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CEO Schepker tritt abWarum der Babbel-Gründer wieder die Führung übernimmt

Der Mitgründer und frühere Chef der Sprachlern-App Babbel, Markus Witte, kehrt nach fünf Jahren zurück an die Spitze. Vorgänger Arne Schepker lässt seinen Vertrag auslaufen – im besten Einvernehmen, wie beide beteuern.Michael Kroker 11.10.2024 - 07:20 Uhr

Arne Schepker (l.) tritt als Babbel-CEO ab. Markus Witte übernimmt

Foto: PR
Podcast Chefgespräch

Babbel-Gründer Markus Witte: „Ich mag radikale Neuanfänge“

11.10.2024
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Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Markus Witte, Gründer und Aufsichtsratschef des Sprachlerndienstes Babbel, rückt in diesem Monat zurück an die Spitze des von ihm im Jahr 2007 gegründeten Unternehmens. Dort folgt er Arne Schepker nach, der den Chefsessel im Oktober 2019 von Witte als erster alleiniger externer Geschäftsführer übernommen hatte und der jetzt seinen Vorstandsvertrag auslaufen lässt.

Eine firmeninterne Konterrevolution also? Keineswegs, beteuert Noch-CEO Schepker im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Das gab es ja auch bei viel größeren Unternehmen wie etwa Google“, so Schepker. Dort holte Google-Mitgründer Larry Page 2001 den externen Top-Manager Eric Schmidt als neuen Vorstandschef an Bord, um sich in der zweiten Reihe auf die Produktentwicklung konzentrieren zu können. 2011 löste Page dann Schmidt wieder als CEO ab, der seinerseits in den Verwaltungsrat von Google wechselte.

Er habe seinen Fünfjahresvertrag bewusst nicht verlängert und sich darüber frühzeitig mit Markus Witte ausgetauscht, so Schepker. Das beschreibt der Babbel-Mitgründer sehr ähnlich: „Arne und ich haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis“, sagt Witte im aktuellen Chefgespräch-Podcast der WirtschaftsWoche. Als Schepker ihm mitgeteilt habe, er wolle seinen Vertrag nicht ein weiteres Mal um fünf Jahre verlängern, hätten beide gemeinsam über das weitere Vorgehen diskutiert. „Das war ein langer und intensiver Dialog“, erläutert Witte. „Wir haben alle Möglichkeiten erwogen und dann gemeinsam festgelegt – also Arne und ich – aber auch unser Aufsichtsrat, dass die beste Variante ist, mich als Gründer zurückzuholen.“

Ordentlich bestelltes Feld

Tatsächlich hinterlässt Schepker ein ordentlich bestelltes Feld: „Wir haben alle Ziele erreicht, sogar überfüllt“, so Schepker, der schon im Herbst 2021 kurz vor einem geplanten und später auf Eis gelegten Börsengang gegenüber der WirtschaftsWoche seine ehrgeizigen Wachstumsziele verriet. So erzielte Babbel im vergangenen Geschäftsjahr mit 1000 Mitarbeitern erstmals rund 300 Millionen Euro Umsatz. „Babbel hat sich in den neun Jahren, die ich dort arbeite, versechsfacht – und ist eine richtig große Firma geworden“, so Schepker.

Das bewertet Mitgründer Witte sehr ähnlich: „Arne hat das Wachstum vorangebracht, die Firma aufgebaut und hinterlässt jetzt ein Team und eine Firma, die auf einem ganz anderen Niveau spielt, als sie das im Jahr 2019 tat, als er den Job übernommen hat.“ Für den bisherigen Chef war dies nun ein passender Zeitpunkt, das Steuerrad in neue Hände zu übergeben: „Leadership bedeutet nicht nur vorwegzugehen – sondern ebenfalls, zur rechten Zeit zur Seite zu treten“, so Schepker. „Das habe ich vor fünf Jahren von Markus gelernt, insofern schließt sich hier ein Kreis für uns beide.“

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Ein Selbstläufer aber dürfte der neue Job für den neuen Alt-Chef nicht werden. Denn Babbel ist zwar stark gewachsen – ähnlich aber auch die Kosten. Das Berliner Unternehmen schreibt weiterhin tiefrote Zahlen. Dies zu ändern markiert vielleicht die größte Herausforderung für Witte – und ist möglicherweise auch der Hauptgrund für seine Rückkehr, wie er einräumt: „Als Gründer und einer der größten Gesellschafter kann ich das Unternehmen ganz anders und viel direkter steuern, als dies ein angestellter CEO tun kann“, erläutert Witte im WiWo-Podcast. „Und ich habe auch dadurch Durchgriff, dass ich weiterhin Chef des Verwaltungsrats bleibe.“

Neuer Fokus auf Profitabilität und Effizienz

Auch Noch-Chef Schepker hält einen stärkeren Fokus auf Profitabilität und Effizienz für notwendig: „Dafür braucht es aber eine andere Strategie und auch eine andere Führung als bisher“, so Schepker.

Überhaupt wirkt Schepker mit sich und seiner Entscheidung im Reinen: „Mein Sohn kommt in einem Jahr in die Schule“, sagt der 43-Jährige. Er könne jene Zeit mit ihm viel intensiver verbringen, als ihm dies als Babbel-Chef möglich gewesen wäre. Zudem will er eine neue Sprache lernen, Serbokroatisch. „Wegen meiner kroatischen Schwiegermutter“, erläutert Schepker. Die App von Babbel kann er dazu freilich nicht einsetzen – sie unterstützt kein Serbokroatisch.

Derweil ist der Unternehmensgründer heiß darauf, sich wieder ins Tagesgeschäft zu stürzen: „Ich mag diese Art von radikaler Veränderung, von radikalen Neuanfängen“, so der 54-Jährige. Zugleich gibt er sich angesichts der anstehenden Herausforderungen ein Stück weit demütig – und blickt zurück ins Jahr 2019. Als Arne Schepker von ihm übernommen habe, hätten sich viele bei Babbel die Frage gestellt, ob die Schuhe für ihn nicht etwas groß seien. „Und jetzt ist die Frage umgekehrt, sind die Schuhe nicht etwas groß für mich?“, räumt Witte ein. „Jetzt habe ich noch nie eine Organisation in dieser Größe geführt.“

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