Projekt Stargate: Donald Trumps KI-Club zementiert die Machtverhältnisse
OpenAI-Chef Sam Altman (links) will gemeinsam mit Softbank-CEO Masayoshi Son und Oracle-Gründer Larry Ellison in den KI-Standort USA investieren. Geschätztes Gesamtvermögen der drei Unternehmer: 237 Milliarden Dollar.
Foto: LaifEs ist eine Ankündigung, die in vielen Ländern dieser Welt für Beunruhigung sorgt. Drei Tech-Konzerne haben sich bereit erklärt, bis zu 500 Milliarden Dollar in eine neue Organisation zu investieren. Das dahinterliegende Projekt Stargate will neue Infrastrukturen für künstliche Intelligenz erschaffen, riesige Rechenzentren bauen und die Entwicklung vorantreiben. Initiatoren sind der japanische Technologiekonzern Softbank, ChatGPT-Erfinder OpenAI und Software-Firma Oracle. Der Clou: Stargate operiert in den USA und dort soll das Geld auch bleiben.
500 Milliarden Dollar für KI in den Vereinigten Staaten, eine halbe Billion. Bereits im Dezember sicherte Softbank-Chef Masayoshi Son zu, in Donald Trumps neuer Amtszeit etwa 100 Milliarden Dollar für KI-Strukturen auszugeben. Nun hat er sich Verbündete aus der Branche geholt.
Das Trio um Son, OpenAI-Chef Sam Altman und Oracle-Gründer Larry Ellison will die USA voranbringen – drei Milliardäre, zwei davon stehen auf der Liste der reichsten Menschen der Welt. Arm, Microsoft und Nvidia stellen sich als Partner an die Seite von Stargate, sie profitieren in erster Linie von der Investition. Denn die neu erschaffenen Rechenzentren fördern auch das Geschäft der Tech-Konzerne. Chef und Buchhalter des Plans ist Softbank-CEO Son, ausgerechnet ein Japaner.
Trump nennt Stargate das „größte KI-Infrastruktur-Projekt der Geschichte“. Am Mittwoch stellte er die Unternehmung mit seinen Tech-Kumpanen im Weißen Haus vor. Stargate soll für 100.000 neue Jobs sorgen. „Dieses Projekt wird nicht nur die Reindustrialisierung der Vereinigten Staaten fördern, sondern auch eine strategische Fähigkeit zum Schutz der nationalen Sicherheit Amerikas und seiner Verbündeten bieten“, heißt es von Oracle.
Große Worte in den USA, Sorge in Europa und vor allem Deutschland. Selbst China würde auf der Strecke bleiben. Bereits nach Sons erstem Aufschlag im Dezember zeigten sich deutsche Tech-Investoren beunruhigt. Der deutsche KI-Standort würde so noch weiter abgehängt, sagte etwa Hendrik Brandis von Earlybird. Es brauche mindestens zehn Milliarden Euro pro Jahr, um ein konkurrenzfähiges KI-Produkt zu entwickeln, heißt es immer wieder von Kapitalgebern. Geld, das in Deutschland nicht zur Verfügung steht.
Visionen der Politik, Sorge der Tech-Szene
Die Finanzierungslücke von Scale-Ups, also älteren Start-ups, ist seit jeher ein bekanntes Problem. Der enorme Finanzierungsbedarf von KI-Lösungen verstärkt den Notstand noch einmal mehr. Mit diversen Fonds und Incentives versucht die Bundesregierung diese Lücke zu verkleinern. Die Große Koalition brachte am Ende ihrer Amtszeit den Zukunftsfonds auf den Weg, der über zehn Jahre lang die Gründerszene mit zehn Milliarden Euro finanzieren soll.
Etwa die Hälfte davon ist noch übrig. Im Vergleich zum KI-Paket von Softbank, Oracle und OpenAI sind das aber Peanuts. Weitere fünf Milliarden für die komplette deutsche Start-up-Szene gegenüber 500 Milliarden für künstliche Intelligenz in den USA. Um diese Problematik wissen nicht nur Investoren und Gründer, auch die Politik.
„Das nächste Google muss aus Deutschland oder Europa kommen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Dienstag im Politformat „Maischberger“. Deutschland müsse sich gegenüber „autoritären“ Tech-Mogulen wie Elon Musk behaupten und mit eigenen Plattformen von der Abhängigkeit US-amerikanischer Konzerne lösen, so seine Idee. Nur in der Umsetzung ist diese Vision kaum möglich.
Zumal Trump die Regulierungen für künstliche Intelligenz gelockert hat, eine seiner ersten Amtshandlungen in dieser Woche. Ein wohlgesonnenes Zeichen an seine „Tech-Bros“. In den Staaten gibt es künftig keine Richtlinien für die Entwicklung von KI-Modellen mehr. Es herrscht Wilder Westen auf diesem Gebiet. In Europa müssen sich Firmen hingegen an den AI Act halten, ein verbindlicher Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Kritiker sagen, dass Europa durch die Regulierungswut den Anschluss an die Weltspitze verliert.
Dem stimmt auch Verena Pausder zu, Chefin des Start-up-Verbands – wenn auch aus anderen Gründen. Nicht die gesetzlichen Rahmenbedingungen schwächen Deutschland, sondern die Finanzierungslücke. Der Rückstand bei kostenintensiven Sprachmodellen sei viel zu groß. Hiesige Start-ups hätten daher ein großes Potenzial bei angewandter KI, also dem Verarbeiten von Daten mithilfe von Technologie. Eine Strategie, auf die auch Aleph Alpha umgeschwenkt ist. Pausder fordert daher: „Deutschland allein sollte nicht in den Wettlauf mit anderen Nationen gehen. Ein Thema wie KI müssen wir europäischer denken.“
Lesen Sie auch: Deutschland fällt im KI-Wettbewerb zurück