US-Wahlkampf: Die Donald-Trump-Party im Madison Square Garden – mit deutlichen Worten
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat und ehemalige US-Präsident Donald Trump spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung im Madison Square Garden in New York.
Foto: imago imagesNach dem Ende seiner gut eineinhalbstündigen Rede verharrte Donald Trump eine Zeit lang auf der mit rotem Teppich überzogene Bühne im Madison Square Garden in Midtown Manhattan. Der Ex-Präsident schien den tosenden Applaus seiner Anhänger aufzusaugen, zog, Ex-First-Lady Melania Trump an seiner Seite, die Energie des Publikums regelrecht auf sich, während ein Sänger „New York, New York“ schmetterte. Die Zuschauerdichte hatte sich in den vergangenen Minuten bereits spürbar ausgedünnt, doch die verbliebenen Zuschauer jubelten dem Republikaner ohne Unterlass zu. Immer wieder winkte Trump in die Ränge, verharrte auf seinem Weg zurück in den Backstage-Bereich. Doch irgendwann riss er sich doch los, wanderte zu den Klängen des Disco-Klassikers „YMCA“ vorbei an einer Wand aus US-Flaggen zurück in die Kulisse. Der 78-Jährige muss Kraft sparen. Schließlich sind die letzten Tage bis zur Wahl vollgepackt mit Terminen überall im Land.
Die Rede in der legendären New Yorker Arena war der Kulminationspunkt von Trumps drei Präsidentschaftskampagnen. Seit 2016 wollte der Republikaner eine Rally im Garden abhalten, doch während seiner ersten Kandidatur scheiterte eine entsprechende Veranstaltung an den hohen Kosten, vier Jahre später an Covid-19. Jetzt, kurz dem Ende von Trumps mutmaßlich letzter Kampagne, bekam er doch noch seinen Willen. Ein Signal der Zuversicht. „Madison Square Garden ist das Zentrum des Universums“, so Trumps Berater Jason Miller zur AP. Die Rally, weit abseits der wahlentscheidenden Swing States, soll landesweit die Basis mobilisieren – und so das Momentum der vergangenen Tage nutzen, um Trump erneut zum Sieg zu katapultieren.
Damit war der Auftritt – neun Tage vor der Wahl – ein Ausrufezeichen, ein Signal der Stärke. Zwar hat der in Queens geborene Kandidat in New York nichts zu gewinnen – in Umfragen liegt er in dem Bundesstaat mit weitem Abstand hinter Vizepräsidentin Kamala Harris – doch dass er den Endspurt zum Wahltag in der unbestrittenen Medienhauptstadt der Welt begann, garantierte ihm dennoch enorme Aufmerksamkeit weit über die Grenzen des Empire States hinaus.
Gut 20.000 Anhänger der Republikaner kamen zur Wahlkampfveranstaltung.
Foto: imago imagesUnd die wollte die Kampagne nutzen, bot den Zuschauern eine MAGA-Allstar-Show. Vor Trump sprachen zahlreiche Größen seiner Bewegung – von Vizepräsidentschaftskandidat JD Vance und Wrestler Hulk Hogan über Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson und Ex-Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy Jr. bis hin zu den Unternehmern Vivek Ramaswamy und Elon Musk. Die Botschaft der Redner: Kamala Harris hat Amerika zerstört. Donald Trump wird das Land wieder reparieren.
Dass dies das Leitmotiv der Kampagne in den letzten Tagen vor dem Wahltag sein würde, bestätigte auch der Kandidat selbst, als er um kurz nach 19 Uhr – mit deutlicher Verspätung – zu den Klängen von Lee Greenwoods „Proud to be an American“ auf die Bühne trat. „Der 5. November wird der Tag der Befreiung“, so Trump unter dem anhaltenden Jubel der rund 20.000 Anhänger, die sich im Garden versammelt hatten. Viele von ihnen hatten stundenlang in Midtown Manhattan vor der Arena gewartet, sich von den Vorrednern einpeitschen lassen. Energie, die sich auch auf Trump übertrug. Immer wieder wurde seine Rede von Jubeln und Sprechchören unterbrochen, schallten „USA! USA! USA!“ und „Trump! Trump! Trump!“ durch die Halle. So boten die vollbesetzten Reihen der Trump-Kampagne genau die Bilder, die sich der Kandidat für den Endspurt des Wahlkampfs wünschte: Sie signalisierten Geschlossenheit, und die sichere Überzeugung, dass die MAGA-Bewegung drauf und dran ist, das Weiße Haus zurückzuerobern. Tatsächlich stehen Trumps Chancen nicht schlecht. Die Umfragen sind knapp, doch so mancher Analyst sieht den Ex-Präsidenten derzeit im Vorteil.
Trump-Anhänger vor der Wahlkampfveranstaltung im Madison Square Garden in Midtown Manhattan.
Foto: imago imagesSollte es so kommen, dann dürfte sich sein Auftritt im Garden in eine lange Reihe politischer Veranstaltungen an diesem Ort einfügen, die im kollektiven Gedächtnis der USA fest verankert sind. 1962 sang Marilyn Monroe hier „Happy Birthday“ für Präsident John F. Kennedy, dreißig Jahre später nominierten die Demokraten in der Arena Bill Clinton zum Präsidentschaftskandidaten. 1936 hielt Franklin D. Roosevelt hier eine seiner wichtigsten Wahlkampfreden, 2004 versammelten sich die Republikaner in der Halle zu ihrem Nominierungsparteitag. Die Veranstaltung, gleichwohl, mit der Trumps Auftritt in den Tagen zuvor am häufigsten verglichen wurde, fand im Februar 1939 statt. Damals hielt der German American Bund im Madison Square Garden eine Rally mit rund 20.000 Teilnehmern ab. Es war die größte Pro-Nazi-Kundgebung in der Geschichte der USA.
Nicht wenige Beobachter zogen anlässlich einer erneuten Debatte über Trumps vermeintlich faschistische Tendenzen diese Parallele. Ausgelöst hatte diese ein Interview, das John Kelly, ehemals Marine-General und während Trumps erster Amtszeit zunächst Heimatschutzminister und dann Stabschef im Weißen Haus, der New York Times gegeben hatte. Der Ex-Präsident entspreche der Definition eines Faschisten, er würde wie ein Diktator regieren, wenn man ihn ließe, und er habe kein Verständnis für die Verfassung oder das Konzept der Rechtsstaatlichkeit, so Kelly. Ob sie Trump ebenfalls einen Faschisten nennen würde, wurde seine Herausforderin Harris kurz darauf in einem Interview gefragt. Ihre Antwort viel eindeutig aus. „Ja, das würde ich“, so die Kandidatin.
In New York gab sich Trump von solchen Vorwürfen unbeeindruckt. Seine Rede begann der Ex-Präsident konventionell, versprach die in den vergangenen Jahren gestiegenen Preise wieder zu senken und die Südgrenze zu schließen. Doch dabei blieb es nicht. Bald löste sich Trump vom Skript, wiederholte längst widerlegte Verschwörungstheorien, wetterte gegen seine politischen Gegner – allen voran natürlich Harris und die vermeintlichen „Feinde von Innen“ – und in harschen Worten gegen Einwanderer.
Auch andere Redner gaben sich keine Mühe, sich von den düstereren Aspekten der MAGA-Bewegung zu distanzieren. „Amerika ist für Amerikaner und nur für Amerikaner“, so Trump-Berater Stephen Miller. Ein anderer Redner verglich das US-Territorium Puerto Rico mit „Müll“. Und ein Jugendfreund des Ex-Präsidenten nannte Kamala Harris den „Antichrist“. Ein Schwenk in die Mitte war die Kundgebung nicht.
Unabhängig vom Wahlausgang – in einer Hinsicht war Trumps Auftritt für seine Kampagne in jedem Fall ein Erfolg: Die Veranstaltung ermöglichte es dem Wahlkampfteam, auf den letzten Metern noch einmal im großen Stil frische Großspenden einzusammeln, um den Cash-Rückstand auf die Demokraten noch ein Stück weit zu verkleinern. Team Trump bot Geldgebern exklusiven Backstage-Zugang zu dem Event an, von der „President’s Club Experience“ für eine Zuwendung in Höhe von 5000 Dollar bis hin zur „Ultra MAGA Experience“ für 924.600 Dollar. Die Tickets für die normalen Zuschauer waren gleichwohl kostenlos.
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