Leben mit Aktien: Wie „klumpig“ ist der Dax?
MSCI, S&P, Moody’s & Co: Die (un)heimlichen Machtfaktoren der Börse
SAP ist zu erfolgreich für den Dax: Der Tech-Riese ist das erste Unternehmen, das die 15-Prozent-Grenze für Einzelwerte im Index sprengt. Diese gilt in aktueller Form erst seit März 2024, vorher lag das Maximum für Einzelwerte im Dax bei zehn Prozent. Die Kappungsgrenze soll verhindern, dass einzelne Aktien den Index dominieren. Trotz Anhebung vor wenigen Monaten wird sie nun aber vom Softwarekonzern aus Walldorf gerissen.
Investor Christian W. Röhl erklärt im Podcast „Leben mit Aktien“, was passiert, wenn der Börsenwert von SAP bis zur nächsten turnusmäßigen Überprüfung des Dax nicht sinkt: „Dann müssten Dax-ETFs etwa fünf Prozent ihrer SAP-Position verkaufen, damit der Cap eingehalten wird.“ Am 4. Dezember überprüft die Deutsche Börse das nächste Mal die Indexzusammensetzung und passt gegebenenfalls die Gewichtung einzelner Werte an.
Schwergewichte treiben Indizes
Wie riskant sind Klumpen in Indizes? Das globale Industrieländer-Barometer MSCI World hat zuletzt von seinen Tech-Giganten Apple, Microsoft und Nvidia stark profitiert, sie zogen den gesamten Index mit nach oben. Im MSCI World gibt es keine Kappungsgrenze. Den höchsten Anteil am Index hat derzeit Apple mit rund fünf Prozent. Das ist weit entfernt von den mehr als 15 Prozent, die SAP im Dax hat.
Dennoch wird dem MSCI World sein Klumpenrisiko weitaus häufiger vorgeworfen. Der USA-Anteil von rund 70 Prozent im Index ist einer der häufigsten Kritikpunkte. Dabei haben die Top Ten in diesem Index „nur“ rund 24 Prozent Gewicht. Zum Vergleich: Die Top-Ten-Werte im Dax machen zusammengenommen mehr als 60 Prozent des Index aus.
Allerdings enthält der MSCI World eben auch viel mehr Werte als der Dax. Mehr als 1400 sind es. Mit Blick auf die Gesamtzahl haben hier 0,71 Prozent der enthaltenen Aktien 24 Prozent Gewicht. Das ist nicht wenig. Ob es auch ein Problem ist, hängt indes vor allem davon ab, welche weitere Entwicklung Anleger den Top-Werten zutrauen.
Im US-amerikanischen Leitindex S&P 500 liegt der Anteil der Top-Ten-Werte noch einmal zehn Prozentpunkte höher als im MSCI World. Die zehn größten der 500 enthaltenen Unternehmen, also zwei Prozent aller Indexmitglieder, haben ein Gewicht von 34 Prozent. Immerhin: Nicht ganz so viel wie im Dax.
Der deutsche Klumpen
Die Kappungsgrenze für Einzelwerte kann das Klumpenrisiko im Dax kaum senken. Prozentual gesehen hat der deutsche Leitindex trotz Cap ein größeres Klumpenrisiko als breitere Indizes ohne Obergrenze. Klar: Mit seinen nur rund 40 Werten ist der Dax automatisch weniger breit gestreut als ein Index mit 500 oder gar mit mehr als 1400 Werten. Einzelne Schwergewichte machen sich dann automatisch viel stärker bemerkbar.
Auch mit Blick auf die enthaltenen Branchen ist der Dax relativ wenig diversifiziert: Mit rund einem Viertel Industrieunternehmen und fast einem Fünftel Finanzdienstleistern ist schon fast die Hälfte des Index abgedeckt. Danach folgen mit rund 18 Prozent Technologieunternehmen. Versorger und Energie sind mit jeweils nur rund drei Prozent die Schlusslichter. Das aber ist weniger ein Problem des Dax – und mehr ein Problem der deutschen Wirtschaft: Die benötigt schlicht mehr große, börsennotierte und gut laufende Unternehmen mit hohem Streubesitz. Dann sähe auch der Dax anders aus.
Mehr zu den Klumpenrisiken im Dax, der Macht von Index-Providern und Ratingagenturen und darüber, ob die Flugtaxis von Lilium vielleicht doch Staatshilfe hätten bekommen sollen, erfahren Sie in der aktuellen Folge von „Leben mit Aktien“.
