COP29: Fünf Grafiken zeigen, worüber sich die Welt auf der Klimakonferenz streitet
Bezahlt endlich! Ein Umweltaktivist protestiert auf der COP29-Klimakonferenz. Auf dem Klebeband steht geschrieben: „Pay up“.
Foto: REUTERS„An alle, die darüber nachdenken, die Uhr zurückzudrehen: Seid gewarnt.“, sagte Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt und Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik, auf der Weltklimakonferenz am vergangenen Mittwoch. Gemeint fühlen dürfte sich da vor allem der baldige US-Präsident Donald Trump, der zum wiederholten Mal aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen will, und Länder wie Saudi-Arabien, die ambitionierte Klimaziele auf der Klimakonferenz ausbremsen.
Morgan beschreibt die Lösungen für die Klimakrise als größte wirtschaftliche Chance dieser Generation. Die Teilnehmer der Weltklimakonferenz in Baku müssen dafür aber erst noch ein paar Hindernisse aus dem Weg räumen: Denn neben der entscheidenden Frage, welches Land wie schnell seine Emissionen senken muss, diskutiert die Weltgemeinschaft auf offener Bühne gerade intensiv die zweitwichtigste Frage: Wer zahlt?
Bis 2020 hatten sich die Industrienationen vorgenommen, Entwicklungsländern insgesamt 100 Milliarden Dollar jährlich bereitzustellen, damit diese, beispielsweise, in Erneuerbare Energien investieren. Der Erfolg kam zwei Jahre zu spät: 2022 hatten die Industrieländer die Summe erstmals erreicht. Auf der COP29 geht es nun um ein neues Finanzierungsziel, das deutlich höher liegen soll. So fordern es die Entwicklungsländer.
Die Frage nach dem Geld
Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag der Europäischen Union, die Zielmarke auf 200 bis 300 Milliarden Dollar zu erhöhen. Die Entwicklungsländer hatten ursprünglich an über eine Billion Dollar gedacht. Wie eine Einigung aussehen könnte, ist noch unklar.
Bei diesen Summen handelt es sich um direkte staatliche Zahlungen an Entwicklungsländer, um Zuwendungen an multilaterale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Weltbank sowie um Darlehen und Anreizprogramme, die private Investitionen in Gang bringen sollen. In Deutschland läuft Letzteres über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.
Ein weiterer Grund, warum die Verhandlungen so schwierig sind, ist die Rolle Chinas. Als die Klimaverhandlungen vor drei Jahrzehnten losgingen, gehörte China zu den Entwicklungsländern. Das hat sich geändert.
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist zwar immer noch nicht auf dem Niveau westlicher Industriestaaten, die Emissionen je Einwohner sind es aber schon. Rechnet man alle Emissionen zusammen, hat China die EU mittlerweile überholt. Deswegen fordern die USA und die Europäische Union, dass sich China stärker finanziell beteiligen muss. Vertreter der Volksrepublik lehnen das ab. Unklar ist auch, wie realistisch hohe Ziele sind, sollten sich die USA aus der internationalen Klimafinanzierung zurückziehen.
Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund statt, dass CO2-Emissionen zwar langsamer wachsen, aber weiterhin steigen. Einem Bericht des Global Carbon Projekts zufolge werden sich die weltweiten Emissionen in diesem Jahr im Vergleich zu 2023 um 0,8 Prozent erhöhen. Die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren lagen bei über einem Prozent. Um die Klimaziele einzuhalten, ist es wichtig, dass die Wachstumsraten möglichst schnell negativ werden. Der Weltklimarat (IPCC) betont, dass die Trendwende spätestens 2025 eintreten sollte.
Warten auf die Trendwende
In China sind die Emissionen um 0,2 Prozent gestiegen, während die USA leichte und die europäischen Mitgliedsländer deutliche Emissionssenkungen vorweisen können. Auch Emissionen in der internationalen Luft- und Schifffahrt haben 2024 voraussichtlich um knapp acht Prozent zugenommen, bleiben aber unter dem Niveau von 2019.
2024 wird Prognosen zufolge das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und das erste Jahr mit einer Erderwärmung von über 1,5 Grad im Vergleich zum prä-industriellen Zeitalter, berichtet die Weltorganisation für Meteorologie (WOM). Das heiße nicht, die Ziele des Pariser Klimaabkommens seien gescheitert, betonte Celeste Saulo, Generalsekretär der WOM zu Beginn der COP29. Das Abkommen beziehe sich auf die langfristigen, nicht die jährlichen, Durchschnittstemperaturen.
China baut Energie aus Sonne und Kohle aus
Ein weiterer Streitpunkt in Baku ist die Formulierung „von den fossilen Brennstoffen weg transformieren“. Aus deutscher Perspektive ist das schwer nachzuvollziehen, schließlich ist das die Messlatte der europäischen Klimapolitik. Länder wie Saudi-Arabien und die Arabischen Emirate hingegen wehren sich gegen diesen Wortlaut. So sagte der Chef von Saudi Aramco, dem größten Erdölunternehmen der Welt, auf einer Konferenz im März: „Wir sollten die Fantasie aufgeben, aus Öl und Gas auszusteigen.“
Dabei legt der Ausbau der Erneuerbaren Energien rasant zu. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird China die Hälfte aller erneuerbaren Erzeugungskapazitäten stellen, prognostiziert die Internationale Energieagentur. Demnach werden in den nächsten Jahren 2,6-mal so viele erneuerbare Kapazitäten aufgebaut wie in den vergangenen sechs Jahren.
Auch die EU hat sich hohe Ziele gesetzt. In den nächsten sechs Jahren sollen die Energieerzeugungskapazitäten auf 42 Prozent steigen, von aktuell 24 Prozent.
Dafür müsste die Ausbaurate allerdings deutlich steigen.
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