Stellenanalyse: Keiner braucht mehr Manager? Von wegen!
Bayer, Evonik, Brose, Amazon – die Liste der Unternehmen, die aktuell Hierarchien straffen und Führungspositionen abbauen, ist lang.
Umso überraschender kommt diese Nachricht: Die Nachfrage nach Personal fürs mittlere Management lässt nicht nach – im Gegenteil. Das zeigt eine umfassende Stellenanalyse des Personalmarktdienstleisters Index Research.
Während die offenen Stellen über alle Hierarchiestufen hinweg in Deutschland im vergangenen Jahr um vier Prozent zurückgingen, nahm die Zahl der ausgeschriebenen Führungspositionen sogar leicht zu.
Insgesamt suchten Unternehmen 2024 rund 1,39 Millionen Projekt- und Teamleiter, Abteilungs- und Bereichsleiterinnen – ein Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2019 hat sich die Zahl der ausgeschriebenen Stellen um fast 600.000 erhöht.
Besonders stark stieg die Nachfrage nach Führungskräften im Rechts- und Steuerwesen. Dort gab es im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Jobangebote als im Vorjahr. Im Vertrieb und Verkauf wurden acht Prozent mehr Manager gesucht.
Ungeachtet des Hierarchieabbaus in einigen prominenten Unternehmen scheint also der Bedarf an leitenden Kräften ungebrochen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben oftmals sogar Schwierigkeiten, die offenen Führungspositionen zu besetzen – zumal sich Jahr für Jahr mehr Babyboomer in den Ruhestand verabschieden.
Allerdings sind Führungskräfte nicht überall so gefragt: In der Verwaltung gingen die offenen Stellen im vergangenen Jahr um acht Prozent zurück, im Personalwesen um zwei Prozent. Und dann ist da noch die angeschlagene Autoindustrie, die in letzter Zeit besonders oft für Schlagzeilen zu Stellenstreichungen gesorgt hat.
Autoindustrie stellt weniger Manager ein
Allein Volkswagen will in den kommenden fünf Jahren 35.000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Nun gab auch noch VW-Tochter Porsche bekannt, dass 1900 Stellen wegfallen sollen. Index Research hat deshalb exklusiv für die WirtschaftsWoche noch einmal das mittlere Management in den deutschen Autokonzernen unter die Lupe genommen.
Das Ergebnis: Entgegen der allgemeinen Entwicklung haben die Autobauer 2024 viel weniger Führungskräfte eingestellt als in den Jahren zuvor. Bei Porsche ging die Zahl der ausgeschriebenen Managementstellen allein im vergangenen Jahr um 23 Prozent zurück, bei Volkswagen um 50 Prozent und bei Mercedes gar um 73 Prozent.
Einzig BMW, das von den deutschen Autoherstellern derzeit wirtschaftlich am besten dasteht, stellte mehr Führungskräfte ein als 2023.
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