Börsenwoche 490: Editorial: Börsenjahr: Wie 2024 war und 2025 wird
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Ein besseres Börsenjahr hätte man sich kaum zu wünschen getraut. Nach einem starken 2023 stiegen die Aktienmärkte auch im Jahr 2024 – und zwar kräftig. Ich hatte zu Beginn des Jahres eine positive Prognose gewagt: „Ein Kursplus im hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich ist 2024 am amerikanischen Aktienmarkt durchaus wahrscheinlich.“
Damit war ich sogar noch zu vorsichtig. Gut 24 Prozent liegt der amerikanische Leitindex S&P 500 seit Jahresbeginn im Plus. Wieder waren es die großen Techaktien, die hohe Kursgewinne verzeichneten.
Besonders für den Chipkonzern Nvidia war 2024 ein fulminantes Jahr. Künstliche Intelligenz (KI) war das Trendthema des Jahres. Nvidias Halbleiter wurden stark nachgefragt, weil sie für die KI-Technologie unverzichtbar sind. Die Nvidia-Aktie hat sich deshalb 2024 im Wert fast verdreifacht. Kurzzeitig war Nvidia der wertvollste Konzern der Welt.
Auch außerhalb der USA lief es vielerorts gut. Der Dax erreichte trotz heimischer Wirtschaftsflaute neue Rekorde, ähnlich verhielt es sich mit der Börse in Tokio.
Sinkende Zinsen, eine starke US-Wirtschaft und der Wahlsieg von Donald Trump beflügelten 2024 die Börsen. Mittlerweile sind die Bewertungen besonders von US-Aktien hoch. Die Kurssteigerungen sind nur teilweise durch höhere Gewinne gerechtfertigt.
US-Steuern und Zinsen entscheidend
Eine Spekulationsblase ist das aber noch nicht, was den Ausblick für 2025 eigentlich recht einfach macht: Die Börsenaussichten für das nächste Jahr sind gut, aber nicht großartig. Wie immer gilt dabei: Geopolitische Krisen oder eine Rezession sind nicht ausgeschlossen und würden die Aktienmärkte herunterziehen.
Gehen wir davon aus, dass die Welt nicht verrückt wird. Dann werden für die Börsen vor allem zwei Dinge entscheidend sein. Zum einen wird wichtig, ob Trump die Steuern senkt oder mindestens die bald auslaufenden niedrigen Steuersätze verlängert. Stiege der Unternehmensteuersatz in den USA, würde das die Gewinne der Unternehmen belasten und ihre Aktienkurse drücken.
Zweiter wichtiger Faktor sind die Zinsen. Bekommen Anleger hohe Zinsen für ihr Geld, lohnt sich ein Investment in die riskantere Anlageklasse Aktien relativ gesehen weniger. Deshalb sind sinkende Zinsen oft gut für die Aktienmärkte, und umgekehrt. Anleger schauen sehr genau auf die Zinsentwicklung in den USA. Das sah man in der vergangenen Woche. Da stellte die US-Notenbank wegen der hartnäckigen Inflation für 2025 weniger Zinssenkungen in Aussicht. In der Folge gaben die Aktienmärkte weltweit teils deutlich nach.
Bleiben die Zinsen 2025 erhöht, könnte das zu seitwärts tendierenden oder sogar sinkenden Aktienkursen führen. Andererseits können Börsentrends lange laufen. Und die Grundstimmung gegenüber Aktien ist schon länger positiv.
Trotzdem wäre eine weitere starke Marktrally nicht gesund. Dann bräuchte es eine harte Korrektur, um die Bewertungen wieder auf ein sinnvolles Maß zu bringen. So war es etwa Ende 2021, als die Euphorie abebbte und die Kurse fielen. Zwei Jahre dauerte es, bis sich die Börsen wieder erholt hatten. Sollte 2025 nur überschaubare Kurszuwächse bringen, muss das also nichts Schlechtes sein.
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