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Amazon, Alphabet, MicrosoftWie die Techriesen Atomkraft-Investments beleben

Die US-Technologieriesen benötigen mehr saubere Energie und setzen dafür auf kleine Atomreaktoren. Welche Aktien, Fonds und ETF daran verdienen.Heike Schwerdtfeger 24.10.2024 - 16:40 Uhr
Foto: WirtschaftsWoche

Microsoft, Amazon und Alphabet sind die Schwergewichte der Techbranche – und noch lange nicht satt: Rund 150 Milliarden Dollar stecken sie allein dieses Jahr in neue Rechenzentren. Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 100 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Der Grund für die höheren Investitionen: Der Boom bei Anwendungen mit künstlicher Intelligenz (KI) bringt die Rechenkapazitäten ans Limit. Mehr Rechenleistung muss her. Und die benötigt wiederum mehr Strom.

Laut der Internationalen Energieagentur könnte der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2026 auf mehr als 1000 Terawattstunden steigen. Zur Einordnung: Mit einer einzigen Terawattstunde ließen sich 200 Millionen Handys ein Jahr lang betreiben. Um mehr und CO2-freien Strom zu bekommen, setzen Microsoft, Google und Amazon auf Kernenergie. Sie planen unter anderem den Bau kleiner, modularer Atomreaktoren, so genannter Small Modular Reactors (SMR). Sie sind günstiger und schneller zu bauen als riesige Atomkraftwerke. Ein Kleinreaktor mit einer Leistung von 440 Megawatt produziert jährlich genug Strom, um 1,2 Millionen Haushalte zu versorgen.

Amazon will gemeinsam mit dem US-Unternehmen Energy Northwest bis in die 2030er-Jahre kleine Kernreaktoren errichten. Google arbeitet mit dem kalifornischen Start-up Kairos Power zusammen: Die Google-Mutter Alphabet hat bereits sechs bis sieben SMRs bei Kairos Power bestellt. Microsoft dagegen hat sich mit Constellation zusammengetan, um den alten Krisenreaktor von Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania, wieder ans Netz zu bringen – ein Reaktorblock soll 20 Jahre lang Strom für Microsofts Rechenzentren liefern. Der Techriese nimmt dafür 1,65 Milliarden Dollar in die Hand. Der zweite Block von Three Mile Island ist seit einem Unfall in den 1970er-Jahren nicht mehr nutzbar.

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Comeback der Atomkraft

Die Atomkraft hatte nach diversen Zwischenfällen, insbesondere nach dem Unglück in Fukushima 2011, einen schweren Stand. Jetzt aber erlebt sie ein Comeback. Neuen Schwung bekam die Kernenergie schon vor den Ankündigungen von Microsoft und Co. neue Reaktoren in Indien und China, der Ukrainekrieg und der Boykott von russischem Gas haben den Sektor neu belebt.

Bei BCA Research, einem angesehenen und bankenunabhängigen Analysehaus aus Kanada, sieht man die wachsende Dynamik in der Nuklearindustrie als Anlagechance – und wittert einen möglichen Bullenmarkt für Uran. Ohne Uran, das hauptsächlich zur Herstellung von Kernbrennstoffen für Atomkraftwerke verwendet wird, läuft in der Branche nichts, auch nicht die Kleinreaktoren. Die Nachfrage nach dem Rohstoff ist derzeit größer als das Angebot. Diese Lücke, die sich laut Prognosen noch ausweiten könnte, macht einen Einstieg interessant. Denn trotz steigender Nachfrage und hinterherhinkendem Angebot ist der Preis des Rohstoffs mit zuletzt 82 Dollar noch weit vom Allzeithoch bei 140 Dollar entfernt.

Für Anleger gibt es mehrere Wege, in Uran oder breiter in Atomkraft zu investieren. Von Fonds und ETFs bis zu Aktien von Uran-Bergbauunternehmen oder Atomtechnikspezialisten: Das Spektrum ist breit.

Minenbetreiber: Spannend, aber riskant

Zu den interessanten Einzelwerten gehört etwa die Uran-Holding Yellow Cake, gelistet an der Londoner Börse (JE00BF50RG45). Das britische Unternehmen baut Uran nicht selbst ab, sondern lagert es lediglich. Anleger setzen mit der Aktie auf die Entwicklung des Spotpreises für Uran, ohne die Risiken des Abbaus. Yellow Cake ist auch in vielen auf die Atombranche spezialisierten Fonds und ETFs enthalten.

14
Prozent
des globalen Uran-Angebots stammen aus der Mine Cigar Lake.

Etwas riskanter, aber ebenfalls spannend sind Uranminenbetreiber wie die kanadische Cameco (CA13321L1085). Cameco betreibt mit dem französischen Atomkonzern Orano die größte Uranmine der Welt, Cigar Lake, die 14 Prozent des globalen Angebots liefert. Vergangenes Jahr weiteten die Kanadier ihre Aktivitäten aus, indem sie zusammen mit Brookfield den US-Nukleartechnikkonzern Westinghouse Electric übernahmen. Westinghouse kümmert sich um die Hälfte der weltweiten Kernreaktoren und ist in der Brennelemententwicklung aktiv. Zudem ist Cameco mit 50 Prozent an Silex Systems beteiligt, einem australischen Unternehmen, das die Urananreicherung optimieren will. 

Die Cameco-Aktie ist derzeit mit dem 100-Fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet. In diese Bewertung muss das Unternehmen erst einmal hereinwachsen. Yellow Cake ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 75 zumindest ein bisschen günstiger. Wem das immer noch zu teuer ist, der kann sich Kazatomprom anschauen (US63253R2013), den weltgrößten Uranproduzenten mit einem KGV von zehn und einer Dividendenrendite von sieben Prozent. Die relativ enge Verbindung Kasachstans zu Russland birgt allerdings politische Risiken. Deutsche Anleger handeln zudem nicht die Originalaktie, sondern einen Hinterlegungsschein (American Depositary Receipt, ADR).

Deutlich spekulativer wird es bei Minenentwicklern wie NexGen Energy aus Kanada. Bis deren Projekte richtig laufen, kann es noch eine Weile dauern. Startet NexGen durch, winken aber hohe Erträge – vorausgesetzt, der Uranpreis hält mit. Solche Investments sind eher etwas für erfahrene Investoren.

Zulieferer: Unerwartete Gewinner

Ein Profiteur der Fantasie rund um kleine Atomreaktoren ist Rolls-Royce Holdings (GB00B63H8491). Die Aktie des als Triebwerksspezialist bekannten Unternehmens ist von 1,00 Euro Anfang 2023 auf zuletzt 6,80 Euro gestiegen. Die Briten produzieren bereits seit Jahrzehnten Kleinreaktoren für Atom-U-Boote. Das Geschäft mit der neuen Art von Winzreaktoren wurde mittlerweile in die Sparte Rolls-Royce SMR ausgegliedert, die über kurz oder lang separat an die Börse gebracht werden könnte.

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Ein weiterer Profiteur der SMR-Begeisterung ist die NuScale Power Corporation (US67079K1007). Sie startete an der Börse mit 3,30 Dollar ins Jahr 2024, inzwischen notiert sie bei 17,80 Dollar. Die Nachrichten um die SMR-Deals der Techriesen pushten den Kurs allein im Oktober zeitweise um 71 Prozent. NuScale hatte einen kleinen Druckwasserreaktor für die Stromerzeugung entwickelt, der sich allerdings in der Praxis als viel zu teuer erwies. Die Aktie rauschte nach diesem Rückschlag in die Tiefe. Mit der neuen SMR-Begeisterung der Techriesen bekam sie dann neuen Schwung. Problem: Das Unternehmen verbrennt bisher Quartal für Quartal Millionen Dollar. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Kasse leer ist, ehe der große Durchbruch kommt.

Ein Zulieferer für Kernreaktorkomponenten ist BWX Technologies. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg nach den Reaktorplänen der Techriesen im Oktober rund zehn Prozent. Anleger zahlen für die Aktie das 40-Fache des erwarteten Jahresgewinns. Da die Teile und Brennstoffsysteme von BWX auch abseits von Reaktoren gebraucht werden, könnte sich der Einstieg lohnen.

Branchenfonds: Neuer Rückenwind

Weniger riskant als Einzelwerte sind Investments in Branchenfonds oder -ETFs. Christian Schärer ist Berater des Aktienfonds Uranium Resources Fund (LI0224072749, siehe Tabelle). Er sagt: „Die Stimmung in der Politik, bei den Banken und der Bevölkerung hat sich gewandelt.“ Nach den Atom-Ankündigungen der Techgiganten legte sein Fonds 13 Prozent zu. Seit Jahresbeginn verzeichnet er ein Plus von fünf Prozent.

Seit 2011 lenkt der promovierte Betriebswirt das Portfolio. Dabei konzentriert er sich auf den physischen Uranmarkt und die Urangewinnung. In den vergangenen zehn Jahren war das Ergebnis eher mau, mit einem jährlichen Plus von 2,5 Prozent – die Nachwirkungen von Fukushima. Seit fünf Jahren läuft es besser, der Fonds erzielte seitdem jährlich ein Plus von im Schnitt 23 Prozent. „Der Einstieg der Techriesen ist jetzt ein Ritterschlag für den Sektor”, sagt Schärer.

Der Fondsprofi stand schon in Gummistiefeln in Uranminen wie der von Cameco in Kanada und blickte auf das silbrig glänzende Schwermetall. Er ist seit langem auf jenen Teil des Rohstoffmarktes konzentriert, der sich mit der Förderung, der Verarbeitung und dem Handel von Uran befasst. Das Portfolio seines Fonds Uranium Resources hat er eingeschränkt auf 30 Unternehmen aus dem Uranbergbau. Das Drumherum wie etwa Zulieferer für Klein-Reaktoren, zu denen etwa Rolls-Royce und Hitachi gehören, lässt er außen vor.

Schärer konzentriert sich auf Unternehmen, die bei der Erschließung von Uranvorkommen bereits fortgeschritten sind und kurz vor der Förderung stehen. Die Gefahr, dass etwas schiefgeht, ist hier vergleichsweise gering. Die Bewertung der so genannten Projektentwicklungs- und Explorationsunternehmen orientiert sich am Preis für das Schwermetall. Steigt er, steigen die Aktienkurse allerdings nicht immer direkt mit. Viel hängt davon ab, in welchem Stadium die Minengesellschaft ist. Hat sie nur die Rechte an der Ausbeutung einer Mine und steht erst am Anfang der Erschließung, verzeichnet der Kurs oft wilde Ausschläge.

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In Schärers Fonds sind einzelne Aktien nicht so hoch gewichtet wie in Branchen-ETFs. Auch das reduziert das Risiko. Dafür räumt der Fondsmanager unbekannteren kanadischen Namen wie Denison Mines, enCore Energy oder IsoEnergie mit rund acht Prozent etwas mehr Platz im Depot ein. Für risikoscheue Anleger ist sein Fonds daher gleichwohl nichts. Die Kursausschläge nach unten und oben sind etwa doppelt so stark wie bei einem ETF auf den globalen Aktienindex MSCI World.

Branchen-ETFs: Die gesamte Wertschöpfungskette

Wer breiter gestreut in Atomkraft investieren will, der holt sich mit dem Global X Uranium ETF (IE000NDWFGA5) 26 Uranaktien ins Depot. Mit 14 beziehungsweise 7 Prozent haben Cameco und Kazatromprom allerdings ein gewisses Übergewicht. Daneben sind im ETF etwa Industrieriesen aus Südkorea: Daewoo Engineering & Construction, Doosan Enerbility, Hyundai Engineering und Samsung C&T sind aktiv im Bau, in der Ausrüstung und im Betrieb von Atomkraftwerken. Sie haben aber auch anderes Geschäft, das nichts mit Atomkraft zu tun hat. Mit dem 15-Fachen der erwarteten Gewinne sind die Aktien im ETF im Schnitt nicht teuer. Nur vereinzelt ergeben sich KGVs von 100 wie bei Cameco oder 75 bei Doosan Enerbility.

Übrigens: Anleger müssen mit Atom-Investments mittlerweile keine Sorge mehr haben, als Schmutzfinken zu gelten. Atomkraft wurde von der Europäischen Union vor einiger Zeit als nachhaltig eingestuft. Investoren können seitdem in Aktien oder Anleihen rund um das Thema Atomkraft investieren, ohne Abstriche bei der Nachhaltigkeitseinstufung fürchten zu müssen. Damit befänden sie sich in guter Gesellschaft: Im September haben 14 US-Großbanken angekündigt, einen Beitrag zur Finanzierung von Projekten leisten zu wollen, die den CO2-Ausstoß verringern. Dazu gehört für die Banken auch: Atomkraft.

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