sogenannte Affiliate-Links, also Werbelinks, die direkt auf die Internetseiten von Finanzdienstleistern führen. Klickt ein Nutzer auf diesen Link und schließt beispielsweise ein Depot ab, fließen gerne mal 80 Euro aufs Konto des Finfluencers.
Scharlatanerie der Finfluencer: Vorsicht ist oberstes Gebot
Viele Finfluencer haben solche Werbepartnerschaften mit seriösen Anbietern wie der Börse Stuttgart, der Consorsbank oder Trade Republic abgeschlossen und machen dies transparent. Andere hingegen leiten ihre Follower auf Plattformen, auf denen mit gehebelten Derivaten gehandelt wird. Dass das hochspekulativ und nur was für erfahrene Anleger ist, scheint einige Finfluencer nicht zu stören. Solange das Geld stimmt, führen sie ihre Follower auch mal in dubiose Geschäfte. Vor allem einige Krypto-Influencer stechen hier negativ heraus. Lange haben große Accounts ihre Gefolgschaft zum Beispiel zur späteren Skandal-Kryptobörse FTX geleitet.
Wie also lässt sich das Problem anpacken? Da sind zum einen regulatorische Ansätze. Finfluencer dürfen keine Anlageberatung machen. Das zu bewerten, dürfte nicht in jedem Fall so einfach sein. Ein Lösungsansatz wäre, die Inhalte der Werbelinks stärker zu überprüfen und zum Beispiel darauf zu achten, dass dort nur auf Anbieter mit Lizenz in Deutschland weitergeleitet und dass dies besser kenntlich gemacht wird.
Betroffenen im Fall Immo Tommy hätte das jedoch wohl wenig geholfen. Er nutzt die Aufmerksamkeit bei Instagram und Co. eben auch, um Kunden für sein Vermittlungsgeschäft in der realen Welt zu locken. Und klar ist auch: Die Finanzaufsicht BaFin kann nicht noch das ganze Internet und den boomenden Finfluencer-Markt bis in die letzte Ecke überwachen. Die Aufseher warnen auf ihrer Webseite im Bezug auf Finfluencer: „Vorsicht ist das oberste Gebot.“
Und das ist wohl die große Lehre aus den Vorwürfen gegen Immo Tommy: Am Ende muss also jeder Nutzer selbst darauf achtgeben, nicht auf die Scharlatanerie mancher Finfluencer hereinzufallen.
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