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KonjunkturInflation in der Eurozone wieder unter zwei Prozent

Mehr als drei Jahre lang stiegen die Preise. Nun ist die Zielmarke von zwei Prozent wieder leicht unterschritten. Grund für den Rückgang sind die fallenden Energiepreise. 01.10.2024 - 12:17 Uhr aktualisiert

Die Inflation in der Eurozone liegt unter 2 Prozent.

Foto: imago images

Die Inflationsrate in der Euro-Zone ist auf den niedrigsten Stand seit gut drei Jahren gesunken und dürfte die EZB zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im September vor allem wegen billigerer Energie nur noch um durchschnittlich 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Damit verdichten sich die Signale, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bereits im Oktober ihre Geldpolitik weiter lockern und den Leitzins erneut senken dürfte. Denn die Teuerung liegt nun erstmals seit Mitte 2021 unter der Zielmarke von zwei Prozent, die die EZB mittelfristig als ideal für die Konjunktur im Euroraum sieht.

„Die EZB hat zunehmend grünes Licht für eine Zinssenkung in diesem Monat“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. „Nicht nur aufgrund der fallenden Inflationsrate, sondern auch aufgrund des sich eintrübenden konjunkturellen Ausblicks.“ Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung erneut an der Zinsschraube dreht. „Sie sollte sich der damit verbundenen Risiken jedoch bewusst sein.“

Im August lag die Inflation noch bei 2,2 Prozent und von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten für September genau mit einem Rückgang auf 1,8 Prozent gerechnet.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Die EZB hatte im September die Zinsen erstmals seit ihrer geldpolitischen Wende vom Juni wieder gesenkt. Der für die Finanzmärkte richtungsweisende Einlagesatz, zu dem Banken bei der Notenbank kurzfristig überschüssige Gelder parken, wurde um einen Viertelprozentpunkt auf 3,50 Prozent nach unten gesetzt. Höhere Zinsen machen Kredite für Investitionen teurer, was die Konjunktur bremst und die Nachfrage dämpft - das wiederum kann den Preisanstieg drücken.

Zinssenkung am 17. Oktober gilt „als so gut wie sicher“

Die EZB verfolgt das Abebben der Inflation nach Aussage ihrer Präsidentin Christine Lagarde mit Optimismus. „Die jüngsten Entwicklungen stärken unsere Zuversicht, dass die Inflation zeitnah wieder auf das Zielniveau zurückkehren wird“, sagte Lagarde am Montag bei einer Anhörung im Europa-Parlament in Brüssel. „Wir werden das bei unserer nächsten geldpolitischen Sitzung im Oktober berücksichtigen.“ Diese Aussagen schüren Erwartungen an den Finanzmärkten, dass die EZB bereits im nächsten Monat erneut die Zinsen senken könnte. Dies sieht Analyst Gitzel ähnlich: „Eine Zinssenkung am 17. Oktober gilt an den Finanzmärkten mittlerweile als so gut wie sicher.“

Die Energiepreise fielen im zu Ende gehenden Monat um durchschnittlich 6,0 Prozent und dämpften damit die Inflation. Dagegen verteuerten sich Dienstleistungen mit 4,0 Prozent erneut überdurchschnittlich stark. Lebensmittel, Alkohol und Tabak kosteten 2,4 Prozent mehr als im September 2023.

Lesen Sie auch: Scheitert die EZB an der Investitionsfalle?

dpa, rtr
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