Edelmetallmesse: Die drei großen Treiber des Goldpreises
Die Wahl Donald Trumps dürfte sowohl positive, als auch negative Auswirkungen auf den Goldpreis haben.
In der Goldszene ist dieser Tage eine leichte kognitive Dissonanz zu spüren. Schuld daran ist der Wahlsieg von Donald Trump. Einerseits ist Trump in den Augen der eher konservativen Goldinvestoren und -händler die bessere Wahl als Kamala Harris. Andererseits dürfte die Verschuldung der USA unter ihm rasant weiterwachsen, und Staatsschulden mag man hier nicht. Dann wiederum wird die wachsende Verschuldung die Inflation in die Höhe treiben, das stützt auf lange Sicht den Goldpreis. Mit kleineren geistigen Verrenkungen ist ein Präsident Trump also doch wieder gut. Auch wenn es mit dem Goldpreis seit Trumps Sieg abwärts geht.
Kurz nach Trumps Wahlsieg trafen sich in München Gold-Fans und Rohstofffreunde zur jährlichen Edelmetallmesse. Manchen gilt sie als Treffen von Verschwörungsideologen und Verrückten. Ganz falsch ist das nicht, aber auch nicht ganz fair, denn verrückt sind hier nur sehr wenige. Und dafür, dass das Thema Gold traditionell auch Verrückte anzieht, können ja weder Gold noch der Veranstalter etwas. Neutral ausgedrückt findet man bei dem Event Einschätzungen, die vom Konsens abweichen.
Bunker in den Alpen
Auch die Geschäftsmodelle der in München vertretenden Vortragenden sind teils etwas speziell. Da ist etwa Egon von Greyerz: Das von ihm gegründete Unternehmen Von Greyerz (früher Matterhorn Asset Management) unterhält den größten privaten Goldbunker der Welt, tief in einem Berg irgendwo in den Schweizer Alpen gelegen, geschützt vor biologischen und chemischen Attacken und Atomwaffenangriffen. Privates Rollfeld inklusive, damit die vermögende Kundschaft im Fall eines Atomkriegs zu ihrem Goldvorrat jetten kann.
Für Geschäftsleute wie von Greyerz dürften sich Zweifel an einer positiven Preisentwicklung von Gold schon qua Beruf verbieten. Die aktuelle Korrektur beim Goldpreis werde nicht lange anhalten, ist der Unternehmer denn auch überzeugt. Dass sein Geschäft das Bunkern von Gold ist, muss umgekehrt aber nicht heißen, dass seine optimistische Einschätzung falsch wäre. Einiges spricht dafür, dass sich der langfristige Aufwärtstrend beim Gold fortsetzt.
Dass Anleger nach einem Allzeithoch wie Mitte Oktober Gewinne mitnehmen, ist normal. Die drei großen Treiber des Goldpreises bleiben intakt: Erstens decken sich immer mehr Zentralbanken mit Gold ein. 71 Prozent der Notenbanken betrachteten im vergangenen Jahr Gold als strategisches Asset. Im Jahr 2019 sahen das nur 15 Prozent von ihnen so. Zweitens wächst in den Schwellenländern das Interesse an dem Edelmetall. Drittens wird es als Wertspeicher umso interessanter, je größer die Bedrohung durch die Inflation ist. Und die wachsende Verschuldung von Staaten rund um den Globus dürfte die Inflation langfristig steigen lassen.
Wette gegen die Wall Street
Nicht nur Gold, auch Aktien sind Sachwerte, mit denen Anleger Renditen oberhalb der Inflationsrate erzielen können. Auf der Messe in München hat man nichts gegen Aktien, hegt aber ein gewisses Misstrauen gegenüber der starken Entwicklung von US-Titeln und ihren hohen Bewertungen. Der Investor Marc Faber, mit einem Videovortrag zugeschaltet, rechnet, ebenso wie andere Profi-Anleger vor Ort, mit einer Korrektur. Die müsse, so der Tenor, nicht gerade übermorgen kommen. Aber früher oder später eben doch.
In den vergangenen Jahren hätten Anleger ohne US-Werte im Depot hohe Kursgewinne verpasst. Trotz schon damals hoher Bewertungen ging es kräftig aufwärts. Man kann es also für gewagt halten, jetzt gegen die Wall Street zu wetten. Faber, Verfasser des „Gloom, Boom & Doom“-Reports, ist allerdings nicht als meinungsscheu bekannt. Statt zu US-Aktien rät er zu europäischen Substanzwerten, chinesischen Aktien sowie Titeln aus Lateinamerika und anderen Schwellenländern – und zu Edelmetallen. Gold hält Faber indes für „etwas überkauft“: Er findet Platin jetzt interessanter.
Ob Faber mit seiner Anlagestrategie richtig positioniert ist, wird sich zeigen. Wer US-Techwerte im Depot hat, wäre jetzt wohl schlecht beraten, sie zu verkaufen und alles in Gold zu stecken. Allerdings: Ist die Euphorie an den Börsen so groß wie jetzt, ist es nicht verkehrt, vom Konsens abweichende Meinungen zumindest in Betracht zu ziehen. Und sich womöglich mit einem kleinen Teil seines Kapitals auch für ein anderes Szenario als das Basisszenario der Wall Street zu positionieren.
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