Bayer-Bilanz: 2025 wird das Jahr der Entscheidung für Bayer
Bayer-CEO Bill Anderson im Sommer 2023.
Foto: imago imagesSeit zwei Jahren steht Bill Anderson an der Spitze von Bayer. Die Hoffnung war groß, dass es mit dem Neuen besser wird – dem Amerikaner wurde sogar zugetraut, schnell eine Lösung für das Glyphosat-Prozess-Desaster in den USA zu finden.
Die aktuellen Zahlen, die Bayer an diesem Mittwoch vorlegte, zeigen jedoch: Es hat sich noch wenig zum Positiven verändert. Auch 2025 wird es nicht besser. Erst 2026 soll es wieder aufwärts gehen.
Immerhin hatte Anderson den Kapitalmarkt vorgewarnt und bereits die Ergebnisprognose gesenkt. Für das abgelaufene Jahr erreichte Bayer schließlich einen Gesamtumsatz von 46,6 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis von 10,1 Milliarden – in beiden Fällen weniger als im Vorjahr.
Nur wenig Hoffnung auf Besserung
Unter den Investoren wächst nun die Ungeduld. 2025 sei das Jahr der Entscheidung, heißt es. Doch die große Wende wird es auch dieses Jahr noch nicht geben. Anderson muss jetzt die entscheidenden Weichen stellen. Immerhin hatte er vorab schon durchblicken lassen, dass die Aussichten trübe sind. Der Umsatz soll 2025, bereinigt um Währungseffekte, 2025 auf 45 bis 47 Milliarden steigen, das operative Ergebnis zwischen 9,3 und 9,8 Milliarden Euro erreichen – jeweils weniger als im Vorjahr.
Und noch gibt es wenig, das Hoffnung auf Besserung macht. Am besten läuft es noch im Pharmageschäft. Die Medikamente Nubeqa (Krebs) und Kerendia (Nieren) erfreuen sich starker Nachfrage. Dafür hat Bayer allerdings mit dem Patentablauf seines Gerinnungshemmers Xarelto zu kämpfen. 2027 soll Pharma wieder zum Wachstum zurückkehren.
Rückläufiges Glyphosat-Geschäft
Die meisten Probleme macht Bayers größte Sparte, das Agrargeschäft. Weltweit sinken die Preise für Pflanzenschutzmittel und Saatgut, der Wettbewerbsdruck nimmt zu. Auch der Unkrautvernichter Glyphosat entwickelt sich rückläufig. Bei den Tausenden Klagen, die in den USA wegen Glyphosat anhängig sind, ist dieses Jahr auch noch kein Ende absehbar.
Einigermaßen stabil wirkt immerhin noch das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien, wozu auch der Klassiker Aspirin zählt. Bis auf Allergie- und Erkältungsprodukte wachsen dort alle Kategorien.
Große Hoffnungen setzt Anderson nach wie vor auf das neue Organisationsmodell DSO (Dynamic Shared Ownership), durch das Bayer mit weniger Hierarchieebenen und Managern auskommen soll. Der Konzern soll so flexibler, schneller und kundennäher agieren.
7000 Stellen hat Bayer im Zuge von DSO bereits abgebaut. 500 Millionen Euro hat Bayer dadurch im vergangenen Jahr abgebaut. In diesem Jahr sollen 800 Millionen werden – und ab Ende 2026 zwei Milliarden Euro jährlich.
Spätestens 2026 dürfte es jedoch mit der Geduld vieler Investoren vorbei sein. Bis dahin muss Anderson liefern. Ansonsten könnte es auf eine Zerschlagung von Bayer hinauslaufen.
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