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Streit zwischen Jacobs und EdekaWarum Kaffee immer teurer wird

Die Kaffee-Börsenpreise steigen seit Monaten auf Rekordhöhen – nun spüren das auch Verbraucher in den Supermärkten. Doch das Schlimmste steht noch bevor.Stephan Knieps 21.01.2025 - 16:26 Uhr
Foto: dpa Picture-Alliance

Das beliebteste Getränk der Deutschen, der Kaffee, ist so teuer wie seit 50 Jahren nicht mehr. Dafür ist es fast schon erstaunlich, dass es bislang nur einen einzigen Preis-Streit gibt zwischen Hersteller und Händler – zumindest nur einen, von dem die Öffentlichkeit weiß. Vergangene Woche sollen laut einem Zeitungsbericht die Verhandlungen zwischen dem weltgrößten Kaffee- und Tee-Hersteller Jacobs Douwe Egberts Peet's (JDE) und der Supermarktkette Edeka eskaliert sein. Es ging, natürlich, ums Geld. Folge des Streits: JDE wird Edeka vorerst nicht weiter beliefern mit seinem Kaffee der Marken Jacobs, Senseo und Tassimo.

Es spricht einiges dafür, dass der Kaffee in nächster Zeit weitere Hersteller-Händler-Beziehungen strapazieren wird.

Zwar kommt es immer wieder vor, dass Hersteller und Händler um Preise streiten, und dabei auch mal mit Liefer- oder Verkaufsstopps drohen. So hat etwa Rewe im Herbst 2022 die Produkte der Cornflakes-Marke Kellogg’s aus dem Sortiment entfernt – bis heute. Edeka verbannte 2022 auch alle Getränke von Pepsi aus seinen Läden und stritt sich mit Milka-Produzent Mondelez – mit der Folge, dass die lila Schokoladentafeln zweimal für mehrere Wochen bei Edeka nicht gelistet waren. 

Solche Konflikte drehen sich meist um zwei Fragen: Inwieweit teilen sich beide Parteien gestiegene Preise untereinander auf? Und wer ist mehr auf wen angewiesen: die Supermarktkette auf die Marken-Produkte – oder der Hersteller auf den Absatzkanal? Doch auf Kaffee wird kein Supermarkt verzichten können. Dafür trinken ihn die Deutschen einfach zu gerne.

„Dass beide Hauptsorten so immens gestiegen sind, habe ich noch nie erlebt.“

Das Problem: Die Preise für Rohkaffee steigen und steigen – und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sie sich weiter nach oben entwickeln werden. Wegen der Klimakrise dürfte die Produktion mittelfristig zurückgehen. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung von 2022 ist bis zum Jahr 2050 etwa die Hälfte der weltweiten Anbaufläche der Kaffeesorte Arabica bedroht. Neben Arabica ist die Sorte Robusta besonders bedeutend. das schrumpfende Angebot trifft auf eine weltweit wachsende Nachfrage. Vor allem in China und Indien rechnen Branchenexperten mit erhöhtem Bedarf. „Die aktuellen Preise am Weltmarkt sind wirklich exzeptionell“, sagt ein Brancheninsider mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Kaffeeindustrie: „Dass beide Hauptsorten so immens gestiegen sind, habe ich noch nie erlebt.“

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Arabica macht rund zwei Drittel der Welternte aus, Robusta ein Drittel. Arabica wird überwiegend in Mittel- und Südamerika angebaut (Brasilien, Kolumbien, Costa Rica), Robusta in afrikanischen und asiatischen Ländern (Vietnam, Indonesien, Äthiopien oder Uganda). Gehandelt werden die beiden Sorten vor allem an den beiden wichtigsten Terminmärkten in New York (Arabica) und London (Robusta). Gehandelt wird in US-Cent pro amerikanischem Pfund (ungefähr 0,45 Kilogramm). 

Arabica- und Robusta-Preise steigen

Beide Sorten sind wichtig für die Branche, weil die meisten Röster für ihre Kaffeemischungen Ernten aus beiden Sorten mischen. Und so war es in der Vergangenheit zumeist so, dass sich beide Sorten preislich ausglichen: Stieg der Preis für Arabica, beruhigte sich der Preis für Robusta. Das ist nun anders. In der zweiten Novemberhälfte 2024 explodierten die Kaffeepreise regelrecht: Die Arabica-Preise stiegen in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 109 Prozent und überschritten im November die Marke von 3 US-Dollar pro Pfund – ein Niveau, das seit 1977 nicht mehr erreicht wurde, schreibt die niederländische Rabobank, die auf Lebensmittel und die Agrarindustrie spezialisiert ist. Und die Robusta-Preise brachen alle Rekorde und stiegen allein in den vergangenen fünf Monaten um astronomische 237 Prozent. 

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Es gebe viele Gründe für die außergewöhnlichen Preis-Steigerungen, sagt Analyst Carlos Mera von der Rabo Bank in einem Podcast. In Brasilien, dem weltgrößten Kaffee-Anbauland, gab es „fünf unzufriedenstellende Arabica-Ernten in Folge“, sagt Mera. Grund sind extreme Temperaturschwankungen: Es regnete an den für die empfindlichen Kaffeepflanzen falschen Tagen, und Trockenheit und Dürre kamen auch zur falschen Zeit. Die Ernte fiel deutlich geringer aus. Und in Vietnam, weltweit zweitgrößter Kaffeeproduzent, gab es 2024 starke Überschwemmungen, die Teile der Ernte vernichteten.

Auch politische Gründe für Preissteigerungen

Daneben gebe es politische Erklärungen, sagt Analyst Mera: Europäische Röstereien hätten sich auf die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten vorbereitet, die sicherstellen soll, dass für Rohstoffe wie Kaffee, Kakao, Soja, Holz und Palmöl, die in die EU importiert oder hier hergestellt werden, kein Wald illegal gerodet oder beschädigt wurde. Nachdem sich etliche Unternehmen beschwert hatten, verlängerte die EU-Kommission die Frist um ein Jahr auf Ende Dezember 2025. Doch allein die Aussicht dürfte wohl viele europäische Röster dazu bewogen haben, noch vor der ursprünglichen Frist Ende 2024 möglichst viel Kaffee einzukaufen. Ähnlich dürften laut Mera auch viele US-amerikanische Kaffeeröster gehandelt haben, in Erwartung möglicher neuer Zölle etwa auf Waren aus Mexiko, die der neue US-Präsident Donald Trump auferlegen könnte. Auch das verknappt das Angebot.

Hinzu kommen die sogenannten Huthi-Rebellen, die seit Ende 2023 den Suezkanal faktisch blockieren. Deshalb nehmen fast alle Schiffe, die von Asien oder Ostafrika nach Europa wollen, seit Monaten einen großen Umweg rund um das Horn von Afrika. Giuseppe Lavazza, Verwaltungsratschef des gleichnamigen italienischen Kaffeerösters, klagte vergangenes Jahr im Gespräch mit der WirtschaftsWoche: „Das dauert 20 Tage länger. Allein für die Schiffe zahlen wir nun viermal so viel.“ 

Von Geschäftsabschluss bis Lieferung können Monate vergehen

Doch diese enormen Preiserhöhungen sind für Kunden im Supermarkt bislang noch nicht in vollen Umfang spürbar geworden. Das liegt an den Mechanismen der Branche. An den beiden genannten Börsen in London und New York werden sogenannte Waren-Termingeschäfte abgewickelt. Die dort gehandelten Preise dienen den Kaffee-Bauern und den Röstereien als Orientierung: Beide Parteien einigen sich auf einen bestimmten Preis an Tag X. Jedoch bildet dieser Börsenpreis gewissermaßen bloß einen Durchschnittskaffee ab. Je besser die Qualität des konkret gehandelten Kaffees ist, umso höher ist der Aufschlag gegenüber dem ausgehandelten Börsenpreis. In seltenen Fällen wird auch ein Abschlag auf den Börsenpreis gewährt. 

Im Zuge des Geschäfts wird natürlich auch vereinbart, wie viel Kaffee die Rösterei in welchem Zeitraum bezieht. Zwischen Geschäftsabschluss und Lieferung können aber Wochen, mitunter auch Monate vergehen. Und bis die Bohnen dann geröstet und verpackt sind und in die Supermärkte geliefert werden, vergehen nochmals ein paar Wochen.

Das bedeutet: Für die Verbrauchen stehen die Preiserhöhungen vermutlich erst noch bevor – was wiederum zu mehr Konflikten zwischen Supermärkten und Röstereien führen wird. Johannes Dengler, einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern des Münchner Kaffeerösters Dallmayr (1,2 Milliarden Euro Umsatz), warnte Ende 2024 in einem Zeitungsinterview: „Der Preisschock kommt erst noch“. 

Kaffee-Marktführer in Deutschland sind die Eigenmarken der Supermarktketten und Discounter, die laut Marktforschungsunternehmen Mintel zusammen auf einen Marktanteil von 22,6 Prozent im Einzelhandel kommen. Stärkste Einzelmarke ist Tchibo (Umsatz: 3,2 Milliarden Euro) mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Gleich dahinter kommen die Marken des niederländischen Konzerns Jacobs Douwe Egberts (Umsatz: 8,2 Milliarden Euro) mit 14,8 Prozent Marktanteil.

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Das Hamburger Unternehmen Tchibo, Teil der Beteiligungsgesellschaft Maxingvest, hat erst im April 2024 die Preise im Handel erhöht: je nach Kaffee-Herkunftsland stieg der Preis zwischen 50 Cent und einem Euro pro Pfund Kaffee. Das kann Tchibo deutlich einfacher durchsetzen als andere Röstereien, weil das Hamburger Unternehmen zum einen selbst mehr als 500 Geschäfte betreibt. Und zum anderen spielt Tchibo in allen Supermärkten eine Sonderrolle, denn dort betreiben die Hamburger das sogenannte Kommissionsgeschäft. Das bedeutet: Tchibo verkauft seinen Kaffee (auch den der Marke Eduscho) stets in eigenen Regalen auf eigenen Verkaufsflächen. Der jeweilige Handelspartner übernimmt nur die Abrechnung an der Kasse.

Die Bestückung der Regale und die Preisgestaltung aller Produkte in diesen Regalen übernimmt aber Tchibo. Zähe Preis-Verhandlungen mit Edeka, Rewe, Penny oder Netto hat Tchibo also nicht zu befürchten. Gut für Tchibo – aber nicht unbedingt gut für die Verbraucher.

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