1. Startseite
  2. Technologie
  3. Digitale Welt
  4. Künstliche Intelligenz: Deutschland fällt im KI-Wettbewerb zurück

Stanford-StudieDeutschland fällt im KI-Wettbewerb zurück

Noch hält sich Deutschland bei Künstlicher Intelligenz international unter den Top Ten. Doch im globalen Vergleich fällt das Land zurück, zeigt eine Studie.Matthias Hohensee 21.11.2024 - 14:23 Uhr
Foto: Getty Images, Marcel Reyle

Bei den Investitionen kann Deutschland zwar mit den KI-Supermächten USA und China nicht mithalten. Aber dank signifikanter Forschung und Führung bei KI-Modellen, die der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stehen, schafft es Deutschland unter die ersten zehn Nationen, die führend bei der Entwicklung und beim Einsatz Künstlicher Intelligenz sind. Allerdings hat Deutschland an Boden verloren, wurde im vergangenen Jahr von Frankreich und Südkorea überholt.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Stanford Institute for Human Centered AI. Das interdisziplinäre Institut der Silicon-Valley-Eliteuniversität wurde vor fünf Jahren gegründet, um die Entwicklung von KI und deren verantwortungsvollen Einsatz zu begleiten und voranzutreiben. Es gibt mehrere Erhebungen heraus, welche die Entwicklung von KI weltweit messen und vergleichen.

Die am Donnerstag veröffentlichte Version des sogenannten „Global AI Vibrancy Tool“ vergleicht den Fortschritt von 36 Nationen bei KI miteinander, wobei Forschung und Entwicklung sowie der wirtschaftliche Rahmen wie Investitionen, Infrastruktur und Anwendung in Unternehmen und Behörden am stärksten gewichtet werden. Da KI als künftiger Wachstumsmotor und auch als Zeichen geopolitischer Stärke gilt, ist der Vergleich nicht nur für Investoren, sondern auch für Politiker wichtig. Die USA beispielsweise versuchen ganz gezielt, den Fortschritt von China bei KI auszubremsen, beispielsweise durch Exportverbote von mit westlicher Technologie entwickelten Hochleistungsprozessoren.

Schneller schlau: KI
Künstliche Intelligenz bezeichnet meist Anwendungen auf Basis maschinellen Lernens, bei denen eine Software große Datenmengen nach Übereinstimmungen durchforstet und daraus Schlussfolgerungen zieht. Damit können menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität imitiert werden. Maschinen können so beispielsweise ihre Umwelt wahrnehmen und auf sie reagieren.KI wird schon jetzt in vielen Bereichen eingesetzt. Zum Beispiel können solche Programme Aufnahmen von Computertomografen schneller und mit einer höheren Genauigkeit als Menschen auswerten. Selbstfahrende Autos wiederum versuchen, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer vorherzusagen. Chatbots oder automatische Playlists von Streaming-Diensten arbeiten ebenfalls mit KI.

USA an der Spitze

Noch dominieren die USA beim Thema KI unangefochten. Laut der Stanford-Studie liegen sie global auf Platz eins, vor allem weil dort die international bekanntesten Modelle für KI entwickelt werden, durch Unternehmen wie OpenAI, Meta, Google oder Microsoft. Aber auch durch Chipspezialisten wie Nvidia, AMD und Intel, die auch bei KI-Modellen aktiv sind.

Hinzu kommt, dass viele der bei KI führenden Universitäten ihren Sitz in den USA haben. Hierzu zählt das MIT, Stanford oder Carnegie Mellon. Das wiederum zieht die höchsten privaten Investitionen in KI an. Entgegen ihrem Ruf sind die USA laut den Stanford-Forschern auch weltweit führend bei Veröffentlichungen zum Thema verantwortungsvoller KI.

In der Gesamtschau folgt China in der Rangliste auf Platz zwei, getragen vor allem durch Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2023 führte China weltweit bei Publikationen im Bereich KI. Zu verdanken haben sie das wissenschaftlichen Leuchttürmen wie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Tsinghua Universität. Hinzu kommen Unternehmen wie der Suchmaschinenbetreiber Baidu, die bedeutende große Sprachmodelle entwickelt haben.

Überraschend ist jedoch der klare Abstand zwischen den USA und China. Die Studie bescheinigt den Amerikanern einen „Global Vibrancy“-Wert von 70, das sind fast doppelt so viele Punkte wie im Reich der Mitte, das auf 36 kommt. Das war nicht immer so. Im Jahr 2017 lagen die beiden Nationen in punkto Forschung und Entwicklung sowie Investitionen noch gleichauf. 2018 setzten sich die USA ab und haben seitdem ihre Führung ausgebaut.

Das liegt vor allem an den Investitionen. Im vergangenen Jahr strömten in den USA rund 67,2 Milliarden Dollar in KI, während es in China nur 7,7 Milliarden Dollar waren. Zugleich bauten die USA ihre Führung bei international signifikanten Modellen für maschinelles Lernen aus: Im vergangenen Jahr wurden 61 Modelle vorgestellt, während es in China nur 15 waren.

Jahreszahlen

Kann Siemens das schaffen, die schöne neue digitale Welt?

von Philipp Mattheis

Doch es ist absehbar, dass sich die Kluft zwischen China und den USA verringern wird. Bei der Vergabe von KI-Patenten ist das Reich der Mitte bereits Weltspitze, hat fast dreimal so viel Patente wie die USA erteilt.

Offen ist auch, wie sich die KI-Gesetzgebung langfristig auf die Wettbewerbsstärke auswirkt. Hier gibt es eine hitzig geführte Debatte, ob zu viel Regulierung die Innovation ausbremst oder aber Unternehmen hilft, weil so klare rechtliche Regeln für die Entwicklung und den Einsatz von KI geschaffen werden. Geht man nach der Stanford-Studie, scheint zumindest momentan letzteres der Fall zu sein. Denn während in den USA zwischen 2017 und 2023 insgesamt 23 Gesetze verabschiedet wurden, die sich auf die Regulierung auf KI bezogen, waren es in China nur drei.

Deutschland rutscht ab

Die erste europäische Nation schafft es immerhin auf Platz drei der globalen Rangliste: Großbritannien. Das Königreich punktet mit führenden Universitäten wie Oxford und Cambridge sowie dem Imperial College. Auch mit der Google-Tochter Deepmind aus London, die global an der Spitze der KI-Forschung innerhalb von Unternehmen steht. Auf Platz vier folgt Indien, bekannt für seine Informatik-Talente. Die Studie hebt eine starke KI-Forschergemeinde sowie die Anzahl der GitHub-Projekte hervor, bei denen Indien weltweit auf Platz zwei liegt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen Rang fünf ein, dank des gezielten Anwerbens von internationalen Spitzenforschern, darunter auch vielen Frauen, hohen Investitionen sowie einer hohen Internet-Geschwindigkeit. Hilfreich sind hier auch die günstigen Energiepreise für Rechenzentren.

In Europa hat es neben Großbritannien auch Frankreich geschafft, sich auf der Rangliste noch vor Deutschland zu schieben, unter anderem dank seines nationalen KI-Champions Mistral aus Paris.

Deutschland findet sich erst auf Rang acht, vor Südkorea. Damit ist es im Vergleich zum Jahr 2022 um zwei Plätze zurückgefallen. Vorbildlich ist Deutschland laut den Stanford-Experten vor allem bei KI-Forschung, der Zahl seiner Beschäftigten mit KI-Erfahrung, Modellen für maschinelles Lernen sowie bei Veröffentlichungen zum verantwortungsvollen Einsatz von KI. Bei signifikanten Modellen für maschinelles Lernen liegt Deutschland weltweit auf Platz vier.

Bei privaten KI-Investitionen kann die Bundesrepublik zwar mit den USA und China nicht mithalten, liegt aber international mit 1,9 Milliarden Dollar immerhin an vierter Stelle. Zum Vergleich: Großbritannien konnte im vergangenen Jahr doppelt so viel mobilisieren. Über ein Jahrzehnt summiert sich dieser Nachteil. Private Investoren steckten in den USA zwischen 2013 und 2023 rund 335 Milliarden Dollar in KI-Projekte, in China waren es immerhin 103 Milliarden Dollar. In Deutschland waren es hingegen im gleichen Zeitraum nur 10,3 Milliarden Dollar. Hinzu kommt, dass es – vielleicht mit Ausnahme von Aleph Alpha – noch an international bekannten KI-Start-ups mangelt.

Doch die Stanford-Studie macht auch klar, dass es darauf ankommt, welchen Maßstab man anlegt: Wird die KI-Wettbewerbsstärke pro Einwohner gemessen, ergibt sich in der internationalen Rangliste ein anderes Bild. Dann liegt das Großherzogtum Luxemburg international auf Platz eins, gefolgt von Singapur und den USA. China schafft es in diesem Vergleich noch nicht einmal unter die ersten zehn.

Lesen Sie auch: KI in der Medizin – fragen Sie Ihren Arzt oder Algorithmus

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick