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Krise bei VWSo meistern Sie den Sparkurs

Der Management-Moment der Woche: Der VW-Betriebsrat macht gegen die Sparpläne des Managements mobil – und der Vorstand hält sich bedeckt. Warum Kommunikation zentral ist, wenn Jobs auf dem Spiel stehen.Dominik Reintjes 03.11.2024 - 08:43 Uhr

Ein Beschäftigter von Volkswagen steht auf einer Infoveranstaltung des Betriebsrates in Zwickau.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Das ist passiert

Volkswagen will offenbar mindestens drei Werke schließen und Zehntausende Mitarbeiter entlassen. So der Plan des Vorstands. Den verkündeten allerdings nicht die obersten Managerinnen und Manager des Konzerns – sondern Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Und zwar mit derben Worten: Der Vorstand habe, so sagte sie Anfang der Woche, „alles in Flammen gesetzt“. Cavallo erkannte in den Maßnahmen die klare Absicht, Standortregionen „ausbluten zu lassen“ und Beschäftigte „in die Massenarbeitslosigkeit“ zu schicken. Und das VW-Management? Blieb überraschend still.

Das können Sie daraus lernen

1. Zeigen Sie: „Wir haben das schon mal geschafft.“

„Ein völliges Desaster“ nennt Ralf Lanwehr die Kommunikation bei Volkswagen. Einsparungen hält der Managementprofessor an der Fachhochschule Südwestfalen bei dem Autokonzern zwar für unerlässlich. Dabei sollte der Vorstand allerdings viel stärker die Ängste der Belegschaft im Blick nehmen. „Der Job prägt unsere soziale Identität. Veränderungen nehmen viele Menschen erstmal als Angriff auf das Selbstbild wahr“, erläutert Lanwehr.

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von Dominik Reintjes

Manager sollten einen Stellenabbau deshalb in vergangene und bereits bewältigte Krisen einordnen. Nach dem Motto „Wir haben viele harte Einschläge erlebt – und doch sind wir da immer rausgekommen. Und wir sind überzeugt, dass das auch dieses Mal klappt!“ Im Fall von Volkswagen wäre also der Dieselskandal erwähnenswert – oder die Unternehmenskrise in den frühen 2000er-Jahren, als der Gewinn um mehr als 50 Prozent einbrach.

2. Verdeutlichen Sie den Kontext – und mögliche Konsequenzen!

Yurda Burghardt, Verhandlungsexpertin bei der Beratung NAG, rät dazu, die Notwendigkeit eines Stellenabbaus klar zu benennen, um bei der Belegschaft Verständnis für die Einschnitte zu schaffen. Die Botschaft bei VW könnte also auch lauten: „Wenn wir die bestehenden Strukturen jetzt zementieren, sind in Zukunft noch mehr Jobs in Gefahr.“ Das Management sollte verdeutlichen, wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Konkurrenten aus China und anderen Ländern sind. „Und dass VW um sein blankes Überleben kämpft“, sagt Burghardt. „Sie müssen als Chef in einer solchen Situation unheimlich viel erklären – und das tut der Vorstand bislang nicht ausreichend.“

Der Job prägt unsere soziale Identität. Veränderungen nehmen viele Menschen als Angriff auf das Selbstbild wahr
Ralf Lanwehr, Managementprofessor

3. Bleiben Sie als Führungskraft ansprechbar!

Gerade bei den direkten Vorgesetzten kommt in solchen Sparrunden viel Wut und Ärger an. Sie sind in ihrem Team schließlich das Sprachrohr des Managements, müssen Fragen beantworten, Kritik annehmen. „Natürlich macht das als Führungskraft keinen Spaß. Aber das müssen Sie aushalten“, betont Ralf Lanwehr. „Sie dürfen nicht den Fehler machen, sich dann nicht mehr blicken zu lassen.“ Stattdessen sollten sich die Chefs Zeit freischaufeln – und diese den Menschen widmen, die womöglich ihre Stelle verlieren.

Auch sollten sich Führungskräfte nicht auf die Seite des Betriebsrats schlagen. Ein Abteilungsleiter, der selbst auf den idiotischen Vorstand, dessen fehlende Strategie und Sensibilität schimpft, kann zwar den Ärger seiner Mitarbeiter leicht kanalisieren und vermeintlich selbst aus der Schussbahn treten. „Sie unterminieren aber auch das Vertrauen ins Unternehmen. Das ist die falsche Taktik“, sagt Lanwehr.

Und wenn die Führungskräfte selbst kaum mehr über die Pläne des Vorstands wissen als die Mitarbeiter? „Dann würde ich damit offen umgehen – und das auch zugeben“, sagt Lanwehr. „Wenn mir die Leute vertrauen und mir abnehmen sollen, dass ich mich für sie einsetze, muss ich Verletzlichkeit zulassen.“ Immerhin gibt es auch noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht gehen müssen. „Und die achten genau darauf, wie mit ihren Kollegen umgegangen wird, die es trifft“, sagt Lanwehr.

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