Top-Ökonom zu den US-Wahlen 2024: „Es wird auf jeden Fall dreckig“
Donald Trump starrt in die Kamera.
Foto: dpa Picture-AllianceDonald Trump wird zum zweiten Mal Präsident der USA. Was folgt wirtschaftspolitisch daraus? Die schwerwiegendsten Konsequenzen des Wahlergebnisses sind „die Zölle und Trumps Feindlichkeit gegenüber dem internationalen Handel“, fasst Rüdiger Bachmann im Gespräch mit der WirtschaftsWoche zusammen. Er ist deutscher Professor für Makroökonomie an der Notre Dame Universität in den USA.
Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, Universalzölle in Höhe von 10 Prozent verhängen zu wollen. Importe aus China will er mit 60 Prozent besteuern. Bisher waren Zölle auf bestimmte Warengruppen begrenzt, wie auf Aluminium und Stahl oder Elektroautos. Aktuell erheben die USA einen Zoll in Höhe von 100 Prozent auf chinesische Elektroautos. Auch die Europäische Union hatte vergangene Woche Zölle gegenüber chinesischen Elektroautos verabschiedet – gegen Widerstand aus Deutschland.
Verhängt die künftige US-Regierung weitere Zölle, hätte das dramatische Folgen für den internationalen Handel. Der Welthandel könnte durch Zolleinführungen im ersten Jahr um 2,5 Prozent schrumpfen, mit einem langfristigen Rückgang von etwa 3 Prozent, schätzt das Institut für Weltwirtschaft in Kiel – für das ohnehin schon schwächelnde Exportland Deutschland ein weiterer Schlag.
Rüdiger Bachmann
Foto: imago imagesGefahr für Vergeltungszölle steigt
„Die Einführung hoher Universalzölle würde ja zu Zweit- und Drittrundeneffekten führen“, erklärt Bachmann. Das hänge davon ab, wie der Rest der Welt reagiert. Würden Politiker erst mal auf den Geschmack kommen, könnten sie auch gegenüber Europa vermehrt Zölle verhängen. Einerseits.
Andererseits: „Wenn die USA die Mauern hochziehen, hätten manche Länder einen Anreiz, den Freihandel mit Europa zu verstärken.“ Womöglich würde das blockierte Mercosur-Abkommen der EU mit Südamerika neuen Schwung bekommen. Das könnte die Folgen auch für Deutschland wieder abschwächen.
Auf vier weitere Jahre Trump blickt Bachmann in düsterer Stimmung: „Wenn man Trump wörtlich nimmt und er seine Ankündigungen wirklich umsetzt, wäre das natürlich eine Katastrophe für Europa, besonders für Deutschland als Exportland.“ Der Ökonom sieht vor allem die Gefahr, dass ein Präsident Trump den Freihandel noch weiter einschränken würde, als nur mit Zöllen. „Wenn Trump wirklich ernst macht, dann muss es nicht bei Importzöllen und -beschränkungen bleiben.“ Er könne auch Kapitalkontrollen einführen oder amerikanischen Firmen vorschreiben, sie dürfen nur noch unter Auflage in Deutschland investieren. „Das Arsenal der Folterinstrumente ist da unbegrenzt, für einen der verrückt genug ist, das durchzuziehen.“
Mehrheiten im US-Kongress entscheidend
Gleichzeitig betont Bachmann, man könne die Handlungen des Politikers Trump schlecht vorhersagen. „Sollte das Repräsentantenhaus in demokratischer Hand kommen, wären die Möglichkeiten von Donald Trump schon etwas eingeschränkt.“ Aktuellen Prognosen zufolge liegen allerdings die Republikaner auch in den Kongresswahlen vorne:
Auf die USA gehen ein großer Teil der Direktinvestitionen in Deutschland zurück. Auch die könnten sich unter einem höheren Zolldruck verändern: „Die Direktinvestitionen könnten sogar zulegen, denn dann wollen Unternehmen Handel vermeiden und vor Ort produzieren.“ Das gelte auch in die andere Richtung: Deutsche Unternehmen würden ebenfalls vermehrt in Produktionsstätten in den USA investieren, um hinter der Zollschranke zu bleiben.
Im Wahlkampf hatte Donald Trump außerdem angekündigt, sich in die Politik der Zentralbank einmischen zu wollen. Verliert die Federal Reserve (Fed) das Vertrauen der Märkte und Konsumenten, für stabile Preise zu sorgen, würde die Unsicherheit bis nach Deutschland wirken.
„Die Unabhängigkeit der Fed ist ja in einem Gesetz geregelt, das würde auch ein republikanisch dominierter Senat nicht ändern“, erklärt Ökonom Bachmann. „Trotzdem kann Trump der Fed das Leben so schwer machen, dass ihre Unabhängigkeit faktisch nicht mehr funktioniert.“
Konkret heißt das: Der aktuelle US-Notenbank Chef Jerome Powell ist bis Mitte 2026 im Amt. Das ist mitten in der künftigen Trump-Amtszeit. „Dann kann Trump die Position mit einem seiner Aktien- oder Bitcointypen besetzen“, vermutet Bachmann. Letztendlich käme es darauf an, wie viel Rückgrat die republikanischen Senatoren noch haben.
Bachmanns Ausblick ist jedenfalls alles andere als optimistisch: „Es wird auf jeden Fall dreckig.“
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