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Riedls Dax-RadarMercedes drückt die Stimmung im Dax – für eine Depression reicht es nicht

Bei VW, BMW und jetzt auch Mercedes-Benz schrumpft der Gewinn. Dennoch bleibt für den Dax das Ziel 20.000 Punkte bis Jahresende in Reichweite.Anton Riedl 20.09.2024 - 12:50 Uhr

Mercedes-Stern und BASF-Fabrik: Die Aktien der Konzerne stehen im Fokus der Anleger.

Foto: WirtschaftsWoche

Am deutschen Aktienmarkt hat der Dax am Donnerstag zwar ein neues Hoch geschafft, doch an den Schwierigkeiten seiner zentralen Autobranche hat sich nichts geändert, im Gegenteil. Nach den Renditeturbulenzen bei Volkswagen, der Gewinnwarnung von BMW und den wiederholten Enttäuschungen bei Continental setzt auch Mercedes-Benz seine Prognosen herab: Das schwache China-Geschäft bleibt zäh, der Preisdruck hartnäckig, zudem wird es erweiterte Abschreibungen geben. Betroffen ist mit der Car-Group vor allem das Kerngeschäft von Mercedes-Benz. Im Gesamtkonzern könnte deshalb die Umsatzrendite um ein Viertel schwächer ausfallen als bisher erwartet.

Im vergangenen Jahr holten die Schwaben aus 153,2 Milliarden Euro Umsatz 19,7 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), eine Marge von 12,9 Prozent. Im ersten Halbjahr 2024 waren es noch 10,9 Prozent. Sollte die Marge nun im zweiten Halbjahr im Kerngeschäft deutlich absacken, bleiben im Gesamtjahr vielleicht nur noch acht Prozent. Bei angenommenen 150 Milliarden Euro Umsatz wären das 12 Milliarden Euro Ebit. 

Unterm Strich dürfte es dann schwer werden, noch wie bisher gedacht einen fünfstelligen Milliardengewinn zu erzielen. Nach 6,09 Milliarden Euro im ersten Halbjahr sollten aber 2024 insgesamt schon neun Milliarden Euro Nettogewinn möglich sein. Bei 1,04 Milliarden Aktien ergäbe diese reduzierte Rechnung einen Gewinn von 8,65 Euro je Aktie. Bemerkenswert: Bei einer zehnfachen Gewinnbewertung entspräche dies fast genau dem Kursziel von 87 Euro, das die US-Investmentbank Goldman Sachs für Mercedes-Benz soeben hochgerechnet hat. Ein solcher Gewinn würde auch ausreichen, die bisherige Dividende von 5,30 Euro je Anteil weiter zu bezahlen. 

Probleme in China

Nach BMW jetzt auch Mercedes – Autokonzerne kappen Gewinnerwartungen

Mit einem Kursabschlag auf bisher 54 Euro notieren Mercedes-Aktien weit unter dem Ziel von Goldman und mittlerweile auch unter dem vorangegangenen mittelfristigen Tief vom Oktober 2023. Ein weiterer Rückgang in den Bereich um 50 Euro, dem Tiefpunkt vom Sommer 2022, ist durchaus möglich. Spätestens auf diesem gedrückten Niveau sollte es dann zu einer Stabilisierung kommen.

Dafür sprechen drei Gründe: Erstens dürfte Mercedes-Benz bei seiner aktuellen Gewinnwarnung vorsichtig genug vorgegangen sein, um die Risiken der nächsten Monate auch wirklich großzügig abgedeckt zu haben. Zweitens zeigen alle Fahrzeugwerte im Dax mittlerweile typische Ausverkaufssymptome nach einer langen Abwärtsbewegung (besonders im Fall von VW). Und drittens dürfte gerade die konjunkturabhängige Fahrzeugbranche davon profitieren, wenn sich der Wirtschaftsverlauf dank Zinssenkungen mittelfristig wieder etwas erholen sollte. 

Die Zinssenkung der US-Notenbank wirkt nach

Die Meldung von Mercedes trübt die Stimmung, nachdem es noch am Donnerstag kräftige Kursaufschläge an Börsen gegeben hatte nach dem ungewöhnlich deutlichen Zinsschritt der amerikanischen Notenbank: Der Dow Jones erreichte mit 42.025 Punkten ein neues Allzeithoch, der S&P konnte mit 5714 Punkten die Widerstandszone bei 5670 Punkten durchbrechen. Der Nasdaq-100-Index hat zwar sein altes Hoch bei über 21.000 Zählern noch nicht erreicht, dennoch aber den seit Juli bestehenden Abwärtstrend überwunden und wieder nach oben gedreht. Und selbst dem Dax gelang knapp über 19.000 Punkten ein neues Allzeithoch. Hat die Fed mit ihrer jüngsten deutlichen Zinssenkung doch alles richtig gemacht?

Geht es nach den Aktienbörsen, lautet die Antwort eindeutig ja. Nachdem die Europäische Notenbank ihren Zinssenkungszyklus schon früher begonnen hat, nimmt nun wieder die amerikanische Fed mit einer Senkung von 0,5 Prozentpunkten das Heft in die Hand. Und sie beruhigt die Märkte nicht nur mit verträglichen Prognosen, dass die Inflation weitgehend gebändigt und die Konjunktur mit moderatem Wachstum auf gutem Weg sei. Die Fed verspricht zugleich einen kontinuierlichen Zinssenkungsprozess, der wahrscheinlich bis Ende 2025 anhält. 

Deutliche Zinssenkungen, insgesamt eine stabile Konjunktur und eine weitgehend gebändigte Inflation – mit diesen drei Kernbotschaften hat die Fed für die Börsen mit einem Schlag das alte Goldilocks-Szenario wieder aus dem Hut gezaubert. 

Natürlich schränkt die Fed ein, dass sie bei ihren weiteren Senkungen stets von der aktuellen Datenlage ausgehen werde. Dieser Hinweis ist für Notenbankchef Jerome Powell nicht nur ein Disclaimer, sondern gibt ihm die Möglichkeit, den angepeilten Lockerungsprozess bei Bedarf auch einmal anzuhalten. Dennoch zeigt die durchgehend positive Reaktion der Märkte, dass die Aktienbörsen mit ihrer bis zuletzt vorherrschenden Skepsis offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden sind und deshalb nun als Gegenreaktion aus dem Stand wieder nach oben gedreht haben.

Kommen jetzt erst einmal keine gegenläufigen Daten herein – was bei dem Informationsvorsprung, den die Fed hat, wahrscheinlich sein sollte – könnte die positive Tendenz an den Börsen nachhaltiger ausfallen, als bisher von den Märkten erwartet. Der ruhige und stabile Verlauf der Bondmärkte, auf dem die Renditen für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen seit Mai kontinuierlich, aber unspektakulär nachgeben, wäre eine wichtige Bestätigung für dieses positive Szenario. 

Konzernumbau stützt BASF-Aktien bei großer Bodenbildung

Wie schnell eine Erholung auf gedrücktem Niveau ablaufen kann, zeigt Großchemiker BASF. Auslöser dafür sind Meldungen über Umbaumaßnahmen im Konzern, die unter dem neuen Chef Markus Kamieth umfangreicher ausfallen könnten, als bisher erwartet. So könnte vor allem das Geschäft mit Agrarchemie an die Börse gebracht werden; für die schwierige Sparte Beschichtungen dürften Partner gefunden werden oder es kommt hier zu Teilverkäufen. 

Auch wenn es sich hier erst um strategische Möglichkeiten handelt, ergibt sich aus solchen Gedankenspielen für die Aktie ein positives Umfeld. Vor allem zeigt dies, dass ein Konzern wie BASF eben nicht einfach nur ein Spielball von Konjunkturschwankungen, Energiepreisen und Rohstoffnotierungen ist, sondern dass in ihm Möglichkeiten stecken, die weit über den aktuell niedrigen Börsenwert von 41 Milliarden Euro hinausgehen.

Die große Bodenbildung von BASF-Aktien, die seit zwei Jahren zwischen 38 und 55 Euro läuft, geht in die nächste Runde. Nun kommt es darauf an, dass sich die Aktie bei kurzfristigen Rückschlägen möglichst deutlich über der Marke von 40 Euro hält.

Mit der Allianz und Commerzbank werden Finanzwerte zur Stütze im Dax

Zu den Top-Werten im Dax gehört seit Anfang August die Allianz. Sie bietet etwas, das für Investoren derzeit besonders wichtig ist: Verlässliche Gewinnaussichten, eine trotz des Kursanstiegs moderate Bewertung, dazu eine ansehnliche und sichere Dividende.

In allen Geschäftsbereichen legt die Allianz zu: Die Schaden- und Unfallsparte kann den Aufwand durch Naturkatastrophen über das gute Prämienniveau und die hier hohe Nachfrage abfedern. Das deutsche Lebensversicherungsgeschäft geht zwar zurück, macht aber mittlerweile nur noch ein Viertel der Sparte Leben- und Krankenversicherungen aus und wird zudem durch das Wachstum des internationalen Geschäfts mehr als ausgeglichen. Und in der Vermögensverwaltung kommt es nicht nur zu Nettomittelzuflüssen, die Sparte dürfte vor allem auch durch die weltweit robusten Anleihemärkte nachhaltig profitieren.

Allianz-Aktien könnten nach dem starken Anstieg der vergangenen Wochen eine Konsolidierung durchaus gebrauchen. Sollte der Kurs womöglich noch einmal bis in den Bereich der März-Spitzen zurückkommen, wäre das eine Gelegenheit zum Nachfassen. Langfristig hat die Aktie das Potenzial, bis zu ihren alten Höhen um 400 Euro zu klettern. 

Commerzbank-Aktie: Tückischer Chartverlauf

Von alten Höhen ist die Aktie der Commerzbank offensichtlich noch weit entfernt – jedenfalls wenn es nach dem bloßen Kursverlauf der Aktie geht. Immerhin liegen die Notierungen aktuell mit 15,50 Euro Welten unter den Notierungen von einst weit über 200 Euro, die sich am Kursverlauf ablesen lassen. 

Doch der Chartverlauf der Commerzbank ist tückisch. Bei den verbreiteten Kurskurven handelt es sich nur um die rückwirkend bereinigten Notierungen für jeweils einen einzelnen Anteil. Wegen der zahlreichen Kapitalmaßnahmen im Zuge der Sanierung der Bank und des Bund-Engagements sieht die Entwicklung des gesamten Börsenwerts ganz anders aus – und zwar durchaus überraschend.

Am Vorabend der Finanzkrise, also Ende 2007, gab es 657,2 Millionen Commerzbank-Aktien. Der damals an den Börsen real gehandelte Kurs, so ist im Geschäftsbericht des Jahres 2007 nachzulesen, lag bei 26,26 Euro. Daraus ergab sich Ende 2007 ein Börsenwert von 17,2 Milliarden Euro; dieser Wert ist so auch im Geschäftsbericht vermerkt.

Aktuell hat die Commerzbank 1,18 Milliarden Aktien, die bei einem Kurs von 15,50 Euro einen Börsenwert von 18,3 Milliarden Euro ergeben. Damit ist der Börsenwert der Commerzbank heute schon höher als vor der Finanzkrise – ein klares Zeichen dafür, dass die Bank in den vergangenen Jahren eine erfolgreiche Entwicklung genommen hat. Und dass die Commerzbank in diesem Jahr bei einer Bilanzsumme von wahrscheinlich 560 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von mehr als zwei Milliarden Euro auch rentabler ist als im guten Jahr 2007 (damals schaffte sie bei 616,5 Milliarden Euro Bilanzsumme 1,917 Milliarden Euro Nettogewinn), passt zum Comeback der gelben Bank.

Und natürlich macht der operative Erfolg der Cobank das Geldhaus im Kampf um eine mögliche Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit umso interessanter.

Fazit für den Dax: Mit bis zu 19.045 Punkten im Tagesverlauf am 19. September hat der Dax ein neues Allzeithoch erreicht. Anschlusskäufe für eine weitere Rally sind bisher noch ausgeblieben. Kurzfristig könnte es deshalb bis etwa 18.700 Punkte noch einmal nach unten gehen – auch um den Kurssprung (Gap) nach der Zinssenkung auszugleichen. Für ein positives Marktszenario wäre es optimal, wenn der Dax spätestens von hier aus wieder nach oben dreht.

Der wichtigste Rückhalt dürfte von den US-Börsen kommen. Besonders spannend ist dabei die Entwicklung an der Nasdaq, die bisher das Niveau von 20.000 noch nicht wieder zurückerobert hat. Sollte dies kurzfristig gelingen, dürfte dies auch für den Dax eine positive Vorentscheidung sein. Sogar das im Frühjahr diskutierte Ziel von 20.000 Punkten könnte dann bis Jahresende noch Realität werden.

Lesen Sie auch: Warum ein Cartoon die Lage an den Börsen am besten trifft

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