1. Startseite
  2. Technologie
  3. Digitale Welt
  4. Choco-Gründer Daniel Khachab: Warum wir Deepseek und Stargate ernst nehmen sollten

Gründer Daniel Khachab„Wir müssen DeepSeek ernst nehmen“

Das US-Projekt Stargate und die chinesische Firma DeepSeek beschäftigen die KI-Szene. Vor allem aber sorgen sie für Unruhe, sagt Gründer Daniel Khachab.Lisa Ksienrzyk 29.01.2025 - 14:35 Uhr

Investoren haben Choco, das Start-up von Daniel Khachab, 35, zuletzt mit über einer Milliarde Dollar bewertet.

Foto: PR

Etwa 500 Milliarden Dollar sollen künftig in den Ausbau der US-amerikanischen KI-Landschaft fließen, allen voran in die ChatGPT-Firma OpenAI. Das verkündeten OpenAI-Chef Sam Altman, Oracle-Gründer Larry Ellison und Softbank-CEO Masayoshi Son gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump am 21. Januar. Das Projekt nennt sich Stargate. In etwa zeitgleich veröffentlichte das chinesische Start-up DeepSeek ein neues Sprachmodell, das kostengünstiger und hochwertiger sein soll. Beide Neuigkeiten entfachten hitzige Diskussionen in der Tech-Szene, auch bei Daniel Khachab, Gründer des KI-Unternehmens Choco.

WirtschaftsWoche: Was war Ihre erste Reaktion auf Stargate, Herr Khachab?
Daniel Khachab: Ich empfand das als unfassbar stark – aus zweierlei Gründen. Der neue US-Präsident stellt nach nur wenigen Tagen im Amt dieses Projekt mit den wichtigsten KI-Köpfen des Landes vor. Das war offenbar ganz oben auf der Prioritätenliste. Zweitens wurde Stargate nicht von der US-Regierung finanziert oder ins Leben gerufen, sondern die Standortvoraussetzungen motivieren private Unternehmen zu diesem Investment. Die Regierung sorgt für gute Grundkonditionen, überlässt die Umsetzung und Finanzierung des Projekts aber den Tech-Firmen, weil die es einfach besser können.

Welche Voraussetzungen hat Trump denn geschaffen?
Er hat direkt das KI-Gesetz außer Kraft gesetzt. Dieser Schritt war wichtig. Für alle Investitionen über eine Milliarde Dollar bekommt man fortan eine Genehmigung in kürzester Zeit. In Deutschland bräuchte man für die Baugenehmigung von Rechenzentren in der Stargate-Größenordnung mindestens zwei Jahre. Und Trump hat versprochen, günstige Energie zur Verfügung zu stellen – was hochpolitisch ist.

Zur Person
Daniel Khachab, 35, hat seine Karriere beim Berliner Inkubator Rocket Internet begonnen. Ende 2018 gründete der Berliner eine Messenger-App für Gastronomen. Über das Tool können Restaurants automatisiert Lebensmittelbestellungen bei Großhändlern aufgeben. In einer Finanzierungsrunde 2022 bewerteten Investoren die Firma mit 1,2 Milliarden Dollar. Im Jahr darauf verlagerte Choco den Fokus auf KI-gestützte Software.

Die anvisierten 500 Milliarden Dollar kommen in erster Linie von den Tech-Konzernen Softbank, Oracle und OpenAI sowie dem Staatsfonds aus Abu Dhabi MGX. Es steht die Frage im Raum, ob die Firmen überhaupt so viel Geld zusammenbekommen.
Microsoft und OpenAI planen unter dem Decknamen Stargate seit 2022 ein erstes Rechenzentrum in Texas. Für den Bau hatte Microsoft bereits 100 Milliarden Dollar zugesichert. Das Unternehmen ist unfassbar reich und kann noch mehr Geld besorgen. Softbank hatte Donald Trump im Dezember 100 Milliarden Dollar versprochen. MGX und Oracle haben ebenfalls viele Ressourcen. So oder so, dies ist die falsche Unterhaltung. Es ist auf jeden Fall sehr viel Geld und wenn es am Ende nur 200 Milliarden Dollar werden, ist das auch genug.

Was bedeutet dieses Projekt für die deutsche Tech-Szene?
Viele Leute waren entrüstet, weil sie schon länger von der Regierung ein solches Riesenprojekt gefordert hatten. Aber nochmal: Nicht die Regierung hat das Projekt in den USA angeschoben. Wir müssen so etwa als Unternehmer selbst verantworten. Das muss aus der Start-up-Szene kommen und die Regierung muss für gute Standortfaktoren sorgen.

Welche Faktoren wären das?
Das europäische KI-Gesetz ist mit Abstand das schlechteste, was uns hätte passieren können und ich bin schockiert darüber, wie viel Unterstützung es erfährt. Bei Choco nutzen wir eine Kombination aus unserem eigenen neuronalen Netz und Schnittstellen zu großen amerikanischen Modellen wie OpenAI. Wenn die US-Firmen neue Features veröffentlichen, werden die erst sechs Monate später in Europa ausgerollt. Der komplette Rest der Welt hat früher Zugang zu Updates. Das heißt, aufgrund dieser EU-Regulierungen haben wir einen Wettbewerbsnachteil zu jedem, der außerhalb der EU künstliche Intelligenz entwickelt.

Sie sind gegen KI-Regulierungen per se?
Hochrisikosysteme sollten natürlich reguliert oder verboten werden. Aber alles andere kann die EU erst einmal komplett aussetzen, damit wir auch agieren und schnell sein können.

DeepSeek

„Während der Westen noch über DeepSeek staunt, ist China schon weiter“

Im Rennen um die Führung bei KI hat China weit mehr als DeepSeek zu bieten. Mit welcher Strategie die Volksrepublik gewinnen will.

von Jörn Petring

Choco ist auch in den USA aktiv und hat ein Büro in New York. Wenn es dort als KI-Firma einfacher sei, erwägen Sie nun einen Umzug in die Staaten?
Letztlich stehen wir als Unternehmen im Wettbewerb mit anderen Unternehmen und wollen den gewinnen. In Europa haben wir massive Standortnachteile. Entweder akzeptieren wir diese und hängen im globalen Wettbewerb hinterher oder wir ändern unseren Standort. Man muss gar nicht in die USA ziehen, die Vereinigten Arabischen Emiraten sind genauso progressiv. Dort haben wir ebenfalls mehrere Büros. Unser größter Markt sind die USA, deswegen wäre ein Umzug gar nicht so abwegig. Aber wir wollen lieber kämpfen und zeigen, dass man gute KI-Applikationen aus Berlin und Deutschland heraus bauen kann.

Sie sagen, die Verantwortung für solche Riesenprojekte liegt bei den Unternehmern. Sehen Sie sich damit auch in der Verantwortung?
Ja. Choco bildet Mitarbeitende im Bereich KI aus, das ist gut für den Standort. Ich hoffe, dass diese Leute irgendwann weitere KI-Start-ups gründen – davon brauchen wir mehr. Ich persönlich versuche seit längerer Zeit, an die richtigen Leute in der Politik heranzutreten. Das ist allerdings ein schwieriges Unterfangen. Im Wahlkampf spielt künstliche Intelligenz kaum eine Rolle.

Wer könnte das in Deutschland denn finanzieren?
Im Prinzip braucht es jemanden, der groß genug ist, um solch ein Projekt anzufangen. Wir sollten nicht mit dem Finger auf SAP oder ASML zeigen. Es muss von solchen Unternehmen selbst kommen. Sie müssen das wollen und das sollte der Kernteil ihrer Strategie sein. Noch viel interessanter für Gründer in Deutschland ist die Geschichte um DeepSeek.

Das chinesische KI-Unternehmen sorgt mit seinem Sprachmodell gerade für viel Aufmerksamkeit – vor allem, weil es für die Entwicklung offenbar nur rund sechs Millionen Dollar Kapital benötigt hat.
Wenn das stimmt oder selbst nur ein Zehntel so viel wie ChatGPT gekostet hat, verändert das die Ausgangslage. Das bedeutet, dass mit wesentlich weniger Ressourcen, also Chips, Energie, Zeit und Personal ein global kompetitives Sprachmodell gebaut werden konnte. Die Summe, die laut DeepSeek dafür aufgewendet wurde, haben selbst deutsche Investoren noch übrig.

DeepSeek steht in der Kritik, weil es bei brisanten Themen eine Zensur von der chinesischen Regierung auferlegt bekommen hat. Obendrein warnt die Tech-Firma selbst vor Cyberattacken. Lässt sich die KI dennoch bei Unternehmen einsetzen?
Wir haben letzte Woche angefangen, damit zu experimentieren. Die KI ist in Kategorien wie Mathe weitaus besser als andere Sprachmodelle. Sie ist langsamer, aber produziert bessere Resultate – plus die Software ist Open Source. Das heißt, man kann DeepSeek herunterladen, auf einem Server in Berlin installieren und dadurch werden keine Daten mit dem Rest der Welt geteilt. Auf diesem Weg ließe sich auch die Zensur entfernen. Das Modell ist so gut, dass sich sogar Präsident Trump öffentlich dazu geäußert hat. Das gleiche wünschen wir uns auch von der deutschen Politik. Wir müssen das ernst nehmen.

Lesen Sie auch: DeepSeek zeigt, dass zu viel Geld faul und unkreativ macht

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick